Valentinstag ist nur einmal im Jahr, und schon vorbei – unsere genderpolitischen Nachrichten gibt’s jeden Montag im Presse-Pott…
Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen
Am 10. Februar haben das Bundesfrauenministerium und das Bundesinnenministerium die in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt (BKA) durchgeführte Dunkelfeld-Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ vorgestellt. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Ein Großteil von Gewalterfahrungen in Deutschland wird nicht angezeigt. Die Anzeigequote liegt bei den meisten Gewaltformen unter zehn Prozent. Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften liegen die Anzeigequoten psychischer und körperlicher Gewalt sogar unter fünf Prozent. Dabei sind Frauen häufiger und stärker von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen als Männer, insbesondere bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking. Weitere Informationen hier. Und hier eine kritische Einschätzung der veröffentlichten Interpretationen.
Diskriminierungsstudie läuft
Noch bis zum 28. Februar läuft die bislang größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes durchgeführt wird. Menschen werden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, sexuellen Orientierung, Sprache, Alters, sozialen Herkunft, Religion oder Weltanschauung, ihres Aussehens, Behinderung oder chronische Krankheit oder ihrer Herkunft diskriminiert. Teilnehmen können alle Personen ab 14 Jahren, die schon einmal Diskriminierung erlebt haben. Die Teilnahme ist anonym. Eure Antworten können helfen, an konkreten Verbesserungen in Politik und Gesellschaft zu arbeiten. Die Umfrage dauert ungefähr 30 Minuten. Hier geht’s zur Umfrage.
Queerfeindlichkeit gestiegen
Im Jahr 2025 wurden 2.048 queerfeindliche Straftaten in Deutschland registriert. Das brachte die Antwort auf eine schriftliche Einzelanfrage der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger (Bündnis 90/Die Grünen) zutage. Seit 2010 haben sich die Straftaten in den Bereichen „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“ fast verzehnfacht. Human Rights Watch hält das für ein Frühwarnzeichen: Bei einem Anstieg von Homophobie in einer Gesellschaft seien alle Menschen und die Menschenrechte selbst in Gefahr. Angesichts dessen ist es umso schlimmer, dass die Bundesregierung den von der Ampelregierung im November 2022 beschlossenen Aktionsplan „Queer leben“, der die Lebenssituation queerer Menschen verbessern sollte, für „planmäßig abgeschlossen“ erklärt und nicht fortführen will.
Männliche Gewalt bekämpfen durch Prävention!
Das fordert die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen) nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz. Denn Strafverschärfung – wie es jetzt gefordert wird – allein sei nicht genug: Das ist kein individuelles Versagen Einzelner allein, sondern verweist auf problematische männliche Rollenzuschreibungen und eine Sozialisation, in der Durchsetzungsfähigkeit, Dominanz, Kontrolle und Aggression häufig noch immer als „männlich“ gelten, während der konstruktive Umgang mit Konflikten, Frustration oder Kränkung nicht ausreichend vermittelt wird. Notwendig sind umfassende Präventionsstrategien: geschlechterreflektierende Bildungsarbeit von klein auf, Programme zur Gewaltprävention und Konfliktlösung, die gezielt Jungen und Männer ansprechen, sowie eine kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Männlichkeitsbildern in Schule, Ausbildung, Arbeitswelt und Öffentlichkeit. Auch niedrigschwellige Unterstützungs- und Beratungsangebote für Männer in Krisensituationen sind ein zentraler Baustein, um Eskalationen vorzubeugen.
Buchtipp: Margaret Atwood veröffentlicht ihre Memoiren
Mit „Book of Lives – So etwas wie Memoiren“ veröffentlicht Margaret Atwood, die gewissermaßen zur Gründergeneration der kanadischen Literaturszene gehört, ihre Lebenserinnerungen. Als „Die essbare Frau“ 1969 erschien, wurde sie zu einer Art Ikone der sich gerade formierenden Frauenbewegung. In den 1980er-Jahren lebte sie in West-Berlin und schrieb dort „Der Report der Magd“, der von Volker Schlöndorff verfilmt wurde und erst kürzlich in einer Netflix-Serie wieder aufgelegt wurde. Eine Besprechung der Erinnerungen gibt es hier.
Buchtipp #2 – Eine Hymne
Am 17.2.2026 erscheint die deutsche Ausgabe von Gisèle Pelicots Eine Hymne an das Leben – Die Scham muss die Seite wechseln. Das ist die offizielle Autobiografie der Frau, die das Schweigen brach: Sie verzichtete im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter auf Anonymität und inspirierte die ganze Welt.
Buchtipp #3 – Widerständige Punk-Frauen in der DDR
Genau wie im Westen rebellierten auch Jugendliche in der DDR gegen Staat und Polizei – nur: Im Osten griff die Obrigkeit viel härter durch. Ist das der Grund, warum so viele Ex-Punker*innen sich scheuen, über die damalige Zeit zu reden? 23 damalige Punk-Frauen haben sich jedoch aufgemacht, das damals erlebte auf zu zeigen: von Einweisungen zur „Umerziehung“ in die Tripperburgen bis hin zu sexuellen Übergriffen seitens „normaler“ Männer und der Staatsorgane. Hier eine Rezension von „Tanz auf dem Vulkan – Widerständige Punk-Frauen in der DDR“ von Geralf Pochop und Alexandra Schlagowski.
Verurteilt: Narges Mohammadi
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin und Frauenrechtlerin Narges Mohammadi ist erneut verurteilt worden. Wegen „Versammlung und Absprache zur Begehung von Straftaten“ lautet das Urteil auf sechs Jahre Haft. Sie hat bereits einen großen Teil der letzten zehn Jahre im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis verbracht und ist in schlechten körperlichen Zustand.
Der Feind meines Feindes…
… ist nicht notwendigerweise mein Freund. Nach dem Sturz der tyrannischen Ex-Ministerpräsidentin Sheikh Hasina stehen am 12.2.2026 in Bangladesch die ersten freien Wahlen seit 17 Jahren an. Zwar hofft man auf einen Sieg der bürgerlichen Bangladesh Nationalist party (BNP), doch die am stärksten wachsende Wählerschaft entsteht rund um die Jamaat e-Islami-Partei, die das Scharia-Gesetz in Bangladesch durchsetzen will. Montag Nacht marschierten Frauen durch die Hauptstadt Dhaka mit brennenden Fackeln und riefen: „Das Volk hat ihr Blut gegeben – jetzt wollen wir Gleichberechtigung!“
Eltern zu dritt
Drei Frauen beschließen, zusammen ein Kind zu bekommen und gemeinsam großzuziehen. Was sie geplant haben und wie es ihnen sechs Monate nach der Geburt des Kindes geht, erzählen sie im Interview.
Leistungssportlerin und Mutter holt Gold
Francesca Lollobrigida holte bei den Olympischen Winterspielen im Eisschnelllauf das erste Gold für Italien. Welche Hürden sie als Mutter im Training zu überwinden hatte, das steht hier.
Bremen News
Der 11. Februar ist Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft. Zu diesem Anlass porträtierte butenunbinnen zwei Bremer Wissenschaftlerinnen, die über die Herausforderungen ihres Berufs und ihre Wünsche sprechen.
Neues aus der Helenenstraße. Es gibt zwar einen Beschluss der Bremer regierenden Koalition, dass die Prostitution in der Helenenstraße nicht nicht ausgeweitet werden soll. Trotzdem soll sie jetzt ausgebaut werden.
One Billion Rising. Am 14. Februar kamen laut butenunbinnen 150 Menschen auf dem Bremer Marktplatz zusammen, um tanzend ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen zu setzen.
Equal Pay Day und Equal Care Day stehen Ende des Monats bevor: Am 18. Februar laden die Business & Professional Women Bremen zum Vortrag: Equal pay every day: Die erfolgreiche Investorin. In Bremerhaven heißt es am 27. Februar Raise your voice – Equal Pay rocks! . Und am 1. März startet der 10. Equal Care Day mit einem all day online Festival von 10:30 bis 16:30 Uhr.
Internationaler Frauentag im Land Bremen: Der Frauentagskalender mit allen Veranstaltungen erscheint diese Woche – Watch this space!
Bürgermeister Bovenschulte und Sozialsenatorin Schilling kritisieren Zulassungsstopp bei Integrationskursen. Die Bundesregierung plant harte Einschnitte bei der Integration von Zuwander*innen. Das Bundesinnenministerium hat auf unbestimmte Zeit die Zulassung zu Integrationskursen gestoppt. Dies wird in Bremen alleine in diesem Jahr Auswirkungen auf rund 2.000 Menschen haben. Der Bremer Senat unterstützt ein Protestschreiben der nordrhein-westfälischen Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, Verena Schäffer, an das Bundesinnenministerium sowie das Ministerium für Arbeit und Soziales. Der Bremer Senat hatte 2014 ein ergänzendes kommunales Angebot geschaffen, um möglichst vielen Menschen den Erwerb der deutschen Sprache zu ermöglichen, darunter spezielle Kursformate für Frauen, Jugendliche und Menschen mit Behinderung.
Glenys & Irene



Schreibe einen Kommentar