Klasse Frauen: Scharajeg Ehsasian an der Hamburger Straße

Am 07. März war Scharajeg Ehsasian im Rahmen des Projektes „Klasse Frauen – Lernen mal anders“ im Gymnasium an der Hamburger Straße und hat sich bei einer fünften Klasse vorgestellt, um über ihre Erfahrungen als Flüchtlingskind zu sprechen.

Das Projekt wurde 2011 von der ZGF ins Leben gerufen und bietet insbesondere Mädchen die Möglichkeit, Vorbilder kennenzulernen und zu erfahren, wie man als Frau alltägliche Hindernisse aus dem Weg räumen kann. Bei dem Projekt stellen sich die unterschiedlichsten Frauen vor, die verschiedene Wege gegangen sind und individuelle Erfahrungen gesammelt haben. Das Projekt dient dazu, sowohl Mädchen als auch Jungen wichtige Botschaften für den Alltag mit auf den Weg zu geben und sie zu stärken.

Sharajeg Ehsasians Erfahrungen als Flüchtlingskind

Scharajeg Ehsasian, Frau mit langen dunklen Haaren die lächelt

(c) Alexandra Brietzke

Scharajeg Ehsasian wurde als Flüchtlingskind iransicher Eltern in einem deutschen Flüchtlingsheim geboren. Wegen politischer Verfolgungen des Vaters mussten ihre Eltern aus Angst vor dem Tod ihr Heimatland verlassen. Fünf Jahre lang wurde ihr Vater in dem iranischen Gefängnis Evin gefoltert und zum Tode verurteilt. Nur mit Glück gelang es ihm begnadigt zu werden, doch trotzdem konnte er sich in seinem Land nicht mehr frei fühlen. Er und seine Frau mussten alles verkaufen, damit Schleuser sie nach Deutschland bringen konnten. Bis heute sprechen Scharajegs Eltern davon, wie Scharajeg als Baby nach der Geburt nackt unter der Lederjacke ihres Vaters zurück zum Flüchtlingsheim transportiert wurde. Ein Baby, das nach der Geburt nackt transportiert wird, bezeichnet man im Iran als Glückskind.

Scharajeg Ehsasian hatte schon im Kindesalter mit Ausgrenzungen zu kämpfen und wurde in der Schule weder von ihren Mitschüler*innen noch von ihren Lehrer*innen akzeptiert. Sie fühlte sich oft unverstanden und allein. Geholfen hat ihr in dieser Zeit das Hip-Hop-Tanzen welches sie als „Schatten ihrer selbst“ beschrieben hat. Beim Tanzen lernte sie, an sich selbst zu glauben und fühlte sich nicht mehr auf ihre Herkunft reduziert. Mit 15 Jahren arbeitete sie sogar als Background-Tänzerin. Durch ihren starken Charakter gelang es ihr, trotz einer Hauptschulempfehlung ihr Abitur zu absolvieren und sich in den Alltag zu integrieren. Inzwischen spricht sie fünf Sprachen, arbeitet als Referentin für interkulturelle Angelegenheiten im Bildungsresort Bremen und organisiert Vorkurse für Flüchtlingskinder. Außerdem hat sie ein Buch namens „Neu in der Fremde“ geschrieben, aus welchem sie der fünften Klasse vorlas.

Ein spannender Vortrag und interessierte Kinder

Frau mit schwarzen Haaren hält Vortrag in einer Schulklasse, Scharajeg Ehsasian liest aus ihrem Buch vor

(c) Dalia

Die Fünftklässler lauschten der Geschichte von Scharajeg sehr gespannt und interessiert und stellten viele Fragen, wie zum Beispiel ob sie noch andere Familienmitglieder im Iran habe oder ob sie es schade findet, dass sie ihr Heimatland noch nie kennenlernen konnte. Scharajeg hat auf die Fragen der Kinder sehr offen und ehrlich geantwortet und im Allgemeinen darauf geachtet, dass die Kinder sich nicht langweilen.

Am Ende des Vortrags gab sie den Kindern mit auf den Weg, dass sie mit Vorurteilen gegenüber anderen Kindern immer vorsichtig sein sollten und dass jedes Kind einen schwierigen Weg hinter sich haben könnte.

Dalia Osowska und Alina Zimmermann

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