Habt ihr schon einen Tannenbaum? Hier unser Tannen-grüner Presse-Pott, bevor wir uns in die Winterpause bis zum 5. Januar verabschieden…
Resolution angenommen
Am 17.12.2025 beschloss das Europäische Parlament, den Antrag von My Voice, My Choice zur Ermöglichung von sicheren und zugänglichen Abtreibungen für alle Frauen* in der EU. Wenn im Heimatland keine Möglichkeit zu einer Schwangerschaftsunterbrechung besteht, sollen Schwangere auch legal ins Ausland reisen dürfen. Die Kommission muss nun bis März 2026 darauf antworten und erklären, wie der Beschluss umzusetzen ist. My Voice My Choice hatte in Kooperation mit mehr als 300 Organisationen aus ganz Europa über 1,2 Millionen Unterschriften bei einer Petition gesammelt. Das Parlament entschied mit 358 Ja-Stimmen, 202 dagegen und 79 Enthaltungen, was auf eine breite parteiübergreifende Basis schließen lässt.
Vier Euro weniger pro Stunde
Das ist der Betrag, den Frauen in Deutschland durchschnittlich weniger verdienen als Männer. Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Lohnlücke damit im Vergleich zum letzten Jahr nicht verringert. Der Verdienstabstand liegt bei 16 Prozent, was vor allem an den höheren Teilzeitquoten der Frauen und den geringeren Gehältern in frauentypischen Berufen liegt. In Ostdeutschland ist die Lücke allerdings geringer.
Bürgergeld“reform“ verschärft Benachteiligung von Frauen
Die vom Bundeskabinett beschlossene Reform birgt erhebliche Risiken für die Gleichstellung von Frauen – insbesondere durch verschärfte Mitwirkungspflichten, die geplante Herabsetzung von Betreuungszeiten, Änderungen bei Mietkosten sowie den Wegfall zentraler Schutzmechanismen wie der Karenzzeit, der die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen schwächt. Das erklärt die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen). Denn Frauen sind im Grundsicherungssystem überdurchschnittlich betroffen: Rund 56 Prozent der erwachsenen Leistungsberechtigten sind weiblich, bei Alleinerziehenden liegt der Frauenanteil bei über 82 Prozent. Reformen im SGB II (Sozialgesetzbuch II) haben damit immer auch eine ausgeprägte gleichstellungspolitische Wirkung.
Feministischer Film aus Saudi-Arabien
Geht das überhaupt? Aus Saudi-Arabien erwartet frau ja nicht unbedingt etwas Feministisches. Aber anlässlich des Red Sea Festivals in Dschidda zeigt sich, wieviel sich geändert hat in dem Land, in dem Kino überhaupt erst wieder seit sieben Jahren erlaubt ist. So konnte die international bekannte Regisseurin Haifaa Al Mansour zwar 2011 in Riad „Das Mädchen Wadjda“ drehen, aber die Außenaufnahmen nicht selbst durchführen und den Film in ihrem Land nicht zeigen. In ihrem neuen Werk „Unidentified“, das sie jetzt in Dschidda vorstellte, genießen Frauen durchaus Freiheiten, die es bisher für sie nicht gab. Interessanter ist aber noch die kaum verhohlene Kritik an der trotz aller Fortschritte immer noch schlechten Position der Frauen im Land.
Die Widerstandskraft afganischer Mädchen
Das „UNICEF Foto des Jahres 2025“ zeigt die zehnjährige Hajira aus der afghanischen Provinz Nangarhar – beim versunkenen Lernen in ihrem Zuhause, in einem abgelegenen Dorf östlich von Kabul. Die Augen des Mädchens wirken wie angezogen von einem geöffneten Schulbuch auf dem Boden, als wüsste sie, dass ihr nur wenig Zeit zum Lernen bleibt. Das Siegerbild der französischen Fotojournalistin Elise Blanchard steht für die stille, aber unbeirrbare Widerstandskraft von Millionen afghanischer Mädchen, denen seit mehr als vier Jahren der Zugang zur weiterführenden Schulbildung verwehrt bleibt.
8. März 2026
Am 8. März begehen wir jedes Jahr den Internationalen Frauentag/Weltfrauentag – manche sagen auch Feministischer Kampftag. Im kommenden Jahr fällt der 8. März auf einen Sonntag. Die Kampagne Enough! ruft daher für Montag, 9.März 2026 zu vielfältigen Aktion und zum Globalen Frauen* Generalstreik auf. Während der Weihnachtspause habt ihr ja vielleicht Zeit, schon mal Ideen zu entwickeln, wie ihr euch beteiligen könnt.
BMJ verteidigt FGM
Das Journal of Medical Ethics (Mitglied im British Medical Journal Group) in Großbritannien hat einen Artikel veröffentlicht, der die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) verteidigt. Der Artikel „Harms of the current global anti-FGM campaign“ wurde von einer Akademikerinnengruppe verfasst und vom Schwedischen Forschungsrat Forte finanziert. Der Artikel bietet keinerlei fundierten Nutzen oder Vorteile der FGM, beklagt aber die Missachtung traditioneller Bräuche. Telegraph und Times kritisierten die Arbeit (Leider Paywall) aufs Schärfste.
5 Rückschläge in 2025…
…werden von Esther Pinheiro aufgezählt, die Frauen seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump schwer beeinträchtigen – nicht nur in den USA, sondern weltweit, besonders in Afrika. Aber sie schaut auch auf die Rolle der Religion und ihrer Auswirkungen auf die körperlichen und sozialen Rechte von Frauen*. In den meisten Religionen stehen Männer in der Hierarchie über den Frauen und wirken kontrollierend und bestimmend auf sie ein. Es entstehen jedoch auch in den sehr traditionellen Religionsgemeinschaften Zusammenschlüsse von Frauen*, die sich für weibliche Selbstbestimmung und Reproduktionsrechte einsetzen, zum Beispiel: Catholics for the Right to Decide, Musawah und Faithful Majority for Reproductive Freedom.
Christmas Listening
Die neueste Ausgabe unseres Generationspodcasts Von Boom bis Z heißt: Die Kopenhagen-Trilogie. Die Redaktion war en masse im Theater am Goetheplatz, um das Stück zu sehen – und jede hat eine Meinung dazu, denn Tove Ditlevsen verkörpert so viele Aspekte eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert. Zu sehen dabei ist die autofiktionale Lebensgeschichte einer Ausnahmeautorin und -Erzählerin, destilliert aus ihren drei Romanen, Kindheit, Jugend und Abhängigkeit. Karten gibt es noch für Aufführungen im Januar und Februar 2026.
Bremen News
Was ist das Gegenteil von Scham? Nicht Stolz, sondern Zugehörigkeit. Wie Scham funktioniert, wie sie Betroffene sexualisierter Gewalt ausgrenzt, Täter schützt und Machtverhältnisse festigt, darum ging es bei der Fachtagung „Die Scham muss die Seite wechseln – aber wie?“ von der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten am 17.12.2025. Über 1.300 Personen nahmen teil, davon 250 in Präsenz im Forum K. Dr. Monika Hauser, Gründerin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale erklärte: „Scham ist eine gesellschaftlich produzierte Emotion, die Täter schützt und patriarchale Strukturen stärkt.“ Vergewaltigungsopfer zu fragen, wie sie gekleidet waren und ihnen damit eine Teilschuld zuzuweisen, zähle zu den „tiefsten Formen der Beschämung“. Scham sei geradezu eine „Ermöglichungsbedingung“ für Täter erläuterte die Sozialwissenschaftlerin Dr. Laura Wolters. Aber: „Wenn tausende Frauen sprechen, gerät die Logik der individuellen Beschämung ins Wanken.“
Neuer Krebs-Test aus Bremerhaven. Als Studentin hatte Nina Winter die Idee, dann gründete die Biologin mit Kollegen aus dem Bremer Zentrum für Humangenetik das Unternehmen „mir|detect“ und zehn Jahre später setzen immer mehr Labore und Kliniken in Europa und in den USA das Testverfahren für Hodenkrebs ein. Das Neue daran: damit lässt sich der Krebs ohne Computertomografie nachweisen. In Zukunft soll das Verfahren möglicherweise auch für andere Krebsarten angewendet werden.
Der Öffentliche Dienst in Bremen wird weiblicher und jünger. Der Frauenanteil bei Leitungsfunktionen in der Kernverwaltung lag 2024 erstmals über 50 Prozent. Finanzsenator Björn Fecker: „Es spricht für eine moderne Verwaltung, dass inzwischen bei den Leitungsfunktionen erstmals ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis erreicht wurde. Allerdings ist das kein Grund zum Ausruhen. Denn die Verteilung ist immer noch unterschiedlich. So sind Frauen beispielsweise bei Schulleitungen sehr stark repräsentiert, in anderen Bereichen hingegen weniger. Da müssen wir weiter am Ball bleiben, um Frauen für Leitungsaufgaben zu gewinnen.“
Gender Pay Gap in der Bremer Wissenschaft. Erstmals liegen für den Wissenschaftsbereich des Landes Bremen konkrete Zahlen vor, die belegen, dass Frauen in den Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen durchschnittlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Insgesamt liegt der Gender Pay Gap – also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – im Land Bremen in diesem Bereich bei 9,4 Prozent. Frauen verdienen in allen Beschäftigtengruppen weniger als Männer. Immerhin ist der Pay Gap geringer als in anderen Bundesländern. Zur Studie geht es hier.
Erfolgreicher Abschluss des Projekts „Mint4girls“. Mit einem feierlichen Senatsempfang im Bremer Rathaus wurde der vierte Durchlauf des Projekts „Mint4girls“ abgeschlossen. Der Staatsrat für Kinder und Bildung, Torsten Klieme, würdigte im Rahmen der Veranstaltung das Engagement der 123 teilnehmenden Schülerinnen aus neun Bremer Schulen, die ein Jahr lang an dem Programm teilgenommen haben: „Mint4girls ist heute ein wichtiger Baustein in der geschlechtersensiblen Berufsorientierung Bremens. Das Projekt stärkt Selbstvertrauen, eröffnet berufliche Perspektiven und vermittelt jungen Frauen realistische Einblicke in eine moderne Arbeitswelt. Aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage ist es unser gemeinsames Ziel, diese erfolgreiche Struktur auf Dauer zu verstetigen.“
Diversität bei Kinderbüchern. In der Radio-Bremen Wochenserie besuchten Kinderreporter*innen zwei Buchläden, die besonders sind: Die Schwarze Kinderbibliothek, wo es Bücher gibt, in denen die Held*innen nicht weiß sind, und Leseland, wo es auch mehrsprachige Kinderbücher gibt.
Kornstraße 155 ist seit dem 17.12.2025 wieder besetzt. Tess von Leerstand Gestalten sagt: „Eigentum verpflichtet – und Wohnen ist ein Grundrecht. Wir beleben die Kornstraße 155 selbst, weil die Politik dabei seit Jahren versagt. Wir gestalten Leerstand von unten.“ Das Gebäude steht seit über 20 Jahren leer. Erklärung dazu von Leerstand Gestalten: Pressemitteilung von Leerstand Gestalten
Glenys & Irene



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