„Let the Music Play“ – DJanes in Deutschland #2

Interview mit der DJane „Pinky Rose“ aus Bremen

© Pinky Rose

© Pinky Rose

Wie heißt Du?
Pinky Rose, ein Charakter aus dem Film „3 Frauen“ von Robert Altman

Wie alt bist Du?
Ich habe zwei erwachsene Kinder…

Wie bist Du zur Musik gekommen?
Durch Hörerinnenanruf bei Radio Bremen und bin dann eingeladen worden in die Sendung. Ich bin durch engagierte Anrufe beim Redakteur an eine eigene Sendung geraten. Dann einmal im Monat eigene Sendung von 1987-2004. Mitte der 90er Jahre auf geheimer „Record-Release-Party“ Redakteur von der „Zeit“ kennengelernt. CD-Besprechung 1 x im Monat im Printbereich der „Zeit“ und „Süddeutsche Zeitung“ und später dann bei „Zeit-Online“. Ich war die erste, die über elektronische Musik und Techno in der „Zeit“ berichtet hat und bin damit bekannt geworden. Mein inhaltlicher Stützpunkt war ab Mitte der 90er Jahre das Umfeld um das Kölner Plattenlabel „A-Musik“. Seit 2007 machte ich nichts mehr im Print- und Onlinebereich, sondern war ab 2009 tätig beim freien Webradio „ByteFM“. Es gab einen Einbruch im Verlagswesen und Folgen waren schlechtere Bezahlung und weniger Aufträge für Freie MitarbeiterInnen. Ich wurde dann auch zu Panels und Diskussionsveranstaltungen eingeladen zu Themen rund um Popkultur/Musik/Feminismus. Zeitgleich habe ich einen Artikel veröffentlicht im Buch „Gendertronics“, Der Körper in der elektronischen Musik, Seite 125.

Bist Du mit Musik aufgewachsen?
Mein Vater hat viel Jazzmusik gehört. Ich habe viele Kassetten aufgenommen, da ich nicht genug Geld hatte, um Schallplatten zu kaufen. Die Musik, die wir damals in den Diskotheken oder zuhause unter Gleichaltrigen hörten, das waren zwei völlig separate Welten mit ganz unterschiedlichen Vorlieben. Es gab ein zeitliches Loch zwischen der Hippiemusik und dem Punk. Dieses Loch hat eine Sehnsucht produziert nach einer Zugehörigkeit, die die Musik Anfang der 70er Jahre nicht geboten hat. Wichtige 80er Bands waren zum Beispiel „Ton, Steine, Scherben“, „F.S.K.“ und Palais Schaumburg. Die Sehnsucht erfüllte sich dann in den 90er Jahren in der House Music-Szene in Köln und Berlin.

Welche Musikrichtungen legst Du auf?
House Music und elektronisch Experimentelles

Erfüllst Du gerne Musikwünsche?
Wenn ich ehrlich bin, eigentlich nicht. Es sei denn ich habe es zufällig dabei.

Woher beziehst Du deine Musik?
Viel Geld für Plattenausgaben ist was für Nerds (die Jungs). Als Frau und Mutter hat man dafür nicht genug Geld und bezieht seine Musik im weitesten Sinne aus den sozialen Netzwerken.

Wie lange legst Du schon auf?
Seit Ende der 90er auf selbstgestalteten Partys oder auch mal im „Lift“, im „Urlaub Couch Club“ hier in Bremen. Ich war eine Zeit lang das einzige weibliche Mitglied eines Bremer Elektro-Party- Veranstalterquartetts. Aber der Versuch, eine ähnlich virale musikalische Kleinkunstszene wie z.B. rund um den Hamburger Pudel Club zu installieren, scheiterte.

Wie lange dauerte es, bis Du einen Namen hattest?
Mit den ersten Artikeln in der „Zeit“.

Wie viele weibliche DJs kennst Du noch in Deutschland?
Es gibt inzwischen einige interessante, weibliche DJs in Berlin und Hamburg, mit denen ich aber selten zusammengearbeitet habe. Dadurch dass ich als Journalistin aufgetreten bin, die mit ihrem Wissen über technoide Musik die Männer schon von Anfang an beeindruckt hat, hatte ich weniger die Probleme anderer weiblicher DJs in der Männerdomäne.

Wie siehst Du überhaupt die DJ-Szene in Deutschland?
In der kleinen Szene ist es für Frau oder Mann sehr schwer zu überleben, wenn man nicht entweder eine bekannte Größe im Dance Music-Bereich (z.B. Kalkbrenner) oder Hochzeits DJ ist.

Wo und wie legst Du am liebsten auf?
Ganz gern draußen oder in einem netten oder auch originellen Ambiente. Ich würde gerne mal themenbezogen, also nicht zum Tanzen auflegen, z.B. für eine Ausstellung, Themennacht im Museum, da auch eins meiner Standbeine von jeher Noise, Avantgarde und experimentelle Musik ist.

Worüber wirst Du gebucht?
Über die Veranstalter persönlich.

Hast Du Vorbilder?
Ganz allgemein weibliche Vorbilder von mir: Gudrun Gut, Bernadette La Hengst, Christiane Rösinger. Speziell als DJ habe ich keine, weil ich nicht wie Club DJs auflege, sondern eher wie Radio DJs aus dem Autorenradio. Aber ich bewundere alle Frauen, die entweder als Musikerinnen oder als genderforschende Autorinnen von sich reden machen.

 

Barbara Lindemann

  3 comments for “„Let the Music Play“ – DJanes in Deutschland #2

  1. 3. September 2015 at 9:04

    Ein sehr interessantes Interview. Ich dachte aber, dass es sich schon ändert und der „Beruf“ nicht mehr so männerlastig ist.

    • Pinky Rose
      3. September 2015 at 13:04

      Danke für dein Feedback, David Braun. Ich glaube, das täuscht insofern, als eine (aktive) Minderheit nur umso mehr auffällt im Gesamtbild. Fokussierte Wahrnehmung nennt das die Wissenschaft, deshalb wirkt eine Entwicklung von „ein paar mehr“ (Frauen in einer Männerdomäne) so, als hätte sich viel geändert.
      Ein Phänomen dieser fokussierten Wahrnehmung mag auch sein, sich bescheuerte Begriffe für Frauen z.B. an Reglern&Mischpult auszudenken.. 😉 und ich möchte deshalb ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich den Begriff „Djane“ für weibliche DJs vollkommen unpassend, dem englischen Wortursprung nach unsinnig und sogar entwürdigend finde (hatte darüber auch Diskussionen mit der Interviewerin 😉 ) – und diese völlig sinnfreie, einmal mehr bloße Hilflosigkeit im Umgang mit weiblichem Expertenwissen demonstrierende „Wortschöpfung“ deshalb selber niemals verwende, weder für mich noch für Kolleginnen.

      • janni
        3. September 2015 at 16:35

        Oh, über die Problematik der Wortschöpfung habe ich mir tatsächlich noch nie Gedanken gemacht! Klingt irgendwie schlüssig… Danke für den gedanklichen Anstoß!

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