Über Männer, die sich gegen patriarchale Gewalt engagieren, und geplante Gesetzesänderungen lest ihr im heutigen Presse-Pott…
K.-o.-Tropfen sind „gefährliches Werkzeug“
Wer sogenannte K.-o.-Tropfen zur Begehung einer Vergewaltigung oder eines Raubes einsetzt, soll zukünftig mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Nach einem Gesetzentwurf, der am 13.5.2026 vom Bundeskabinett auf Vorschlag von Bundesjustizministerin Hubig (SPD) beschlossen wurde, müsse Gefahr und Verwerflichkeit, die von dem Einsatz von K.-o.-Tropfen ausgehen, Rechnung getragen werden. Bislang galten sie nicht als „gefährliches Werkzeug“ im Sinne des Strafgesetzbuches und führten nicht zur Erschwerung der Strafe. Doch: „Die Betroffenen haben oft keine Chance, den Übergriff zu bemerken und abzuwehren. Das ist sexuelle Gewalt in einer besonders schlimmen Form – und sie trifft vor allem Frauen.“ so Ministerin Hubig.
Reform des Kindschaftsrechts angestrebt
Kinder sollen durch klare Regeln besser vor häuslicher Gewalt geschützt werden – dazu zählt auch Gewalt gegen den anderen Elternteil. Insbesondere soll bei häuslicher Gewalt gegen den anderen Elternteil der Umgang mit dem Kind ausgeschlossen werden können, wenn dies geboten ist, um eine Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit des gewaltbetroffenen Elternteils abzuwenden. Dazu legte das Bundesjustizministerium (BMJV) einen Referentenentwurf für eine Reform des Kindschaftsrechts vor. Hier geht’s zum Download.
Weitere vom BMJV geplante Gesetzesänderungen, die Frauen* und Kindern zugute kommen sollen, finden sich hier (erleichterte Scheidung nach häuslicher Gewalt) und hier (Catcalling).
Aufruf der Reformkräfte
Anlässlich des Katholikentags 2026 in Würzburg starteten kirchliche Reformgruppen den Aufruf „Gemeinsam für mutigere Reformen!„. Sie setzen sich unter anderem ein „für eine Kirche, die die Gleichberechtigung aller Geschlechter zum Ziel hat und endlich die systemischen Ursachen sexualisierter und geistlicher Gewalt sowie deren Vertuschung bekämpft.“
Die Mittäterin?
Normalerweise berichten wir im Presse-Pott ja von Frauen, die beispielhaft für die feministische Bewegung sind oder von solchen, die aufgrund ihres Engagements diskriminiert werden oder wurden. Aber es gibt sie natürlich auch: die Täterinnen – wobei noch die Unschuldsvermutung gilt. Ein Pariser Gericht leitete nun endlich nach vielen Jahren Ermittlungen wegen Mittäterschaft am Völkermord in Ruanda 1994 ein gegen Agathe Kanziga, Witwe von Juvénal Habyarimana, dem damaligen Staatschef von Ruanda. Näheres hier.
Femonationalismus in Europa
Soziologin Sara R. Farris formulierte erstmals den Begriff Femonationalismus und spricht über seine Ausbreitung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien in der Fuller-Reihe „Far Right Edition„. Darunter sammeln sich verschiedene Phänomene: Zum Einen instrumentalisieren rechte Gruppierungen „Frauenrechte“, um Islamophobie zu rechtfertigen, und zum Anderen propagieren sie ein verschönertes deutsches Tradwife-Bild, um „unpolitische“ Frauen zu ködern. In einem Tagesschau-Exklusiv veröffentlichte die ARD einen Beitrag von team.recherche über die Gruppe Lukreta und ihre Vernetzung in Deutschland und darüber hinaus. Lukreta sei „eine klassische Vorfeldorganisation“ der AfD heißt es darin.
Neue Männer braucht das Land
Jeweils mehrere Hundert Menschen (so die Polizei) – beziehungsweise Tausende (die Veranstalter) haben zum Vatertag in Berlin und Hamburg gegen sexualisierte Gewalt an Frauen protestiert – auf Initiative von Männern. Die Initiative „Männer gegen Gewalt“, die die Kundgebung organisierte, will Männer stärker mobilisieren, bei sexistischem oder übergriffigem Verhalten aktiv einzuschreiten. „Gewalt gegen Frauen und queere Menschen ist fast immer männliche Gewalt“, hieß es und: „Es ist ein Problem, das wir Männer lösen müssen“, sagte der Grünen-Co-Bundesvorsitzende Felix Banaszak. Hier ein Interview zum Thema mit „Take Part Not Space“.
Umfrage zu „Emotionsarbeit“
Magdalena Disandt, die ihre Masterarbeit an der HAW Hamburg schreibt, bittet um Teilnahme an ihrer Studie. Gesucht werden cis-Frauen der Geburtsjahre 1965 bis 1980 (Gen X) und 1995 bis 2010 (Gen Z). Untersucht wird, in welchem Umfang emotionale Arbeit im Alltag wahrgenommen und übernommen wird sowie wie diese im beruflichen und privaten Kontext (z. B. Familie, Heteropaarbeziehungen, Freund*innenschaften) bewertet wird. Bei Fragen wendet euch gerne per E-Mail an: wfg250@haw-hamburg.de
Valie Export gestorben
Wegen „Pornografie“ wurde ihr 1970 die Tochter weggenommen, aber wegen ihrer künstlerischen Aktionen gilt sie heute als „eine der visionärsten, feministischen Künstlerinnen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“ An ihr schieden sich jahrzehntelang die Geister; Jetzt ist sie mit 85 Jahren als Grande Dame der Kunst gestorben. Nachrufe und Würdigungen finden sich in der deutschen und internationalen Presse.
Bremen News
Am 28.5.2026 ist der Internationaler Aktionstag für Frauengesundheit. In Bremen gibt es hierzu ein Podium zu Endometriose mit der Bundestagsabgeordneten und Medizinerin Kirsten Kappert-Gonther, den Betroffenen Larissa Dubiel und Lotta Zech, Oberärztin am Endometriosezentrum im St. Joseph-Stift. Warum fließt in die Erforschungen von Frauenkrankheiten so wenig Geld? Wieso kommt Frauengesundheit in der Ausbildung von Mediziner*innen zu kurz? Und wo können Betroffene Hilfe finden? 28.5.26 um 19:30 Uhr im Noon.
MS D.O.C.H. Residency – Ein Projekt über die Sichtbarkeit von FLINTA: Im Rahmen des Projektes schreibt das D.O.C.H. Kollektiv zwei Residencies für Künstler*innen, Forscher*innen, Journalist*innen oder Kapitäninnen aus, um sich den Fragestellung des Projekts künstlerisch zu widmen und eigene Projekte zu realisieren. Die Termine sind 14.-20.06.2026 und 05.-13.09.2026 STRÖMUNG. Der Standort ist in Bremen; auf der Weser und an der Schlachte. Bewerbungen können bis zum 26. Mai 2026 eingereicht werden.
Zu guter Letzt
Warm angezogen. Der Dänin Louise Mørup fiel auf, dass es im öffentlichen Raum in ihrem Land viele namenlose nackte Frauenstatuen gibt, aber nur wenige von Frauen mit historischer Bedeutung. Um dagegen zu protestieren, griff sie zur Stricknadel und bekleidete die Statue einer nackten Frau im Enghaveparken in der Hauptstadt Kopenhagen mit einem bunten Strickkleid. Die Aktion fand viele Nachahmerinnen, während das erste Kleid inzwischen in die Sammlung des Museum Kopenhagen aufgenommen wurde.
Glenys & Irene



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