Die Kraftvolle: Marion Touray

Vor vier Wochen habe ich Marion Touray zu einem Interview getroffen.

Portrait von Marion Touray, einer frau, die den betrachter*innen direkt in die Augen schaut. Blodnd Haare, grüne Augen, zartes Lächeln

(c)privat, Touray

Diese Frau hat Power und das strahlt sie vom ersten Moment an aus, als sie mich in den Räumlichkeiten von bras e.V. in der Bremer Neustadt in Empfang nimmt.
Marion Touray leitet hier unter anderem das Projekt Tessa, ein reines Frauenprojekt für Langzeit-arbeitslose. Unter professioneller Anleitung lernen die Teilnehmerinnen hier Filme zu drehen. Es gibt maximal 12 Plätze, die als Injob über das Jobcenter finanziert werden. Das heißt, dass die Frauen sich zu ihrem Arbeitslosengeld II ca. 150 Euro dazu verdienen.

Primäres Ziel von Tessa ist die Stabilisierung und Stärkung der Frauen, damit sie wieder zurück in die Arbeitswelt finden. Dabei geht es weniger darum, dass die Teilnehmerinnen Profis in Kameratechnik und Tontechnik werden. Sondern sie bekommen hier die Basics gezeigt, um am Ende der Maßnahme einen eigenen Film zu präsentieren. Momentan filmen sie in ihren Videos Menschen, die oft über viele Umwege zu ihrem „Traumberuf“ gelangt sind.

Die eigene Wertigkeit anerkennen

Viele der Frauen in diesem Projekt haben Gewalt, Diskriminierung und schwere Schicksalsschläge erlebt. Tessa will ihnen einen geschützten Raum geben, damit sich die Frauen untereinander austauschen können. Sie sollen hier lernen, ihren eigenen Wert zu erkennen und sich selbst zu nehmen, was sie brauchen. Dabei der eigenen Kreativität nachzugehen, wird für viele als Freiraum und neue Möglichkeit wahrgenommen, so Marion Touray. Ein „Trau dich“ ist hier wichtig, damit der eigene Stillstand ein Ende findet.

Marion Touray und ihr Team versuchen gemeinsam mit den Frauen herauszufinden: „Wofür leuchten meine Augen? Was macht mich aus? Wohin bringe ich den in mir gefundenen Schatz und wie kann ich mein gesundes Selbstwertgefühl einbringen?“.
Feuer zu fangen für eine Sache, das will Frau Touray den Teilnehmerinnen weitergeben. Und trotzdem dabei die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Denn was lässt sich beruflich überhaupt umsetzen?! Das heißt auch, dass sie vielen der Frauen am Ende der Maßnahme, die meist sechs Monate bis zu einem Jahr dauert, zu einer Qualifizierung rät. „Sei es eine Umschulung oder Ausbildung. Auch oder insbesondere, um eine finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.“

Dem Herzen folgen

Dieses Bild ist ein Logo.In schwarzer Schrift steht auf weißem Hintergrund "Tessa" geschrieben. Darunter steht in kleiner Schrift "Frauenprojekt"

(c) bras e.V.

Frau Touray erzählt mir noch, dass sie insbesondere ihre Arbeit so schätzt, da sie so vielen unterschiedlichen Menschen begegnet. Sie selbst hat auch einmal Hartz IV bekommen. Doch sie hat die Krise als Chance erkannt. Sich nicht unterkriegen lassen, sondern das System in dem wir leben im Positiven zu nutzen, höre ich aus ihren Worten raus. Ihre Art, wie sie über ihre eigenen Lebenserfahrungen spricht und mit welcher Überzeugung sie für sich und ihre Teilnehmerinnen und Kolleginnen eintritt, gefallen mir. Sie ist glücklich mit ihrer Arbeit bei Tessa. „Ich wünsche mir, dass alle ihren Beruf mit dem Herzen tun.“ Und das glaube ich Frau Touray aufs Wort.

Nach unserem Gespräch setzte ich mich eine Weile an den Werdersee. Irgendwie hallt mir das Gesagte noch nach und berührt mich. Ein Gespräch mit einer heldenhaften Frau, die ihren Job liebt und die, glaube ich, soviel Kraft besitzt, dass sie viel davon an ihre Teilnehmerinnen bei Tessa weitergeben kann. Vielen Dank an Marion Touray, my personal local Heroine, für den Idealismus und den Glauben an sich selbst in ihren Worten.

Kira

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