Wenig positive Nachrichten im heutigen Presse-Pott, aber es lohnt sich, zu wissen, wo der Backlash überall lauert. Immerhin: in Bremen könnt ihr euch für queere Ampeln einsetzen.
Gendern verboten
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat die Verwendung von gendersensibler Sprache in offiziellen Schreiben des Kanzleramts untersagt. Begründung unter anderem: das Gendern vertiefe die Spaltung der Gesellschaft. Inzwischen geht er noch einen Schritt weiter und drängt öffentlich geförderte Institutionen wie Museen, Stiftungen oder Rundfunk, ebenfalls nicht mehr zu gerndern. Trump lässt grüßen…
Backlash schlägt voll zu
Im letzten Presse-Pott vom 4.8.2025 berichteten wir über den Kulturkampf um das Bundesverfassungsgericht und die beispiellose Kampagne durch rechte Netzwerke gegen die als Richterin vorgeschlagene renommierte Jura-Professorin Frauke Brosius-Gersdorf. Nun hat sie ihre Kandidatur zurückgezogen. „Mir wurde aus der CDU/CSU-Fraktion – öffentlich und nicht-öffentlich – in den letzten Wochen und Tagen sehr deutlich signalisiert, dass meine Wahl ausgeschlossen ist“ sagt sie in ihrer Erklärung. Die „Stunde der Antifeministen“ nennt das die taz und kommentiert: „In ihrer Erklärung seziert Frauke Brosius-Gersdorf die Vorwürfe an sie in einer Präzision, die erneut deutlich macht, was für ein Verlust ihr Rückzug für das Verfassungsgericht bedeutet.“
Studie zum Schwangerschaftsabbruch liegt vor
… und das bereits seit Dezember 2024 – aber die Ergebnisse sind immer noch nicht veröffentlicht. In der Elsa-Studie waren die Erfahrungen ungewollt Schwangerer untersucht worden. Ob die Ergebnisse dem CDU-geführten Gesundheitsministerium wohl nicht genehm sind? „Ich sehe mit Sorge, dass das Gesundheitsministerium die Veröffentlichung des Elsa-Abschlussberichts zurückhält“, sagte Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Grünen, der taz.
Kirche darf Hilfeleistung für Frauen verbieten
Joachim Volz, Gynäkologe und Chefarzt am evangelischen Krankenhaus in Lippstadt hatte viele Jahre lang Schwangerschaftsabbrüche bei medizinischer Indikation durchgeführt. Durch eine Klinikfusion hat ein katholischer Träger seinen Arbeitsplatz übernommen und ihm die Dienstanweisung gegeben, keine Abbrüche mehr durchzuführen, außer bei akuter Lebensgefahr. Dagegen hat Volz geklagt. Das Arbeitsgericht Hamm entschied am 8.8.2025 gegen den Arzt. Unterstützung erfuhr er durch 2.000 Demonstrant*innen, die zur Urteilsverkündung kamen, und durch 230.000 Unterschriften, die bei einer online-Petition zusammenkamen. Er will weiter kämpfen.
Vernichtung von Verhütungsmitteln geplant
Die Trump-Regierung beabsichtigt, Verhütungsmittel im Wert von fast zehn Millionen Dollar in Frankreich entsorgen zu lassen. Die Entwicklungshilfe-Organisation USAID musste ihre Arbeit einstellen, so dass sie die Verhütungsmittel, die für die Entwicklungshilfe vorgesehen waren, nun nicht mehr verteilen kann. Das Angebot der Nichtregierungsorganisation für Familienplanung, International Planned Parenthood Federation (IPPF), die Produkte ohne Kosten für die US-Regierung weiterzuverteilen, wurde offenbar abgelehnt. Es hagelt Protest.
Mammographie-Screening: Was bringt es?
Die „Unstatistik des Monats“ Juli 2025 zeigt, dass es in der Öffentlichkeit eine systematische Fehlinformation zum Mammographie-Screening gibt. Während es in der Presse als großer Lebensretter gefeiert wird, ergibt eine eingehendere Analyse, dass Statistiken mal so und mal so präsentiert werden können. Schon die ZGF Bremen brachte um 2010 eine Broschüre (leider vergriffen) mit ähnlichen Ergebnissen heraus mit der Absicht, Frauen eine viel informiertere Entscheidung zu ermöglichen.
„Sorgezeiten sind unkürzbar und nicht optional“
meint Jo Lücke, Gründerin der Liga für unbezahlte Arbeit (LUA). „Wenn Erwerbsarbeitszeiten ausgeweitet werden, bleibt diese essenzielle Arbeit trotzdem bestehen – sie wird nur noch mehr in die Randzeiten gedrängt oder von bereits überlasteten Personen übernommen.“ Die LUA positioniert sich damit gegen die von der Bundesregierung geplante Aufhebung des Acht-Stunden-Tages: Arbeitstage von bis zu 12 Stunden sollen dann möglich sein. Weiter schreibt die LUA: „Dies ist ein antifeministischer Rückschritt, der Sorgearbeitende systematisch benachteiligt und die Geschlechterungleichheit in Deutschland weiter verschärfen wird.“ Siehe auch: Deutsche wollen nicht mehr als acht Stunden arbeiten.
Anne-Klein-Frauenpreis 2026
Bis 15. September 2025 können Frauen* für den Anne-Klein-Frauenpreis 2026 nominiert werden. ➤ Nominierungs- und Vergabekriterien. Anne Klein hat als kämpferische Juristin und offen lesbisch lebende Politikerin feministische Pionierarbeit geleistet. Sie war die erste feministische Frauensenatorin in Berlin. Mit dem Preis werden jährlich Frauen gefördert, die sich durch herausragendes Engagement für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie auszeichnen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Trans-Personen fürchten Zwangsouting durch geplante Verordnung
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will mit einer „Verordnung zur Umsetzung des Gesetzes über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag im Meldewesen“ ein dauerhaftes Extra-Datenblatt mit dem früheren Geschlechtseintrag von trans, inter und nicht-binären Menschen einführen. Betroffene befürchten dadurch ein Zwangsouting – das das Gesetz verbietet – und es hagelt Kritik an solch einem Sonderregister nicht nur aus der LGBTQI-Community. Hier geht es zu einer Petition gegen das Vorhaben.
Anwaltskanzleien verzichten auf weibliche Exzellenz
Obwohl ebenso viele ehrgeizige Frauen wie Männer mit Prädikatsexamen in den 20 größten Kanzleien in Deutschland starten, werden nur 16 Prozent Frauen als Partnerinnen berufen. Seit fast 20 Jahren gibt es mehr Frauen als Männer, die das zweite juristische Staatsexamen absolvieren. Als Staatsanwältinnen und Richterinnen finden sie in gleichem Maße wie Männer ihren Weg in juristische Spitzenpositionen. Die Großkanzleien mit ihren sehr männlich dominierten Partnerschaften bilden dazu einen starken Kontrast.
Kopftuchverbote in der Justiz
In der 51. Folge vom Podcast „Justitias Töchter“ sprechen Dana und Selma über ein juristisch und feministisch umstrittenes Thema: Kopftuchverbote in der Justiz. Zu Gast sind Dr. Shino Ibold, MJur (Oxford) und Rabia Küçükşahin, M.A. Beide sind Mitglieder der interkommissionellen Arbeitsgruppe des Deutschen Juristinnenbundes e.V. (djb) zu Kopftuchverboten für die Justiz.
Bremen News
Queere Ampeln? 26 angezeigte Straftaten gegen queere Menschen gab es im Jahr 2024 in Bremen. Aus diesem Anlass fordern die Bremer Grünen, 26 Fußgängerampeln mit queeren Motiven auszustatten. Dafür gibt es eine Unterschriftenliste, mit der bis zum Bremer CSD am 23.8.2025 Unterstützung gesammelt werden soll.
Frauen für Spitzenpositionen selten berücksichtigt: Bremer öffentliche Unternehmen liegen bei Neubesetzungen im Ländervergleich auf dem vorletzten Platz. Im Juli 2025 veröffentlichte die Zeppelin Universität Friedrichshafen die Studie „Frauen in Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen – ein deutschlandweiter Städtevergleich“, kurz FIT-Public Management-Studie. Untersucht werden jährlich fortlaufende Daten zur Repräsentation von Frauen in der oberen Führungsebene öffentlicher Unternehmen. Das Land Bremen ist eines der wenigen Bundesländer, die noch keine Regelungen zur Förderung der Gleichstellung bei der Besetzung von Top-Managementpositionen in öffentlichen Unternehmen haben.
Glenys & Irene



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