#MeToo der Akademikerinnen

Die #MeToo-Debatte hat gezeigt, wie viele Frauen weltweit von sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Alles begann mit den Skandalen in der Filmbranche. Dann berichteten immer mehr Frauen von ihren Erlebnissen: beim Sport, in Diskotheken. Und schließlich auch aus einem weiteren Bereich, in dem patriarchale Machtstrukturen von Männern ausgenutzt werden: Frauen erzählen von sexuellen Übergriffen an Universitäten.

Akademisches #MeToo in Schweden

In Schweden führte das #MeToo der Akademikerinnen zu einer neuen Debatte. Unter dem Hashtag #akademiuppropet (dt. Aufruf der Akademie) berichteten dort 2400 Frauen von Übergriffen an Universitäten und Hochschulen. Sie sind Studentinnen, Doktorandinnen, Forscherinnen oder Mitarbeiterinnen. Und sie erlebten sexistische Bemerkungen, unangemessene Berührungen, sogar Missbrauch und Vergewaltigung an ihren Unis. Die Täter waren Akademiker, die ihnen meist in einer höheren Machtposition übergeordnet waren.

Eine Frau, die vor einem schwarzen Hintergrund steht, hält einen Zettel mit der Aufschrift "#AKADEMIUPPROPET" hoch, wodurch ihr Gesicht verdeckt ist

(c) Alexandra Stegh

Die Ursache für diese Vielzahl an sexuellen Übergriffen innerhalb der akademischen Welt sehen viele Expert*innen genau in dieser erhöhten Machtposition. Denn die Frauen sind in der Regel für ihren weiteren akademischen Weg auf die Unterstützung von ihren übergeordneten Vorgesetzten, Betreuer*innen oder auch Kolleg*innen angewiesen. Aus Sorge um die eigene Zukunft trauen sich viele Opfer nicht, sich an jemanden zu wenden und das Geschehene anzusprechen.

Belästigungen und Übergriffe an deutschen Unis

Sexuelle Belästigung an Universitäten gibt es allerdings auch in Deutschland. Erst im Februar 2018 berichtete der Spiegel von Studentinnen und Doktorandinnen, die an deutschen Universitäten sexualisierte Gewalt erlebten. Auch mehrere Doktorandinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Max-Planck-Instituts äußerten sich zu Übergriffen, die ihnen dort widerfahren waren.

Diese Vorfälle stellen keine Ausnahme dar. Eine Statistik der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2012 zeigt, dass 25 Prozent der befragten Studentinnen während ihres Studiums durch eine Person aus dem Hochschulbereich sexuell belästigt wurden. Dabei zählen Kommilitonen, Lehrende sowie andere Hochschulmitarbeiter zu den Tätern.

Eine genaue Betrachtung der Macht-Gewalt-Beziehung zeigt, warum einige Expert*innen nicht allzu überrascht sind, dass es im Akademischen vielfach zu sexuellen Übergriffen kommt. Denn gerade an Universitäten ist die Machthierarchie stark ausgeprägt. Machtpositionen bringen immer die Gefahr von Missbrauch mit sich. Zudem stehen Studierende, Doktorand*innen und Mitarbeiter*innen in einem starken Abhängigkeitsverhältnis – durch Benotungen von Prüfungen, Dissertationen oder durch befristete Arbeitsverträge. Das #metoo der Akademikerinnen hat also auf einen weiteren Bereich hingewiesen, in dem Frauen Opfer sexualisierter Gewalt werden. Und das auch in Ländern, die sich eigentlich als frauen- und gleichstellungsrechtlich weit entwickelt verstehen.

Svenja

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