Frauenseiten

Presse-Pott am 14.12.2020

Wenige Menschen haben sich bisher als „divers“ in das Personenstandsregister eintragen lassen. Und wie sieht es mit der Gesundheit von Frauen in Deutschland aus? Das RKI hat neue Daten und Frauenhäuser in Bremen nehmen mehr Frauen auf. Das und noch vieles mehr gibt es in unserem Presse-Pott diese Woche.

RKI zur Gesundheitlichen Lage der Frauen in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte erstmals einen Bericht über die „Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland“ mit umfassenden Informationen zu Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten und Gesundheitsversorgung. Berücksichtigt wurden unterschiedlichste Faktoren wie Alter, Bildung, Einkommen, Berufstätigkeit, kultureller Hintergrund, Familienform und besondere Lebenslagen. Dazu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einer Presseerklärung: „Eine gute medizinische Versorgung berücksichtigt immer auch das Geschlecht. Manche Erkrankungen lösen bei Frauen andere Symptome aus als bei Männern. Andere erfordern eine spezifische Behandlung. Um Prävention, Diagnose und Therapie weiter zu verbessern, müssen wir die Unterschiede kennen.“ Ein großer Faktor für die gesundheitliche Beeinträchtigung von Frauen ist nach wie vor körperliche und sexualisierte Gewalt.

Petition gegen Menstruationsarmut

Nachdem in Schottland beschlossen wurde, in Zukunft die sogenannten Menstruationsartikel wie Tampons und Binden kostenlos zur Verfügung zu stellen, gibt es jetzt auch in Deutschland eine Initiative, die sich dafür einsetzt. Durch die zusätzliche finanzielle Belastung sind Frauen und Mädchen gegenüber Jungen und Männern im Nachteil. Für manche führt dies zu „Periodenarmut“. Dagegen wendet sich eine Petition. Hier könnt ihr unterschreiben.

Tweet der Woche:

Argentinien – Erste Hürde für legale Abtreibungen genommen:
Mit 131 Ja-Stimmen und 117 Gegenstimmen hat die Abgeordnetenkammer den Gesetzentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen angenommen. 

Eintrag „divers“ bisher wenig genutzt

Obwohl es seit zwei Jahren möglich ist, den Geschlechtseintrag „divers“ im Personenstandsregister verzeichnen zu lassen, wird diese rechtliche Möglichkeit von intersexuellen und trans* Menschen noch wenig genutzt. Die Betroffenen fürchten nach wie vor Diskriminierung im privaten und beruflichen Bereich.

Der Gender Pay Gap sinkt teilweise

Am 08. Dezember wurden die ausgewerteten Daten zum Gender Pay Gap aus dem Jahr 2019 veröffentlicht. Die Auswertung stammt vom Statistischen Bundesamt und bezieht sich auf den Gender Pay Gap in Deutschland. Dabei wird unterschieden in den unbereinigten und bereinigten Gender Pay Gap. Der Unbereinigte bezieht in die Zahlen auch die Zugangschancen zu Berufen und Karrierestufen mit ein. Die Differenz des durchschnittlichen Gehalts zwischen Männern und Frauen ist seit 2006 von 23 auf 19 Prozent gesunken. Somit ist dieser Wert zum ersten Mal unter 20 Prozent.

Der bereinigte Gender Pay Gap wurde ohne die Beachtung von Zugangschancen berechnet. Stattdessen handelt es sich hier um den durchschnittlichen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen mit ähnlichen Karrieren, Tätigkeiten und Qualifikationen. Dieser Wert ist ebenfalls seit 2006 von acht auf sechs Prozent gesunken. Er stand jedoch ebenfalls bereits seit 2014 auf sechs Prozent und stagniert seitdem dort. Eine ausführlichere Zusammenfassung der Daten ist hier zu finden.

Bundeshaushalt nicht geschlechtergerecht

Die Politikwissenschaftlerin Regina Frey vermisst eine systematische Analyse, wie der Bundeshaushalt gleichstellungspolitisch wirkt. Sie spricht von „Männerförderung“, weil große Teile des Konjukturpakets in Bereiche wie die Bauwirtschaft oder Elektromobilität fließen, die vor allem Männern Arbeitsplätze bieten. Viele Bereiche, die Frauen betreffen, seien dagegen im Konjunkturpaket nicht enthalten.

Japan: Gemeinderätin wird abgewählt

Im Dorf Kusatsu erreichte der Bürgermeister mit einer Hetzkampagne die Abwahl von Shoko Arai, der einzigen Frau im Gemeinderat. Ihr „Vergehen“: sie hatte ihn in einem Buch der Vergewaltigung bezichtigt. Selbst die Intervention des Gouverneurs und eine Internet-Petition zu ihrer Unterstützung konnten ihren Ausschluss nicht verhindern.

Cânân Arın gewinnt den Anne-Klein-Frauenpreis 2021

Der Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich Böll Stiftung wird jährlich an Frauen verliehen, die sich mit herausragenden Leistungen für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie einsetzen. Die Gewinnerin 2021 ist die türkische Frauenrechtlerin und Juristin Cânân Arın. Die Juristin ist Mitbegründerin des ersten, unabhängigen Frauenhauses in der Türkei. Zudem setzt sie sich seit mehr als 40 Jahren für die Rechte von Frauen ein, vor allem bei Gewalt gegen Frauen. Nun wird ihr hierfür der Preis verliehen. Mehr dazu hier.

Bremen News

TRIGGERWARNUNG: Frauenhäuser in Bremen nehmen mehr Frauen auf

Bremen beschließt, weiterhin zusätzliche Plätze für von häuslicher Gewalt bedrohte Frauen und Kinder anzumieten. Ziel ist es, die Frauenhäuser zu entlasten. „Sowohl die Aufstockung weiterer Plätze in Frauenhäusern, als auch die Umsetzung der Istanbul-Konvention sind für uns von großer Wichtigkeit“, sagt Senatorin Claudia Bernhard. „Gerade auch in der Pandemie, während und nach den unvermeidlichen einschränkenden Maßnahmen, müssen von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen umgehend die Möglichkeit haben, sich dem Täter entziehen zu können.“ Denn in Deutschland sind über 80% der Opfer von Partnerschaftsgewalt Frauen. Bremen arbeitet deshalb an einem neuen Plan für präventive Maßnahmen. Darum kümmern sich die Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) und die Koordinierungsstelle Istanbul Konvention. Die Istanbul-Konvention wurde 2011 vom Europarat beschlossen um Gewalt gegen Frauen und „häusliche Gewalt“ zu verhüten und zu bekämpfen, mehr dazu hier.

Bremer Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet

Claudia Börnhorst vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) wurde mit dem Quality of Life-Preis 2020 für ihre Studie zur Lebensqualität ausgezeichnet.

Veronika Eyring vom Fachbereich Physik/Elektrotechnik der Universität Bremen und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt erhält für ihre Klimaforschung den Gottfried Wilhelm Leipniz-Preis 2021.

 

Charlotte, Sarah H., Irene, Glenys

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