Im vorletzten Presse-Pott des Jahres: es bewegt sich was in Libyen, in Großbritannien, in Holland – und in Bremen. Lest selbst!
Anstieg bei FGM in Deutschland
Anlässlich des Tags der Menschenrechte hat das Bundesfrauenministerium am 10. Dezember eine aktualisierte Schätzung zur Situation weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) in Deutschland veröffentlicht. Die neue Schätzung zeigt einen deutlichen Anstieg der Fälle. Demnach lebten Ende 2024 rund 123.000 Frauen und Mädchen in Deutschland, die bereits betroffen sind oder als bedroht gelten. Das sind 83 Prozent mehr als 2017, als zuletzt eine vergleichbare Schätzung vorlag. Zudem geht die Untersuchung davon aus, dass rund 11.100 minderjährige Mädchen potenziell betroffen sein könnten und weitere bis zu 25.000 Mädchen als gefährdet gelten. § 226a des Strafgesetzbuchs stellt FGM unter Strafe – auch dann, wenn der Eingriff im Ausland vorgenommen wird. Die Tat kann mit bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Mitwirkenden droht zudem der Verlust des Aufenthaltstitels. Im Asylrecht gilt die Gefahr von FGM als Grund für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft.
„Break Free“ in Kenia
Break Free heißt das Programm, mit dem in Kenia Aktivistinnen Mädchen und Frauen vor weiblicher Genitalverstümmelung (FGM), Kinderheirat und Teenagerschwangerschaft zu schützen versuchen. Allerdings ist die weitere Finanzierung nicht gesichert. Näheres hier.
IGH erkennt Sexualverbrechen als Kriegsverbrechen an
Der IGH (der Internationale Gerichtshof) hat sein erstes Urteil bezüglich der Kriegshandlungen zwischen 2003 und 2005 in Darfur ausgesprochen. Milizführer Ali Muhammad Ali Abd-al-Rahman wurde in 27 Fällen des Verbrechens gegen die Menschheit, einschließlich Vergewaltigung, sexueller Gewalt und genderbasierter Verfolgung für schuldig befunden. Damit wurde ein Präzedenzfall gesetzt: Sexuelle Gewalt wurde als „Strategisch, organisiert und rechtlich strafbar“ anerkannt.
In Libyen bewegt sich was
Eine Gesetzesvorlage wartet jetzt im Libyschen Parlament auf die Abstimmung. Wenn sie angenommen wird, wird es in Libyen erstmals ein Gesetz zur Vorbeugung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen geben. Libyen würde sich dabei internationalen Rechtsstandards anpassen: Viele Formen von Missbrauch und Gewalt wären strafbar und es gäbe Maßnahmen zum Schutz und zur Wiedergutmachung.
Strategie gegen Gewalt in Großbritannien
Die Britische Innenministerin Shabana Mahmood plant, bis 2029 spezialisierte Einheiten gegen Vergewaltigung und sexuelle Gewaltdelikte bei jeder Polizeibehörde in England und Wales einzugliedern. Zusätzlich will sie mehr als zwei Millionen Euro in IT-Kader investieren, um Genderhass im Internet zu verfolgen und ahnden. Unterstützung dafür wird vom neu eingerichteten und mit fast 15 Millionen Euro finanzierten Nationalen Zentrum für Gewalt gegen Frauen/Mädchen und Schutz der Öffentlichkeit stammen.
„Dolle Minas“ sind wieder da
Die Älteren unter uns erinnern sich: in den 1970er Jahren waren die holländischen Feministinnen unter dem Namen „Dolle Minas“ bekannt und aktiv. Jetzt sind sie wieder da und haben viele junge Nachfolgerinnen: „Dass wir heute wieder für die gleichen Themen demonstrieren, wie vor 55 Jahren, ist bizarr. Es bedeutet, dass wir noch immer bitter nötig sind.“ Dazu Näheres hier.
Happy Birthday, Jane!
Anlässlich des 250. Geburtstags von Jane Austen morgen, am 16. Dezember, widmet die taz der Schriftstellerin, „die als Frau zunächst nur heimlich schreiben konnte und eine große Klassikerin der Weltliteratur wurde,“ eine ganze Artikelserie mit vielen interessanten Einblicken.
Studien zu Femiziden
Nach Studien in NRW und in Wien im August 2025, hat jetzt im November die Universität Tübingen die Studie: Femizide in Deutschland. Eine empirisch-kriminologische Untersuchung zur Tötung an Frauen vorgelegt. Wir begrüßen es sehr, dass Gründe und Hintergründe, Gefährdungswahrnehmung und Hilfesuche, Verbreitung und Phänomenologie in all ihren Facetten untersucht werden. Ein hervorstechendes Fazit aller Untersuchungen stellt aber fest: Frauen* sind am gefährdetsten, wenn sie versuchen, aus kontrollierenden Beziehungen auszubrechen. Ein Kommentar dazu auf Social Media lautete: „Also ich frag mich eher, wer das noch nicht weiß…“
Über 200 Kontosperrungen bei META
Meta hat einem Bericht des britischen „Guardian“ zufolge in den vergangenen Wochen Dutzende Konten von Anbietern von Abtreibungsleistungen, queeren Gruppen und Organisationen für Reproduktionsmedizin, beziehungsweise Kinderwunschbehandlungen entfernt oder eingeschränkt. Wie die Zeitung schreibt, bezeichnen Aktivisten dies als eine der „größten Zensurwellen“ seit Jahren. Zum Meta-Konzern gehören Facebook und Instagram.
Blutuntersuchungen
Warum ist da bisher noch niemand drauf gekommen? Vermutlich, weil Männer es besonders eklig finden – anders als die Ausscheidungen anderer Körperorgane, die auch sie besitzen und die seit Tausenden von Jahren zur Diagnostik von Krankheiten herangezogen werden. Es geht um Menstruationsblut. Das wird nun mithilfe spezieller Binden erforscht, um die darin enthaltenen Biomarker möglicherweise zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten einsetzen zu können. Näheres hier.
Policy Brief zur UN-Initative „Cyber Crime Convention“
Das Gunda-Werner-Institut hat das UN-Dokument ins Deutsche übersetzt und analysiert. Die Autorinnen Vivienne Kobel und Pavlina Pavlowa haben einen intersektional feministischen Blick auf die existierenden und geplanten Gesetze gegen Cyberkriminalität geworfen und legen dar, warum sie aus feministischer Sicht hoch problematisch sind, denn digitale Selbstbestimmung ist immer ein feministisches Anliegen – und Kontrolle immer ein zweischneidiges Schwert.
100.000 Mütter vor dem Brandenburger Tor
Die Kampagne 100.000 Mütter vor dem Brandenburger Tor bekommt ein neues Zuhause beim ICP (Institute for critique & practice) in Berlin und kann damit als eingetragener Verein gemeinnützig werden. Gemeinsam mit ICP entwickeln sie Strukturen, Werkzeuge und Formate, die die Kampagne finanziell und organisatorisch in die Zukunft tragen werden. Sie schreiben: „Wir stehen auf für die Rechte von Müttern und allen, die Fürsorge leisten – für echte Gleichberechtigung, Solidarität und eine lebenswerte Zukunft. Am 9. Mai 2026 demonstrieren sie wieder vor dem Brandenburger Tor.
Zwei Petitionen…
… die wir weiterleiten möchten: Queergermany.de bittet um Unterzeichnung der Petition „Sexarbeitende stärken statt kriminalisieren – gegen staatliche patriarchale Körperkontrolle!“ Wenn dieser Brief nicht eurer Überzeugung entspricht, dann wäre da der Aufruf Endometriose-Patient*innen von Pillenkosten befreien!, der an das Bundesministerium für Gesundheit gerichtet ist.
Bremen News
17-jährige Bremerin vermisst: Polizei bittet um Hinweise. Trotz intensiver Suchmaßnahmen bleibt die 17-jährige Alin Yenirce aus Bremen unauffindbar. Die Polizei bittet um Mithilfe. Tel.: 0421 362 3888 beim Kriminaldauerdienst
Die Erste. Die Bremer Bürgerschaft hat Eva Högl als Nachfolgerin von Ulrich Mäurer zur neuen Innensenatorin gewählt. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt.
Auf Kuss folgen Schläge. Zwei junge Frauen küssen sich – und werden daraufhin von einem Mann krankenhausreif geschlagen. Dieser queerfeindliche Angriff ereignete sich in einer Bremer Straßenbahn. Immerhin: Der Täter wurde gefasst und die Polizei ordnete die Tat sofort als Hassverbrechen ein.
Luise Scherf ist tot. Sie war immer so viel mehr als „die Frau von…“ Bremens Alt-Bürgermeister Henning Scherf. Sie war Lehrerin, sozial engagiert, nicht nur in Nicaragua, eigenständig und laut Andreas Bovenschulte „der Motor des zivilgesellschaftlichen Engagements von Henning Scherf“. Jetzt ist sie im Alter von 87 Jahren verstorben. Hier ein Porträt.
Die Scham muss die Seite wechseln – aber wie? – Von Scham, Schuld und Schande im Kontext sexualisierter Gewalt. Wer mehr wissen möchte kommt zum Workshop-Tag am 17.12.2025 zwischen 10 und 15:00 Uhr im Forum K. Zu Gast sind unter anderem Dr. Monika Hauser, Dr. Dipl.-Psych. Jonas Kneer, Laura Leupi, Loraine Dabaly Rehm, Dr. Laura Wolters und Sadaf Zahedi.
Hannah-Arendt-Preisverleihung an Seyla Benhabib: Der Festakt fand am 9. Dezember 2025 in der Oberen Rathaushalle statt. Wer mehr über Hannah Arendt wissen möchte kann sich hier informieren; Wer Information zu Seyla Benhabib sucht findet sie hier.
POP STIPENDIUM – Gewinner*innen der 1. Runde: Das sind SIBB – Sänger und Songschreiber von Pop, Dance und Soulmusik aus Bremen. Bekannt für seine klangvolle Stimme und seine charismatische Bühnenpräsenz und PLH – Rapperin aus Bremen und eine prägende Stimme im Deutschrap-Untergrund. Enjoy.
VHS: Neues Programmheft Frühling/Sommer 2026 ab dem 18.12.2025. Ab diesem Tag findet ihr das komplette Kursangebot als PDF auf der VHS-Website – inklusive der Möglichkeit zur direkten Online-Anmeldung. Wer das Heft lieber gedruckt mitnimmt, kann sich auf den 8.Januar 2026 freuen. Ab dann liegt es kostenfrei in den VHS-Geschäftsstellen sowie in vielen Bremer Buchhandlungen und Bibliotheken aus.
Glenys & Irene



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