Heute im Presse-Pott: starke Frauen, Femizid als Straftatbestand (in Italien) und vieles mehr
Prostituiertenschutz-Kommission
Bundesministerin Karin Prien hat die unabhängige Expertenkommission zur Verbesserung des Schutzes von Prostituierten einberufen. Die Ergebnisse der Prostituiertenschutz-Kommission sollen zu einem besseren Schutz der in der Prostitution tätigen Menschen, insbesondere zu einem besseren Schutz vor Zwangsprostitution und Menschenhandel, beitragen. Die Kommission setzt sich aus zwölf Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fach- und Arbeitsrichtungen zusammen, unter anderem aus den Bereichen Menschenhandel, Wissenschaft, Strafverfolgung, Plattformregulierung, soziale Arbeit und Gesundheit. Sie wird erarbeiten, welche konkreten Handlungsoptionen Bund, Länder und Kommunen haben, um den Schutz von Prostituierten vor Zwang und Ausbeutung zu verbessern.
Indigene Frauen stark beim Schutz der Ökosysteme
Indigene Frauen aus der ganzen Welt trafen sich auf der UN-Klimakonferenz in Belém und forderten, gehört zu werden. „Indigene Frauen sind die Ersten, die unter der ökologischen Krise und dem Klimawandel leiden“, sagte Sônia Guajajara, die erste Ministerin Brasiliens für indigene Völker. Aber sie sind auch Akteurinnen, die einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Natur und Artenvielfalt leisten, weil Indigene das Land oft besonders nachhaltig nutzen.
80 Prozent Frauen
„Die Grünen, Partei der starken Frauen“, betitelt die Rheinische Post ihren Bericht vom Parteitag der Grünen in Hannover. 80 Prozent der Reden wurden von Frauen gehalten und auch in den Führungsgremien seien sie stark vertreten.
Vorschlag: Dynamische Familienarbeitszeit
Wenn Paare Eltern werden, bleibt die Care-Arbeit hauptsächlich an den Müttern hängen, während die Väter sich eigentlich mehr Zeit für die Familie wünschen. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) zur „Rushhour des Lebens“ macht jetzt einen Vorschlag, wie Eltern Care-Arbeit und Erwerbsarbeit gerechter aufteilen können: Die Dynamische Familienarbeitszeit. Näheres hier.
Deutschland hat ein Problem: Männergewalt
Gewalt gegen Frauen muss gesellschaftlich sichtbarer und geächtet werden; das ist die Meinung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen. Die Istanbul-Konvention verpflichte Deutschland seit 2018, Mädchen und Frauen umfassend gegen Gewalt zu unterstützen und zu schützen – und Gewalt präventiv vorzubeugen. Dabei werde geschlechtsspezifische Gewalt überproportional von Männern ausgeübt, insbesondere von Partnern oder Ex-Partnern. In Trennungs-oder Scheidungssituationen seien Frauen besonders gefährdet und gewalttätiges Verhalten gegenüber Mädchen und Frauen werde zunehmend akzeptiert und als normal empfunden. Gewalt im eigenen Zuhause sei ein strukturelles Problem: daher fordert die BAG die Politik auf, Mädchen und Frauen endlich umfassend und nachhaltig vor Gewalt zu schützen und gezielt bei Jungen und Männern anzusetzen.
Mahnmal für Opfer von Femiziden
Der Leipziger Stadtrat hat als erste Behörde in Deutschland beschlossen, ein Mahnmal für Opfer von Femiziden umzusetzen. Es soll „zur Prävention nicht nur von Femiziden selbst, sondern auch von sexueller und häuslicher Gewalt, die einem Femizid häufig vorangehen“ dienen. 140.000 Euro sind für die Verwirklichung bereitgestellt worden.
K.-o.-Tropfen sollen als gefährliche Waffe gewertet werden
Wer K.-o.-Tropfen zur Begehung einer Vergewaltigung oder eines Raubes einsetzt, soll zukünftig mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Das Bundesministerium der Justiz hat einen entsprechenden Gesetzentwurf veröffentlicht. Der heimliche Einsatz von K.-o.-Tropfen bei einem Raub- oder Sexualdelikt kann bereits nach geltendem Recht straferschwerend berücksichtigt werden. Allerdings hat der Bundesgerichtshof im vergangenen Jahr entschieden, dass K.-o.-Tropfen nicht als „gefährliches Werkzeug“ im Sinne des Strafgesetzbuches zu verstehen sind. Damit handelt es sich nach geltendem Recht regelmäßig nicht um eine besonders schwere Form des sexuellen Übergriffs oder des Raubes, für den das Gesetz eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vorsieht. Die geltende Rechtslage wird damit der besonderen Gefahr und Verwerflichkeit, die von dem Einsatz von K.-o.-Tropfen ausgeht, nicht gerecht. Der Gesetzentwurf sieht daher vor, dass in solchen Fällen zukünftig eine Mindeststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe gelten soll.
Femizid wird in Italien eigener Straftatbestand
In Italien ist künftig ein Femizid ein eigener Straftatbestand und kann mit lebenslanger Haft bestraft werden. Auch die Strafen für Stalking und das Verbreiten von gefälschten Videos werden verschärft und Frauenhäuser sollen besser finanziert werden.
Matrimonio riparatore
Erst am 5. August 1981 wurden in Italien die strafrechtlichen Bestimmungen zum Matrimonio riparatore (rehabilitierende Ehe) aufgehoben, in hohem Maß wegen dem Einsatz der Sizilianerin Franca Viola, die sich 1966 nach einer Vergewaltigung weigerte, den Täter – nach altehrwürdiger Sitte – zu heiraten und ihn statt dessen verklagte. Er wurde verurteilt. Wir danken Viola für ihren Mut.
Frauen im Gefängnis global
Die Anzahl von Frauen im Gefängnis steigt weltweit viel schneller als die der männlichen Inhaftierten. Im Schnitt kam der Frauenanteil immer auf etwa 5 Prozent einer Gefängnispopulation, doch seit 2000 stieg der Frauenanteil um 57 Prozent, im Vergleich zu 22 Prozent bei Männern. In einigen Ländern gehören Ausbeutung als Arbeits- und Sexualsklaven zum Gefängnisalltag, wobei Frauen oft für viel geringere Delikte als Männer eingesperrt werden. Eine neue Artikelreihe (leider auf englisch) behandelt Frauen in der Todeszelle, Warum Frauen töten und Zahlen weltweit.
Freebirthing – jenseits der natürlichen Geburt
Die Free Birth Society (FBS) ist ein US-Unternehmen mit Sitz in North Carolina, das von zwei ehemaligen Geburtsbegleiterinnen (Doulas) betrieben wird. Durch ihren FBS-Podcast sind sie jetzt zu erfolgreichen Social-Media-Influencerinnen geworden. Freebirthing (im Gegenteil zu einer Hausgeburt) findet ohne jede Beteiligung von Hebammen oder Ärzt*innen statt. Nach einigen Todesfällen und Gehirnschäden ist die Methode jetzt in die Kritik geraten.
Weibliche Berufskrankheiten erforschen
Auf der Konferenz der Minister*innen & Senator*innen für Arbeit und Soziales (ASMK) am 26. / 27. November 2025 in München brachte Bremen unter anderem den Antrag zur geschlechtergerechten Erforschung und Bewertung von Berufskrankheiten mit ein. Bisherige Daten erwecken den Eindruck, dass Frauen bestimmte Berufskrankheiten seltener anzeigen und diese auch seltener als Männer anerkannt bekommen. Es ist naheliegend, dass dies weniger an den geringeren gesundheitlichen Risiken typischer „Frauenberufe“ liegt, als an der Tatsache, dass die Forschung und Anerkennung von Berufskrankheiten nach wie vor weitgehend auf männlich geprägte, industrielle Arbeitswelten ausgerichtet ist – frauenspezifische Belastungen bleiben häufig unsichtbar. Die ASMK folgte dem Antrag und forderte deshalb den Bund auf, daraufhin hinzuwirken, dass die Berufskrankheiten-Statistiken der Unfallversicherer geschlechtsspezifisch angepasst werden, dass ein Fachleutegremium einberufen wird, um Lücken bei für Berufskrankheiten relevanten Belastungen und Erkrankungen von Frauen aufzudecken, und dass die Unfallversicherungsträger geschlechtssensible Aspekte regelhaft in die Forschung einbeziehen.
Mediathek Antifeminismus begegnen
Das Gunda-Werner-Institut und die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser haben zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25.11.25 die Mediathek Antifeminismus begegnen online gesetzt. Durchsuchen kann man die Mediensammlung unter Gewalt gegen Frauen und Geschlechtsspezifische Gewalt.
Ungefragt? Nicht ungestraft!
Landet ein Dickpic unerwünscht im Postfach, löst das nicht nur oft Ekel oder Schock aus, sondern ist strafbar. Egal, ob du selbst digitale Gewalt erlebt hast, Zeug*in von Online-Angriffen geworden bist oder Fälle von Hassrede im Netz melden möchtest, kannst Du alles von den Berater*innen bei HateAid sorgfältig prüfen lassen.
Bremen News
Der 25.11.2025 in Bremen. butenunbinnen berichtet über die Demo gegen Femizide, Zahlen und Forderungen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.
Luft- und Raumfahrtindustrie in Bremen: Frauenanteil steigt. Noch immer ist die Luft- und Raumfahrtindustrie eine Männerdomäne: 2024 war in der Branche nur jede*r fünfte Beschäftigte in Bremen weiblich, der Frauenanteil also nicht einmal halb so hoch wie bei den bremischen Beschäftigten insgesamt. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass der Frauenanteil seit 2017 – wenn auch moderat – gestiegen ist und konstant über dem Bundesdurchschnitt liegt. Damit hat die Luft- und Raumfahrt sogar eine Vorbildfunktion für andere Industriebranchen in Bremen, in denen der Frauenanteil mit zuletzt 18 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent liegt.
Bremerhaven: Kleine Fortschritte beim Gewaltschutz. Das Angebot in Bremerhaven für von Gewalt betroffene Frauen hat sich in diesem Jahr verbessert: Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung der Gewaltschutzambulanz am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide im September 2025. Dort können Betroffene von häuslicher, sexualisierter oder geschlechtsspezifischer Gewalt Verletzungen vertraulich und gerichtsfest dokumentieren lassen. Auch in den Prozess zur Aufstockung der Frauenhausplätze in Bremerhaven ist seit dem Sommer Bewegung gekommen. Inzwischen kann eine zusätzliche Wohnung zur Unterbringung von gewaltbetroffenen Frauen genutzt werden und es stehen fünf Notplätzen in einer städtischen Einrichtung bereit. Die Fallzahlen zu Gewalt gegen Frauen bleiben jedoch auf hohem Niveau.
Auszeichnung für Vielfältig.GmbH – Pflege in allen Facetten: Bei dem bundesweiten Ideenwettbewerb „49 gewinnt“ – eine Initiative der BGF-Koordinierungsstelle und damit der gesetzlichen Krankenkassen – werden aus allen Bundesländern Kleinst- und Kleinunternehmen geehrt, die mit kreativen und praxisnahen Ideen besonders punkten. Vielfältig.GmbH ist Deutschlands erster Pflegedienst mit dem Schwerpunkt auf Sexualität und (geschlechtlicher) Vielfalt. Sexualität und geschlechtliche Identitäten sind keine Themen der Jugend, sie sind wichtig für alle Altersgruppen. Deshalb braucht es ein Pflegeangebot, das diese Themen enttabuisiert und selbstverständlich in den Pflegeprozess integriert.
Weil der letzte POPup MEETup so schön war, gibt es am 10.12. noch einen. Mit Vortrag „Artist Identity“ & Showcase Coucou.
Glenys & Irene



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