Preise, ein Abschied, ein Treffen mit der Justizministerin und vieles mehr im heutigen Presse-Pott.
Abschied von Diane Keaton
„Ich bin die Frau in einer Männerwelt,“ sagte die Schauspielerin 1997 in einem Interview. Nun ist die Oscarpreisträgerin mit 79 Jahren verstorben. Hier ein Nachruf: „Ihr Vermächtnis ist eine souveräne Autonomie in der von strukturellem Sexismus geprägten Branche.“
Nobelpreise zum Zweiten
Letzte Woche wurden nun auch die Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften bekanntgegeben. Er geht an drei Ökonomen, die die Gründe für Wirtschaftswachstum erforschen. Der Ökonomiepreis wurde allerdings nicht von Alfred Nobel selbst gestiftet, sondern wird erst seit 1969 von der schwedischen Nationalbank vergeben. Jedenfalls hat sich die Quote damit noch weiter zu Ungunsten von Frauen verschoben. Es steht jetzt in diesem Jahr 2:11. Letzte Woche stand es noch 2:9.
Förderung der Gegnerschaft zwischen den Geschlechtern
Wegen diesem Tatbestand werden Chinas Feministinnen vom Netz genommen und alle öffentlichen feministischen Bekenntnisse oder gar Proteste geahndet. Doch am 13. und 14. Oktober 2025 wurde in Beijing das 30-jährige Bestehen der Pekinger Deklaration und Aktionsplattform von 1995 mit vielen großen Worten gefeiert: Chinas Präsident Xi Jinping lobte „Chinas ruhmreiche Errungenschaften für Frauenrechte“ – zum Beispiel sei die Müttersterblichkeitsrate inzwischen um fast 80 Prozent gefallen und Frauen wären mit Kraft und Selbstvertrauen in allen Führungsebenen der Nation vertreten. Als Sahnehäubchen spendete Xi 10 Millionen Dollar an UN-Women und richtete zusätzlich einen 100 Millionen-Dollar-Fonds für Frauen im globalen Süden ein. Doch Xis Führungsstil ist alles andere als feministisch: Seit 2022 gibt es keine einzige Frau im Politbüro (zuletzt war das 1997 der Fall) und freie Meinungsäußerungen in der Zivilgesellschaft sind weitestgehend unterbunden. „Förderung der Gegnerschaft zwischen den Geschlechtern“ – Sprich: Feminismus – ist jetzt ein Straftatbestand.
Anteil von Frauen in Führungspositionen gestiegen
Der Bund nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein: „Mit einem Frauenanteil von 47 Prozent in Führungspositionen innerhalb der Bundesverwaltung setzen wir ein deutliches Zeichen für Gleichstellung. Unser Ziel bleibt die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern.“ – so Bundesfrauenministerin Karin Prien – „Es ist ermutigend, dass auch in der Privatwirtschaft Fortschritte sichtbar werden – denn vielfältig besetzte Führungsteams sind nachweislich erfolgreicher. Eine chancengerechte Beteiligung von Frauen ist deshalb nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit.“
Die „Banalität des Männlichen“
Die Philosophin Manon Garcia hat den Pelicot-Prozess miterlebt und jetzt ein Buch darüber geschrieben: Mit Männern Leben, in dem sie die Reichweite der „Affäre Mazan“ zu erfassen versucht. Warum Mazan? Der einzige gemeinsame Nenner bei den Tätern ist, dass sie alle innerhalb von 50 Kilometern vom kleinen Wohnort der Pelicots – Mazan – lebten: Dominique Pelicot wollte nicht riskieren, dass seine Frau aus der Betäubung aufwachte. So sieht Garcia bei diesen Vergewaltigungstaten eine Analogie zur „Banalität des Bösen“, mit der Hannah Arendt die Mittelmäßigkeit und Gedankenlosigkeit eines Adolf Eichmann beschrieb. Ähnlich dem Urheber der „Endlösung der Judenfrage“ hätten die Angeklagten im Pelicot-Prozess keine besondere Schuld bei sich gesehen und ihr eigenes Verhalten als normal eingeschätzt. Mazan ist überall. Rezensionen: in der taz, im Guardian, in der Frankfurter Allgemeinen (dort leider mit Paywall). Siehe auch: Presse-Pott am 6.10.2025.
Die Queerbeauftragte
Sophie Koch (SPD) ist seit Mai 2025 Queerbeauftragte der Bundesregierung. Sie identifiziert sich selbst als queer, „will sich aber nicht verkämpfen“. So benutzt sie gendersensible Sprache, aber: „Wenn ich mit Menschen spreche, die sofort zumachen, wenn ich geschlechtergerechte Sprache verwende, finde ich es manchmal sogar sinnvoll, darauf zu verzichten.“ Seit Amtsantritt wartet sie auf einen Termin mit dem Bundeskanzler… Über ihre Arbeit spricht sie im Interview.
Voting für den Goldenen Zaunpfahl eröffnet
Gendermarketing – also Werbung, die stereotype und sexistische Rollenbilder reproduziert – betrifft uns alle, ob wir wollen oder nicht. Mit der Verleihung des Goldenen Zaunpfahls macht der Verein klische*esc e.V. absurdes Gendermarketing sichtbar und fordert Unternehmen auf, Verantwortung zu übernehmen. Bis zum 31. Oktober läuft das Voting für eins der dieses Jahr ausgewählten „Unrühmlichen 7“. Hier geht’s zu den Informationen über die Unternehmen und zur Abstimmung. Deine Stimme zählt! Der „Preisträger“ wird am 5.11.2025 verkündet.
Yanni Gentsch trifft Bundesjustizministerin Hubig
Im Presse-Pott am 25.8.2025 teilten wir die Petition von Yanni Gentsch an Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig „Voyeur-Aufnahmen strafbar machen – Jetzt Gesetzeslücke schließen!“. Jetzt traf sich Yanni Gentsch am 16.10. 2025 mit Dr. Stefanie Hubig, die die Begegnung danach auf Instagram kommentierte: „Liebe Yanni, vielen Dank, dass du bei uns warst! Wir bewundern deinen Mut. Deine Petition ist ein starkes Zeichen und kommt zur richtigen Zeit 🔥“ Dazu Yanni: „next: justizminister:innen konferenz in leipzig am 7.11. we can make it happen.“
Wiedervereinigung als feministische Rechtsgeschichte?
35 Jahre ist die deutsche Wiedervereinigung her. Welche Rolle spielten ostdeutsche Frauen und Geschlechtergerechtigkeit beim Verfassungsprozess? Welche Chancen wurden verpasst und wie sieht eine feministische Rechtsgeschichte aus? In der 53. Folge vom Podcast „Justitias Töchter“ sprechen Dana und Selma vom Deutschen Juristinnenbund mit Johanna Mittrop. Sie ist Rechtsreferendarin am Kammergericht Berlin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig und hat sich intensiv mit dem Recht der DDR, dem Verfassungsprozess im Zuge der Wiedervereinigung und den Erfahrungen ostdeutscher Frauen beschäftigt.
Bremen News
Save the date! Am 29.10.2025 diskutieren und planen Fachfrauen für Politik und Arbeitsmarkt, wie eine erfolgreiche geschlechtergerechte Arbeitsmarktpolitik aussehen sollte, welche Angebote notwendig sind und welche Rolle lokale Unternehmen dabei spielen: Arbeit gerecht gestalten – aber wie? – Geschlechtergerechte Arbeitsmarktpolitik.
Bremer Engagementpreis geht auch an Mädchengruppe in Gröpelingen: Die Mädchengruppe „Wilder Westen“ ist ein offener, verlässlicher und neutraler Ort außerhalb von Schule und Familie, wo Mädchen zwischen elf und 16 Jahren willkommen sind, um ihre eigenen Interessen zu entdecken und neue Perspektiven zu entwickeln.
Bremerin in Jakarta. Die gebürtige Bremerin Karina Schönmaier ist Turn-Europameisterin. Sie begann in Bremen-Huchting mit dem Turnen und startet für Deutschland jetzt bei der Turn-Weltmeisterschaft in Indonesien. In der ARD-Mediathek gibt es eine Dokumentation über ihren Werdegang an die Turnspitze.
Entlastung beim Elterngeldantrag. Bremen hat gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen und dem Bundesministerium der Finanzen für das Digitalisierungsvorhaben „Konsens“ einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung moderner Verwaltung vollzogen: Ab Herbst können Elterngeldstellen bundesweit direkt auf Einkommensdaten aus den Einkommensteuerbescheiden zugreifen – elektronisch, sicher und mit Zustimmung der Antragstellenden. Wer Elterngeld beantragt, musste bisher seinen Steuerbescheid manuell hochladen. Künftig entfällt dieser Schritt: Die Elterngeldstelle kann die benötigten Daten direkt vom zuständigen Finanzamt abrufen.
Trauerland öffnet Pop-Up für Jugendliche im Viertel. Der gemeinnützige Verein Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e. V. bietet ab Ende Oktober mit einem Pop-Up im Viertel eine niederschwellige Anlaufstelle für Jugendliche, bei denen ein geliebter Mensch gestorben ist. Betroffene können kostenfrei und unverbindlich vorbeischauen, sich informieren, austauschen oder einfach nur einen Moment verweilen. Der Pop-Up ist für die Dauer von fünf Monaten während der dunklen Jahreszeit geöffnet. Der Besuch ist kostenfrei und unverbindlich. Ort: Ostertorsteinweg 16, 28203 Bremen. Zeitraum und Öffnungszeiten: von Dienstag, den 28.10.2025 bis 14.03.2026. Immer dienstags bis freitags in der Zeit von 14-19 Uhr und samstags von 12-17 Uhr.
Bremerhaven: Veranstaltung „Arbeit gerecht gestalten – aber wie?“ Im Fokus: Geschlechtergerechte Arbeitsmarktpolitik und die Rolle der Bremerhavener Unternehmen. Die Arbeitslosenquote von Frauen in Bremerhaven liegt mit rund 15 Prozent deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von sechs Prozent. Wie eine erfolgreiche geschlechtergerechte Arbeitsmarktpolitik aussehen sollte, welche Angebote notwendig sind und welche Rolle lokale Unternehmen dabei spielen: darum geht es in der Veranstaltung am Mittwoch, 29. Oktober 2025, 18 bis 21 Uhr. Ort: Arbeitnehmerkammer Bremerhaven, Barkhausenstr. 16, 27568 Bremerhaven. Informationen sowie Anmeldung unter dem folgenden Link: eveeno.com/321243940.
Glenys & Irene



Schreibe einen Kommentar