…Das ist das Motto des FLINTA*Fußballteams aus Oldenburg. Die FLINTA*SPRINTA haben sich im Mai 2024 gegründet – tatsächlich irgendwie ungewollt gewollt. Ausgangspunkt war das Planungstreffen für eine FLINTA*Flirt-Night, die in Oldenburg stattfinden sollte. Das Thema Fußball stand gar nicht auf der Tagesordnung, doch das Gespräch schweifte ab und am Ende quatschen sie dann doch über den Sport. Der Wunsch, ein FLINTA*Fußballteam in Oldenburg zu gründen, stand schon länger im Raum der queeren Bubble, da es bis dato nichts Vergleichbares in Oldenburg gab. So vereinten sich an diesem Abend zwei fußballinteressierte Gruppen, unter ihnen bereits die kleine Form der FLITNA*SPRINTA. Und naja, der Rest ist Geschichte!

Die ersten Wochen
Die Anfangszeit der Gründung war geprägt von Engagement und Tempo, denn innerhalb von wenigen Wochen wurde unfassbar viel geregelt und aufgebaut. Während sich einige um das Design von Trikots, Merchandise und Stickern kümmerten, hatten andere die Aufgabe, Ausschau nach spielbaren Plätzen zu halten. Doch der Hauptfokus lag natürlich erst mal auf der Finanzierung und der Besorgung von Fördergeldern. Das Gleichstellungsbüro Oldenburg hat mit einer ersten Finanzierung dafür gesorgt, dass Trikots bezahlt werden können. Auf lokaler Ebene haben die FLINTA*SPRINTA Unterstützung vom KreativQuadrat und vom nachhaltigen Mode-Laden Hella&Hermann.
Im Laufe der Zeit kam auch das queere Netzwerk Niedersachsen (QNN) als finanzielle Unterstützung hinzu, sodass weitere Buttons, Fahnen und Sticker besorgt werden konnten. Durch die gute queere Vernetzung innerhalb Oldenburgs wurden die FLINTA*SPRINTA von dem Verein HOch MOtiviert Oldenburg e.V. auf den Fördergelder-Topf der Stadt aufmerksam gemacht. Neben der externen Unterstützung gibt es innerhalb des Teams auch ein Spendenglas in Form eines PayPal-Kontos. Da können die Sprintis selbst einzahlen, wann und wieviel sie möchten.
Aber wer sind überhaupt die FLITNA*SPRINTA?
Sie sind FLITNA*s im Alter zwischen ca. 20 und 40 Jahren, die mit und ohne Erfahrung gegen den Ball kicken. Im Team geht es um Spaß, Zusammenhalt und ein gutes Gefühl auf und neben dem Platz. Das sind tatsächlich keine gegebenen Faktoren im Fußball. Bis heute ist der Sport von patriarchalen Strukturen geprägt: Zugangshürden, Vorurteile und Diskriminierung für FLINTA*. Damit soll Schluss sein, denn Fußball soll kein Privileg sein, sondern für jede Person zugänglich – unabhängig von Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung!
“Ich habe früher auch mal Fußball im Verein gespielt und das hat nie Spaß gemacht. Ich bin ungern zum Training gegangen, aber seitdem ich hier in diesem Team bin, macht es halt mega Bock.” – Christie (sie/ihr) von FLINTA*SPRINTA
Das Team zeichnet sich durch Solidarität und einen wertschätzenden Umgang aus, was die Beweggründe für Neuankömmlinge verschieden aussehen lässt:
- manche kommen ins Team, weil sie Bock auf Fußball haben
- manche kommen ins Team, weil sie die Community schön finden
- manche kommen ins Team, weil sie einen safer space für sich finden wollen
- manche kommen ins Team, weil sie einfach irgendwo ankommen wollen
Philosophie des Teams
Die queere Bubble in Oldenburg kennt sich, weshalb die große Neuigkeit des ersten FLINTA*Fußballteams auf jeden Fall gehört worden ist.
“Also natürlich haben es viele durch Mund-zu-Mund-Propaganda mitbekommen, weil Oldenburg irgendwo auch ein Dorf ist. Gerade die queere Szene“ – Christie
Heute besteht das Team aus ca. 12 Leuten, die meistens zum Training kommen. Je nachdem, wie die Kapazitäten reichen. Zwischendurch tauchen immer wieder neue Gesichter beim Training auf. Neue Anfragen fürs Probetraining flattern bei Instagram ein. Manchmal kommt einfach nur positives Feedback. Teilweise von Menschen, die gar keinen Fußball spielen, sondern bloß sagen wollen, wie toll sie das Team finden. Darüber freuen sich die Sprintis natürlich sehr.
“Wenn jemand dazustoßen möchte: feel free, komm vorbei. Da gibt es eigentlich keine Grenzen.“ – Christie
Viele der Mitglieder haben Vollzeitjobs, weshalb die Kapazitäten manchmal nicht ganz für alles reichen. Das ist aber kein Problem, sondern absolut verständlich im Team. Im Gegensatz zu “traditionellen” Fußballteams gibt es bei den FLINTA*SPRINTA keine Hierarchien oder jemanden, der das Sagen hat. Man hilft sich einfach gegenseitig. Die Menschen, die bereits Fußballerfahrung mitbringen, planen Übungen oder stehen bei Technikfragen zur Seite. All das, ohne von oben herab zu kommentieren oder Druck auszuüben.
Die Sprintis sind aber nicht nur ein Fußballteam, sondern auch ein großer Freund*innenkreis. Das Team trifft sich auch außerhalb des Platzes für Veranstaltungen oder Teamabende, was den Zusammenhalt und die Beziehung stärkt. Dabei haben sie beispielsweise gemeinsam die queere RTL-Sendung “Princess Charming” im Oldenburger Gleispark geguckt und auf Instagram in mehreren Videos kommentiert. Auch Turnierfahrten werden als special events zelebriert: Hotel buchen, Party machen und Spaß haben. Auf Instagram kriegen Follower*innen Einblicke in die Trainingssessions und in die Turnierfahrten nach Köln, Hamburg und Berlin.
Ligabetrieb und Vernetzung
In den meisten Großstädten Deutschlands gibt es FLINTA*Teams, die sich untereinander vernetzen und gegenseitig zu Turnieren einladen. Die FLINTA*Vereine des Roten Sterns Berlin und Leipzig haben das Sternetreffen für eine bessere Vernetzung initiiert und veröffentlichen regelmäßig einen Newsletter. Dadurch gibt es einen konstanten Austausch, da ganz viele queere aktivistische Vereine Teil des Newsletters sind. Darunter auch die FLINTA*SPRINTA, die beim FLINTA*Turnier in Köln den Kontakt zum Leipziger Team aufgenommen haben und so Teil des Verteilers werden konnten. Momentan sind Turniere oder selbst organisierte Spiele die einzigen Möglichkeiten für die FLINTA*SPRINTA, gemeinsam Fußball zu spielen. Das liegt nicht an einer fehlenden Liga, sondern an den Rahmenbedingungen. Während es in Bremen die Wilde Liga gibt, in der beispielsweise die Schrotflintas spielen, gibt es in Oldenburg die Bunte Liga. Dort befinden sich zwar Mixed Teams, aber in den meisten spielen cis-Männer, die eine andere Spielweise mit auf den Platz bringen. Sie gehen anders zur Sache, denn die “traditionellen” Fußballstrukturen sind eher von Leistung, Kampf und Konkurrenz geprägt. Das ist nicht wirklich im Interesse der FLINTA*SPRINTA, weshalb sie der Bunten Liga nicht beitreten.
Fußball im Patriarchat
Patriarchale Strukturen sind aber nicht nur auf dem Platz zu erkennen, sondern auch hinter den Kulissen. In der Anfangszeit haben die FLINTA*Sprinta kurzzeitig in den Stätten des HSVO (Homosexueller Sportverein Oldenburg) gespielt. Nach einer Weile kamen Diskussionen auf, denn einige andere Mitglieder wollten kein reines FLINTA*Team in ihrem Verein haben. Das Motto des HSVO ist, dass alle Sportarten für alle zugänglich sind. Das ist an sich ein schöner Ansatz, um Sportarten diverser zu machen. Nichtsdestotrotz sollten Grenzen akzeptiert werden, denn die FLINTA*SPRINTA wollten einen safer space haben: Ein Ort, an dem Diskriminierung, Ausgrenzung und Beleidigungen keinen Platz finden. Bei den Auseinandersetzungen mit dem HSVO sind nicht nur Beleidigungen, sondern auch transfeindliche Äußerungen gefallen. Jetzt sollte sich nochmal die Frage gestellt werden, ob FLINTA*Räume wirklich wichtig sind. Ja verdammt. Patriarchale und diskriminierende Strukturen sind nicht sofort aufgehoben, sobald man sich in einem queeren Raum befindet. Der abwertende Umgang hat dennoch dafür gesorgt, dass der Vorstand des HSVO zurückgetreten ist und knapp 50 weitere Menschen den Verein verlassen haben. Sie wollten sich damit nicht weiter identifizieren.
Safer Space im Post SV
Die FLINTA*SPRINTA sind nach wie vor kein eigener Verein, weil das Aufbauen eines eigenständigen Vereins viel Zeit und Arbeit kostet. Nach den ganzen Auseinandersetzungen hat sich der Post SV Oldenburg gemeldet und die FLINTA*SPRINTA in ihren Verein mit aufgenommen.
„Der Post SV hat im Gegensatz zum HSVO kein Problem damit, ein FLINTA*Team aufzunehmen.“ – Christie
Warum auch? Es sollte jeder Person ja möglich sein, die Liebe zum Fußball ausleben zu können. Auch der FC Ohmstede hat angeboten, dass die FLINTA*SPRINTA auf ihren Plätzen trainieren können, damit sie nicht auf heruntergekommenen Bolzplätzen Gefahr laufen, sich Muskelriss nach Muskelriss zu holen.
Wünsche für die Zukunft
Einer der größten Wünsche der FLINTA*SPRINTA ist es, ein eigenes Turnier zu veranstalten. Es wäre total cool, FLINTA*Teams aus ganz Deutschland einzuladen, um sich bei einigen zu revanchieren. So ein Turnier zu planen, ist jedoch eine Heidenarbeit. Die benötigte Zeit und Energie sind neben Vollzeitjobs manchmal nicht so vorhanden, wie man sich das wünscht, doch die FLINTA*SPRINTA arbeiten dran. Nicht nur das eigene Turnier ist ein großer Wunsch, sondern auch mehr Sichtbarkeit für FLINTA*Personen. Fußball soll offener und diverser sein und endlich die Hürden für FLINTA*Personen abbauen. Die Möglichkeit, überhaupt Fußball spielen zu können, ist nicht jeder Person einfach gegeben, sondern immer noch ein Privileg. Die FLINTA*SPRINTA kämpfen gemeinsam gegen diese unfairen Strukturen und machen Fußball endlich zugänglicher.
“Die Frage ‘Bin ich hier überhaupt erwünscht?’ sollte außer Frage sein und gar nicht erst aufkommen.” – Christie
Jule Bertke



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