Die Fußfessel kommt, ein Deepfake-Verbot ist geplant und was sonst noch genderpolitisch los war lest ihr im heutigen Presse-Pott…
Evangelikaler „Schutz“ vor Menschenhandel?
Das Hamburger Jugendamt hat alle Kinder aus einem von christlichen Fundamentalisten geführten Heim in Obhut genommen. Das Heim der Hamburger Himmelsstürmer gGmbH, eine Tochtergesellschaft des christlich fundamentalistischen Vereins „Mission Freedom“, soll ein Schutzhaus für mutmaßliche Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution sein. Die Hamburger Behörden kamen aber nun zu der Einschätzung, dass dort nicht die Qualitätsanforderungen für diese Arbeit erfüllt sind. Auch aus einem bayrischen Heim der Organisation wurden Kinder ohne Vorankündigung vom Jugendamt abgeholt, weil es dort deutliche Verstöße gegen das Kindeswohl gab.
EU-Rat beschießt Deepfake-Verbot
KI-Anwendungen zum missbräuchlichen Erstellen von sexualisierten Deepfakes sollen in der EU ab dem 2. Dezember 2026 verboten werden. Zugleich sollen andere KI-Regeln vereinfacht werden, um das wirtschaftliche Potenzial von künstlicher Intelligenz in Europa auszuschöpfen. Dazu hat auch das ZDF mit einem Video-Erklärer am 7.5.2026 gepostet. Bei dem Vorgehen in Brüssel handelt es sich um eine andere regulatorische Initiative als bei dem Gesetzentwurf, den Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) in Kürze für Deutschland vorstellen will. Die EU-Pläne betreffen eine Regulierung von Software und Technologie. Die Bundesregierung will Straftatbestände ergänzen, die unter anderem Nutzer treffen könnten, die Deepfake-Technologie auf bestimmte, verbotene Weise benutzen. Frankreich ist da weiter: Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt seit rund einem Jahr gegen X wegen Algorithmen-Änderungen – und auch wegen Deepfakes.
Fußfessel kommt
Künftig sollen Betroffene von häuslicher Gewalt ihre Peiniger mit einer elektronischen Fußfessel auf Abstand halten können. Das ist der Kern des Gewaltschutzgesetzes, dem der Bundestag am 8.5.2026 mit breiter Mehrheit zugestimmt hat. Eine Fußfessel darf auch gegen den erklärten Willen des Opfers angeordnet werden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Täter „erheblichen Druck auf die verletzte Person ausüben“. Geschützt werden sollen vor allem Frauen. Laut den jüngsten vorliegenden Zahlen des Bundeskriminalamtes gab es 2024 in Deutschland fast 266.000 Opfer häuslicher Gewalt, davon 187.000 Frauen und Mädchen. Das sind nur jene Fälle, die bei der Polizei bekannt werden. Einer Studie der Behörde zufolge wird ein Großteil der Gewalt nicht angezeigt. Vor allem Femizide sollen verhindert werden – also die gewaltsame Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2024 mehr als 300 Tötungsdelikte an Mädchen und Frauen aus.
Änderungen im Gleichbehandlungsgesetz geplant
Das Bundeskabinett hat am 6.5.2026 einen Gesetzentwurf beschlossen, der Änderungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) vorsieht. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, EU-Vorgaben zum Diskriminierungsschutz ins deutsche Recht umzusetzen: 1) Personen, die von Diskriminierung betroffen sind, sollen künftig länger Zeit haben, um ihre Rechte geltend zu machen. 2) Zivilrechtliche Benachteiligungsverbote im AGG sollen punktuell angepasst werden, insbesondere soll die EU-Unisex-Richtlinie umgesetzt und der AGG-Schutz vor sexuellen Belästigungen ausgeweitet werden. 3) Ferner sollen Bestimmungen in Bezug auf die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die „Kirchenklausel“ und die Rechtsanwendung verbessert werden. Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundestags, Ferda Ataman, nennt den Gesetzentwurf allerdings „ambitionslos, unzureichend, eine verpasste Chance“. Gegen Deutschland laufen bereits Vertragsverletzungsverfahren, weil EU-Vorgaben nicht umgesetzt wurden.
Frauen stärken statt belasten!
Nach einem Jahr unter der Bundesregierung Merz ist die Bilanz ernüchternd: Diese Politik will dort sparen, wo der geringste Widerstand vermutet wird. Bei Kranken, Kindern, Alleinerziehenden und pflegenden Angehörigen. Gesundheitskosten werden einseitig auf Versicherte abgewälzt, Frauen werden wieder im Stich gelassen. So die Grünen, die daher eine Kehrtwende fordern. Sie haben deshalb einen Aufruf gestartet für eine Politik, die Frauen und Familien stärkt. Hier könnt ihr unterschreiben.
Auf der Suche nach Männlichkeit
Keine Angst – hier geht es nicht um die Manosphere. Sondern im Gegenteil um die Auseinandersetzung mit Männlichkeit, weil „die alten Männlichkeitsbilder nicht mehr funktionieren.“ In der aktuellen Ausgabe der wochentaz erscheint auf 21 Extraseiten die männertaz mit Beiträgen zum Thema „Detox Masculinity“.
Women Deliver-Konferenz in Melbourne
Die Women Deliver Konferenz ist eine der größten Frauenkonferenzen weltweit. Sie wurde vom 27. – 30.4.2026 in Melbourne, Australien abgehalten. Jacinda Ardern, Helen Clark, Justin Trudeau und UN-Deputy Secretary-General Amina J. Mohammed waren unter den Redner*innen und Teilnehmenden. Zusammen veröffentlichten sie The Melbourne Declaration for Gender Equality und planten auf lokaler und nationaler Ebene viel Geld in die Hand zu nehmen für notwendige Interventionen gegen die aktuellen Rückschläge in der Genderpolitik. Aber was können sie leisten? Cheena Kapoor berichtet über den langen Weg bis zur Realisierung ihrer Ziele.
Langzeitfolgen sexueller Gewalt
Die Folgen sexueller Gewalt sind laut einem Forschungsteam vom Genfer Universitätsspital (HUG) gravierender und halten länger an als bisher angenommen. Noch ein Jahr nach der Tat leiden die meisten Betroffenen unter schweren psychischen, körperlichen und sexuellen Beschwerden. Für diese Untersuchung wurden 181 von sexueller Gewalt betroffene Personen – 180 Frauen und ein Transmann – erstmals systematisch über zwölf Monate begleitet. Die Studie bestätigt zudem bekannte Muster: In der Mehrheit der Fälle (58 Prozent) kannten die Betroffenen die Täterperson, häufig aus dem nahen Umfeld. Die berichteten Übergriffe ereigneten sich zu 57 Prozent in privaten Räumen – viele Opfer suchten zwar rasch medizinische Hilfe, bleiben danach jedoch oft unzureichend betreut. Fachleute sehen dringenden Handlungsbedarf.
Memoiren aus dem Gefängnis geschmuggelt
Die Lebensaufzeichnungen von Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi sind erfolgreich aus den berüchtigten Evin, Qarchak and Zanjan-Gefängnissen in Iran geschmuggelt worden und bilden die Basis ihrer Memoiren „Eine Frau hört nie auf zu kämpfen“, die im September 2026 erscheinen werden. Darin beschreibt sie ihre Kindheit und Jugend mit Eltern, die sie in ihren politischen Überzeugungen gestärkt haben, sowie ihren Weg in den frauenrechtlichen Aktivismus und ihre langen Gefängnisstrafen. Mohammadi wurde insgesamt 14 mal verhaftet und insgesamt zu 44 Jahren Haft sowie 154 Peitschenhieben verurteilt. Leseprobe hier.
„Wahl und Wahrheit“
Auch im September 2026 soll das Buch „Wahl und Wahrheit“ von Prof. Frauke Brosius-Gersdorf über ihre Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht 2025 erscheinen. Nach beispiellosen Hetz- und Hasskampagnen sah sie sich gezwungen, sich von der Kandidatur zurückzuziehen. Ihr Verlag schreibt: „Die 2025 spektakulär gescheiterte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht machte deutlich, wie schnell die unabhängige Justiz auch hierzulande zur Zielscheibe populistischer Agitation werden kann“.
Höchststand bei Kaiserschnittrate
Inzwischen erfolgt jede dritte Geburt in Deutschland durch einen Kaiserschnitt – ein neuer Höchststand. Dabei gibt es regionale Unterschiede: In Hamburg ist die Rate mit 36,4 Prozent am höchsten, in Sachsen mit 27,4 Prozent am niedrigsten. Bremen liegt mit 32,8 Prozent, ein leichter Rückgang, in der Mitte.
Von Boom bis Z
Schreiben, Schneiden, Stylen, Spielen plus 2 x Studium: Unser frauenseiten-Generationen-Podcast letzte Woche ist eine Teamfolge mit Joline!
Und weil es einfach schön ist..
Pussy Riot und FEMEN besuchen gemeinsam den russischen Pavillon auf der Biennale.
Bremen News
Diskriminierung hört bei der Arbeit nicht auf: Die Juristin Ikram Errahmouni-Rimi sieht Arbeitgeber in der Verantwortung, klare Antidiskriminierungsstrategien zu entwickeln: Studien belegen, dass von allen Lebensbereichen, in denen Diskriminierung stattfindet, die Arbeitswelt tatsächlich eines der größten Diskriminierungsrisiken darstellt. Das hat etwas damit zu tun, dass wir sehr viel Zeit bei der Arbeit verbringen. Und dass wir mit Menschen zusammenarbeiten, die wir uns vielleicht in der Freizeit nicht aussuchen würden. Ganz konkret findet Diskriminierung oft schon beim Zugang zur Beschäftigung statt. Interview mit der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Angriff auf queere Afghaninnen. In ihrem Geburtsland Afghanistan sind die beiden Transfrauen Lebensgefahr ausgesetzt, doch auch hier, im vermeintlich freien Deutschland werden sie angegriffen, so geschehen im Bremer Ostertorviertel. Überhaupt gibt es immer mehr Delikte gegen die queere Community in Bremen.
Der Elterntag ist die Zukunft! „Statt je einen Mutter- und einen Vatertag zu feiern, sollte es besser einen Elterntag geben, der darauf aufmerksam macht, dass Kindererziehung ein Partnerschaftsprojekt ist. Gleichstellung erreichen wir nur, wenn die Last der unbezahlten Sorgearbeit auf beide Eltern-Schultern gerecht verteilt ist“. So kommentierte Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm den Muttertag am 10. Mai.
Glenys & Irene



Ulrike Hauffe meint
Spontan denke ich, dass ein solcher wöchentlicher Überblick gut ist und funktionieren kann, denn unsere Frauenthemen kommen ganz häufig nur unter „ferner liefen“ oder gar nicht in die Presse(n). Hier werden sie dann besonders und mit Link-Funktionen herausgestellt.
Ricarda meint
Danke, Danke!
Das Presse-Pott-Team