Es war viel los letzte Woche nach dem feministischen Kampftag am 8. März und dem Global Women*’s Strike am 9. März. Lest unseren prall gefüllten Presse-Pott.
Frauen*Streik am 9. März 2026
Für den Tag nach dem Internationalen Frauentag am 8. März hatte die Initiative Enough! zum Global Women*’s Strike aufgerufen. Die Tageszeitung taz – die wir hier oft verlinken – erschien am Tag nach dem Streik mit vielen Leerstellen und mit dem Fernsehprogramm statt eines Bildes auf der ersten Seite, weil die FLINTAs sich am 9.3. an dem Streik beteiligt hatten. In Bremen versammelten sich laut butenunbinnen zur Mittagszeit 500 Frauen* auf dem Marktplatz, die Organisatorinnen von enoughbremen zählten 1.000 Teilnehmende.
Die Erfindung der Quote
Bei der taz war es übrigens nicht der erste Frauenstreik. Bereits 1980 streikten die Frauen im Betrieb und forderten unter anderem ein Vetorecht der Frauen bei Texten und Bildern, die weibliche Sexualität betrafen, sowie 52 Prozent aller Stellen für Frauen, entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung. Für diese Forderung nach einer Quote gab es damals kein historisches Vorbild. Die Grünen zogen 1986 mit einer 50-Prozent-Quote für Frauen nach. Andere Parteien kamen noch später. Näheres hier.
Gerechtigkeit für Frauen
Als „bahnbrechend“ werden die Vereinbarten Schlussfolgerungen der Vereinigten Nationen zum Thema Gerechtigkeit für Frauen gewertet. Zum ersten Mal werden nämlich inhaftierte Frauen ausdrücklich in die Forderungen mit einbezogen. Seit 2000 ist die Zunahme an Inhaftierungen von Frauen um 60 Prozent gestiegen – weit stärker als bei Männern. Weltweit leben geschätzte 19.000 Kinder bei ihren Müttern im Gefängnis. Die einzige Gegenstimme bei der Abstimmung kam von den USA. Hier geht es zu einer Artikelserie über Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen und Mädchen in Gefängnissen weltweit (leider Englisch).
Sexuelle Deepfakes sollen verboten werden
Nach dem Deepfake-Skandal von Elon Musks Chatbot Grok haben sich die 27 EU-Länder für ein Verbot von KI-Anwendungen ausgesprochen, mit deren Hilfe sexualisierte Bilder von echten Menschen ohne deren Einwilligung hergestellt werden können.
KI und Demokratie
In einem Interview mit US-Fernsehsender CNBC gab Palantir CEO Alex Karp seine Ansichten über den Einfluss von KI auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und das Kriegswesen zum Besten. Seiner Ansicht nach wird die KI-Technologie das Machtgefälle zwischen den gesellschaftlichen Gruppierungen verstärken: Der Einfluss der „Bildungsschichten – oft Frauen, die hauptsächlich die Demokraten wählen“ wird schwächer werden, während die Macht der Männer aus der Arbeiterschicht wachsen wird. Ist das eine Warnung – oder eine Drohung? Arwa Mahdawi analysiert die offene und die versteckte Botschaft.
Studie zu Frauen in pastoraler Leitung
Welche Wirkungen es hat, wenn Frauen eine Pfarrei leiten? Katholische Frauenverbände haben eine Studie zu Frauen in pastoraler Leitung durchgeführt. Untersucht wurde, wie die pastorale Leitung von Gemeinden durch Frauen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz wahrgenommen wird und welche Wirkungen dies auf Führung, Mitwirkung und das Gemeindeleben hat. Erste Ergebnisse: Insgesamt wird weibliche Leitung als Gewinn erlebt: glaubwürdig, dialogisch, lebensnah und zukunftsorientiert. Insgesamt bestätigt die Studie, dass Frauen in pastoraler Leitung Kirche durch mehr Synodalität, stärkere Mitwirkung und eine bewusste Mäßigung von Macht prägen.
Frauenministerin kürzt bei Frauenprojekten
Nachdem das Familienministerium bereits dem feministischen Verein ProQuote die Bundesförderung entzogen hat, wird nun auch dem Feministischen Juristinnentag das Geld gestrichen. Offensichtlich ist Feminismus von der Frauenministerin Karin Prien (CDU) nicht mehr gewünscht. Wo ihre Prioritäten liegen sagte sie im Interview mit regionalHeute.de: „Heute geht es auch um die Sichtbarkeit von Männern in ihren besonderen Bedarfslagen. Vielleicht gehören sie daher in den Namen dieses Ministeriums.“
Noch keine Gesetzesänderung – Warum?
Ein Jahr nach ihrem erfolglosen Versuch, Strafanzeige gegen einen Voyeur zu stellen hat Yanni Gentsch Vieles erreicht: Sie hat die Ministerinnen Hubig und Limbach dazu animiert, den Bundesrat auf ihre Seite zu bringen, sie hat eine Petition gestartet, die über 160.000 Unterschriften einbrachte und am 1.3.2026 einen Protestlauf gegen Voyeur-Aufnahmen in Köln organisiert. Trotz Aufforderung des Bundesrats an die Bundesregierung, die nötige Gesetzesänderung »zeitnah« einzubringen, machte diese bislang keine Anstalten, bestehende Strafbarkeitslücken zu schließen.
Keine Preisverleihung für niemand
Im letzten Presse-Pott berichteten wir, dass der Bremer Buchladen Golden Shop durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer von der Liste des Deutschen Buchhandelspreises gestrichen wurde, ebenso wie zwei andere linke Buchläden in Göttingen und Berlin. Uns machte das auch deshalb betroffen, weil Inhaberin Ausma Zvidrina am 12. September 2018 unsere Frau der Woche war. Auf die Rücknahme des Preises folgten heftige Proteste und Solidaritätsbekundungen aus der Buchhandels- und Kulturszene. Selbst der britische Guardian berichtete. Weimer sagte daraufhin die Verleihung im Rahmen der Leipziger Buchmesse für alle Preisträger*innen ab. Kommentar von Sebastian Guggolz, Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Dass Weimer damit einer offenen Konfrontation aus dem Weg geht, ist offensichtlich. Eine inhaltliche Positionierung steht nach wie vor aus.“ Der Börsenverein will nun einen Empfang an seinem Stand auf der Buchmesse für die Preisträger*innen organisieren. Und die Affäre geht weiter: Inzwischen wird Weimer vom Rechtsanwalt, der einen der Buchläden vertritt, sogar der Lüge bezichtigt. Näheres dazu hier und hier.
Die Zerstörung der CDU???
Vor sechs Jahren ging ein Video des Youtubers Rezo mit einer Wutrede gegen die CDU viral. Zur Zerstörung der CDU hat es aber trotz des provokanten Titels nicht geführt. Was Rezo damals nicht geschafft hat, soll jetzt aber die Grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer geschafft haben und mit einem Video im Alleingang die CDU um den sicher geglaubten Sieg bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gebracht haben – meint die CDU. Und versucht damit vom eigenen Sexismus abzulenken…
Asyl für iranische Fußballerinnen in Australien
Fünf iranische Fußballerinnen erhalten Asyl in Australien. Das Team hatte während der Asienmeisterschaften beim Abspielen der Nationalhymne geschwiegen, was von konservativen Kommentatoren im Iran als Verrat an der iranischen Regierung gewertet wurde. Aus Sorge vor Konsequenzen nach ihrer Rückreise hatten fünf Spielerinnen um Asyl ersucht, während andere wohl um die Sicherheit ihrer Familien fürchteten und deshalb die Rückreise antraten.
Von Boom bis Z
Die neueste Folge unseres Generationspodcasts ist ein Gespräch mit Jule: Sie studiert Gender Studies in Oldenburg und hat unter anderem den für Oldenburgerinnen unerlässlichen Artikel Feministisch unterwegs in Oldenburg geschrieben. Im Dialog mit Jana – beide sind Gen Z – wird das Leben, die Zeit bei den frauenseiten und die Zukunft erörtert.
Was tun gegen Gewalt gegen Frauen*?
So lautet der Titel der neuesten Folge vom Podcast der Friedrich-Ebert-Stiftung. Christine Strotmann befragt dabei Anne Faltmann von der Bremer Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen arbeitet sie bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz daran, dass die von Deutschland ratifizierte Istanbul Konvention in Bremen umgesetzt wird. Dafür hat die Koordinierungsstelle auch einen Betroffenenbeirat einberufen, der aus vielfältigen Perspektiven die Maßnahmen begleitet. Eine Folge definitiv nicht nur für Frauen* und nicht nur für Bremer*innen!
Wird das Unfallrisiko für Frauen bald geringer?
Es ist schon länger bekannt: Frauen sind bei Unfällen weniger gut geschützt als Männer und werden daher häufiger verletzt oder getötet, weil Crash-Test-Dummies nach der männlichen Durchschnittsgröße und dem männlichen Durchschnittsgewicht gebaut werden. Deshalb sind auch die Sicherheitvorrichtungen in Autos auf Männer ausgerichtet. Nun wurde erstmals ein Dummy nach weiblichen Körpermaßen konstruiert und macht das Autofahren für Frauen hoffentlich etwas sicherer.
Die Ersten
„Sonnenlicht wird früher oder später ohnehin als Energiequelle genutzt werden. Warum also warten?“ schrieb die Biophysikerin Mária Telkes 1951 in einem wissenschaftlichen Artikel, nachdem sie 1948 zusammen mit Architektin Eleanor Raymond und der Grundstückserbin und Bildhauerin Amelia Peabody das erste Passivhaus gebaut hatte: das
„Dover Sun House“.
Bremen News
Bremens Hochschulen punkten im Professorinnenprogramm 2030. Bremens Hochschulen nehmen mit ihren Gleichstellungskonzepten äußerst erfolgreich am Professorinnenprogramm 2030 teil. Seit 2008 gibt es das zentrale Förderinstrument von Bund und Ländern zur Stärkung der Gleichstellung an den Hochschulen. In der aktuellen Programmphase konnte nun auch die Hochschule für Künste Bremen mit ihrem Gleichstellungskonzept überzeugen, sodass nun alle vier staatlichen Bremer Hochschulen im Programm erfolgreich sind.
Bremer Filmpreis für Vanessa Redgrave. Die britische Schauspielerin, Oscar-Preisträgerin und UNICEF-Botschafterin wird am 15. April im Theater Bremen für ihr filmisches Lebenswerk mit dem von der Sparkasse Bremen in Kooperation mit dem Filmfest Bremen verliehenen Preis ausgezeichnet.
Zonta Young Women in Leadership Award für Jana Alkhatib. Seit über 20 Jahren vergibt der ZONTA Club Bremen den Award für besonderes ehrenamtliches Engagement an couragierte junge Frauen im Alter von 16 bis 19 Jahren. Der Preis für 2026 ging an die 18-jährige Schülerin Jana Alkhatib, die die 12. Klasse am Herman-Böse-Gymnasium besucht. Sie hat syrische Wurzeln, engagiert sich im Schulverein und befasst sich dort intensiv mit der Ideenfindung, Planung und Umsetzung schulischer Veranstaltungen. Zudem unterstützt sie als Schulsanitäterin die Lehrkräfte bei der Betreuung verletzter Schüler*innen. Außerhalb der Schule engagiert sich Jana Alkhatib als Mitglied der Juniorengruppe von UNICEF Bremen. Sie ist zertifizierte Bambini-Fußballtrainerin und gibt in ihrer Freizeit Nachhilfe für Grundschulkinder in Deutsch und Mathematik. Ein besonderes Augenmerk legt Jana Alkhatib dabei auf die Unterstützung junger Mädchen. Nach dem Abitur wird sie ein freiwilliges soziales Jahr im Klinikum Bremen-Nord beginnen und strebt im Anschluss ein Studium im Bereich der Medizin an.

Zu guter Letzt
Satirikerin Katja Berlin schreibt: „Ich beobachte diesen patriarchalen Backlash sehr genau: Weibliche Energie, Alphamales, Tradwives, allgegenwärtige Schönheitseingriffe, Size 0, Incels, religiöse Fanatisten, antifeministische Hasskampagnen, reine Männerrunden in der Politik, in der Politik und selbst in der Kulturbranche.“ Zum Glück zeichnet sie alles, was sie sieht in ihren „Torten der Wahrheit“!
Glenys & Irene



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