Die Mutige: Julia

Dunkles gelocktes Haar, ordentliche Kleidung, ein warmes Lächeln und klare Aussagen. Dieser Eindruck ist es, den wir von Julia bekommen haben. Im August haben wir sie in unserer Redaktion zum Interview getroffen und eine Chance gehabt, ihre aufregende Geschichte zu hören. Und sie ist wirklich eine mutige, engagierte Heldin!

Starke Frauen machen starke Frauen

1957 wurde Julia im Iran geboren. Von Beginn an ist Julia mit starken, selbstbewussten Frauen aufgewachsen. Ihre Großmutter war alleinstehend und hatte ihre eigene Bäckerei, was für die Zeit ungewöhnlich war. Sie und Julias Mutter kämpften für ihre Rechte im Iran. Durch den Einfluss ihrer Familie ist Julia selbst seit ihrem 17. Lebensjahr politisch aktiv und hat an Demos teilgenommen. Zu dieser Zeit war die politische Situation noch eine andere und ihre Angst war gering. Sie setzt sich aktiv in Frauenorganisationen im Kampf um Freiheit für die iranische Gesellschaft ein.

ein Spielplatz in Tenever
(c) Julia

Nachdem die islamische Revolution gegen den Schah im Iran beginnt, wird die Situation zunehmend bedrohlich. Julia und ihr Mann entscheiden sich, gemeinsam mit ihrem Kind nach Deutschland zu flüchten. Sie kommen 1983 in Deutschland an. Mit Hilfe von Schleppern sind sie sowohl zu Fuß, mit dem Motorrad und dem Auto durch Afghanistan und Pakistan nach Deutschland geflüchtet.

Heute ist Julia Architektin. Sie hat an der Hochschule für Technik in Bremen studiert und hat jetzt ihr eigenes Planungsbüro in Bremen. Sie hat in mehreren Projekten in Bremen, vor allem in sozialen Brennpunkten gearbeitet. Dabei ist es ihr immer wichtig, dass die Menschen aus dem Stadtteil mit einbezogen werden. So zum Beispiel beim Aufbau eines Spielplatzes. In Tenever hat sie einen Spielplatz aufgebaut. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass durch die Integration von Anwohnern Wandalismus verhindert wird.

Engagement und Einsatz für Frauenrechte

(c) frauenseiten

Der Architektur Bereich wird immer noch als klassische „Männerdomäne“ angesehen. Julia ist in ihren ganzen Arbeitsjahren auf den Baustellen ein einziges Mal einer Schornsteinfegerin und einer Elektrikerin begegnet. Ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein helfen ihr als ausländische Frau mit den Schwierigkeiten umzugehen. Wenn sich jemand auf den Baustellen wiedersetzt, schickt sie ihn auch mal weg.

Julia ist weiterhin ehrenamtlich aktiv für Frauenrechte und Integration. Sie half bei der Gründung von „De Colores“. Das ist ein interkulturelles Frauenzentrum in Bremen, das sich für Migrantinnen aller Hautfarben einsetzt. Sie sagt, dass Frauenrechte insbesondere für Frauen aus dem Islam wichtig sind. Denn dort gelten sie oft als „halbe Männer“. Mit dem Tragen des Kopftuchs werden sie unterdrückt, so Julia. Frauen, die alles akzeptieren was die Männer ihnen vorschreiben, machen es schwierig die Situation zu verbessern. Julia ist fest davon überzeugt, dass die meisten Probleme durch Bildung verändert werden können. „Wir als Frauen müssen alle zusammenhalten. Darüber reden ist wichtig.“

„Wir sind alle Held*innen.“

Julia ist selbstbewusst und setzt sich durch. Auf der Baustelle wie auch im privaten. Durch ihre eigene Geschichte ist sie stärker und selbstbewusster geworden. Sie hat viel durchgemacht und ist stolz auf das, was sie erreicht hat. Sie möchte anderen Frauen Mut machen und sie darin bestärken, sich nicht unterdrücken zu lassen. Es erfüllt sie mit Stolz, wenn sie mit jemandem gesprochen hat und derjenige dann über sein Verhalten nachdenkt.

Auch heute ist Julia noch politisch aktiv. Sie arbeitet im Beirat und unterstützt geflüchtete Familien in Bremen bei der Ankunft und Integration.

Am Ende des Interviews haben wir sie gefragt, was eine Heldin für sie ist. Sie antwortet, dass es für sie nicht eine bestimmte Heldin gibt. Im Iran gab es viele Frauen, die sich für Menschenrechte und Freiheit eingesetzt haben. „Es gibt zu viele Frauen, die ohne Namen gestorben sind.“ Und sie sagt weiter, „wir sind alle Held*innen.“

Zum Abschied haben wir die Hände geschüttelt und ihre Hände waren warm. Unsere Local Heroine Julia wird weiter machen, sowohl Gebäude als auch eine gerechte Gesellschaft aufzubauen.

Minyoung Song

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