Die Unermüdliche: Eine Königin ohne Allüren

ausgebaute Zelle für Königin, darum einige arbeitende Bienen

Zelle für eine zukünftige Königin (c) Schütte

Meine Heldin ist ein Wesen, das unsere ganze Bewunderung verdient!
Sie wird als Königin bezeichnet – aber das ist irreführend. Sie führt und lenkt zwar ein großes Volk, hat aber wenig feudale Allüren. Denn sie lebt nicht auf Kosten ihrer Untertanen, ganz im Gegenteil: Ohne sie läuft in ihrem Volk GAR NICHTS.
Leicht zu erraten, um wen es sich handelt, oder?!

Meine lokale Heldin ist die Bienenkönigin Alwine

Als Imkerin habe ich in den Frühjahrs- und Sommermonaten die Aufgabe, in den Bienenvölkern nach dem Rechten zu sehen. Das bedeutet vor allem: ist in jedem Bienenkasten die Königin vorhanden? Denn die Königin ist die Einzige, die unablässig Eier legt und damit den Bienenbestand sichert.

Sie ist wirklich ein faszinierendes Wesen! Schon ihre Aufzucht und ihre Jugend sind sehr besonders: Als kleine Larve unterscheidet sich die Königin erst mal nicht von einer normalen Arbeiterin. Erst durch eine spezielle Ernährung wächst sie in einer extra großen Zelle zu einer geschlechtsreifen Biene heran, als Einzige im ganzen Bienenvolk. Sobald sie geschlüpft ist, fliegt sie aus auf der Suche nach männlichen Drohnen – bisher weiß niemand genau, wie sie die Plätze findet, wo die Jungs sich aufhalten. Jedenfalls finden sie sich. Nun kopuliert sie im Flug mit mehreren Drohen (die im Übrigen beim Geschlechtsakt sterben) und fliegt zurück in ihren Bienenstock, den sie auch bei diesem ersten und einzigen Ausflug wiederfindet. In ihrem Körper hat sie in einer kleinen Blase das Sperma aufbewahrt, in einer anderen ihren Eiervorrat. Damit kann sie mehrere Jahre Tag für Tag bis zu 2.000 Eier legen! Im Sommer kann so ein Bienenvolk zwischen 10.000 und 40.000 Bienen umfassen.

Bienenkönigin mit gelbem Punkt auf dem Rücken umgeben von ihren Pflegerinnen

Bienenkönigin umgeben von ihren Pflegerinnen
(c) Schütte

Nun beginnt der Alltag

Das war´s auch schon mit dem Liebesleben und dem Abenteuer, denn ab jetzt tut die Königin nichts anderes mehr als tagaustagein Eier legen. Sie schaut genau in jede Zelle, ob sie auch von der Putzkolonne ordentlich saubergemacht worden ist. In die Zelle schiebt sie ihren Hinterleib, befruchtet in diesem Moment ein Ei und legt es hinein. Und dann in die nächste und die übernächste… Um die Pflege und Ernährung von Ei und Larve kümmern sich dann die Arbeiterinnen.

Also ist meine Heldin eigentlich natürlich keine Königin sondern die Mutter aller Bienen im Volk. Sie selbst wird ständig gefüttert, beleckt und gewärmt – denn sie ist die Überlebensversicherung des ganzen Volks. Dabei sendet sie ständig hormonelle Botschaften aus, die sich im ganzen Bienenvolk verteilen und allen Bienen signalisieren: Ich bin da, mir geht es gut, macht euch keine Sorgen um die Zukunft…!

Die Gemeinschaft ist alles

Aber: was passiert, wenn nach rund drei Jahren ihre Kräfte weniger werden, wenn ihr Eier- und Spermienvorrat zur Neige gehen? Dann kommt tatsächlich Unruhe auf im Bienenstock. Die Bienen werden nervös, sie merken: es muss eine neue junge Königin her! Aus einer Zelle, in die ein Ei gelegt wurde, machen sie eine „Nachschaffungszelle“. Diese erweitern sie und füttern die Larve darin mit Gelee royal. Dann beginnt der Zyklus von neuem. Wenn „Die Neue“ die Herrschaft übernimmt, wird die alte Bienenkönigin aus dem Stock geworfen und stirbt – so ist der Lauf der Dinge, denn nur so überlebt das Volk als Ganzes.

Finger halten Bienenkönigin

Feingefühl gefragt!
(c) Schütte

Wir ImkerInnen beobachten die Anzeichen für einen solchen Generationswechsel möglichst frühzeitig und entscheiden, ob wir die Bienen „machen lassen“ oder ob wir eine neue Königin in das Volk setzen, die von uns gewünschte Eigenschaften hat: Sanftmut, Sammeleifer und wenig Neigung zu Schwärmen. Denn wenn die Königin diese Eigenschaften in ihren Genen hat, werden alle ihre Nachkommen sie auch haben.

Also: Wenn ihr my local heroine mal kennenlernen wollt: sie wohnt gleich hier in der Nähe, im Kleingartengebiet hinterm Stadion, oder schaut auf meinem Blog „Biene Alwine“ auf den Frauenseiten vorbei. Ob ihr sie dann wirklich seht, ist allerdings nicht sicher: in dem unglaublichen Gewimmel tausender Bienen ist sie leicht zu übersehen. Darum bekommt sie von den ImkerInnen einen Farbpunkt auf den Rücken, aber trotzdem finden wir sie oft nicht. Nur an den frisch gelegten Eiern ist sicher abzulesen, ob sie aktiv ist.

Ich hoffe ihr seht es auch so: Meine Bienenkönigin ist eine wirkliche Heldin!

Christel Schütte

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