Auch heute im Pride Month Juni beginnen wir wieder mit Nachrichten zum Thema. Was sonst noch los war, lest ihr wie immer im Presse-Pott.
Immer mehr CSDs in Deutschland
Es gibt in Deutschland in immer mehr Städten CSDs. Das ist die gute Nachricht. Gleichzeitig wird es wegen der Anfeindungen durch Rechtsextreme für die Organisator*innen und Teilnehmenden immer gefährlicher und viele CSDs müssen unter Polizeischutz stattfinden. Das ist die schlechte Nachricht. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Menschen, der Gefahr nicht nachzugeben. Und das wiederum macht Hoffnung.
Pride in Südkorea
Bei Südkoreas größter Pride-Parade feierten Zehntausende zusammen in Seoul für die Rechte der LGBTQ-Community – und die deutsche Botschaft solidarisierte sich mit insgesamt 20 vorwiegend europäischen Botschaftsvertretungen. Allerdings gab es auch ebenso viele Demonstranten bei einer Gegendemo. Diese war von christlichen Gruppen organisiert. Mit LGBTQ-Rechten ist es in dem Land schlecht bestellt. Laut einer OECD-Studie von 2020 gehört Südkorea, wie auch Japan und die Türkei, zu den Schlusslichtern bei der rechtlichen Gleichstellung von LGBTQ-Personen. Ein Antidiskriminierungsgesetz wird seit Jahrzehnten in der südkoreanischen Nationalversammlung blockiert.
Bekämpfung sexueller Gewalt in Konflikten
Seit 2015 ist der 19. Juni der Internationale Tag der Bekämpfung sexueller Gewalt in Konflikten. Jedes Jahr veröffentlicht die UN die Namen der Staaten, die sich am häufigsten der sexuellen Gewalt bedienen – ob gegen Kinder, Frauen oder Männer und ob durch Menschenhandel, Sklaverei, Folter oder anderes. Seit Jahren erscheinen auf der Liste die Namen der Demokratischen Republik Kongo, Südsudan, Syrien, Irak und Myanmar, doch dieses Jahr erschienen zusätzlich (und sehr verspätet) Russland und Israel. Im Artikel „Sexualisierte Gewalt im Krieg: Überleben geht vor, was folgt danach?“ teilen drei Expertinnen: Lina Kushch, Ukraine, Dr. Feride Rushiti, Kosovo und Ajna Mahmić Ćatić Bosnien und Herzegowina, ihre Erfahrungen zu Gerechtigkeit, Reparationen und bedürfnisorientierter Fürsorge. Nadia Murad konnte als Jesidin 2014 aus der IS-Gefangenschaft entkommen und widmete sich danach der Veröffentlichung und Bekanntmachung der sexuellen Sklaverei durch den IS. 2018 bekam sie dafür den Friedensnobelpreis.
Kinder im Klimawandel
Laut einer UNICEF-Studie ist weltweit jedes zweite Kind von Klimarisiken betroffen und dadurch mehrfach gefährdet. Gefahren sind zum Beispiel Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Stürme oder solche, die mit dem Klima zusammenhängen wie Luftverschmutzung und Malaria. Auch in Deutschland sind Kinder, insbesondere diejenigen aus sozial schlechter gestellten Familien, betroffen, weil ihre Körper schlechter mit Hitze umgehen können.
Kürzung für Pflegende Angehörige geplant
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant eine Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige. Bisher stehen ab Pflegegrad 2 vielen pflegenden Angehörigen – meistens Frauen – Rentenpunkte zu, die durch die Pflegekassen finanziert werden. Der Entwurf zur Pflegereform sieht vor, die Rentenpunkte für pflegende Angehörige zu kürzen! Hier könnt ihr eine Petition dagegen unterzeichnen.
Mehr Schutz vor Häuslicher Gewalt in Berlin
Berlin ist eins der ersten Bundesländer, das die Vorgaben des Gewalthilfegesetzes mit einem eigenen Gesetz umsetzen will. Das Gesetz zum Schutz von Personen, die häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt erleben, soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Näheres hier.
Die Erste
Im Paris der 1920er Jahre waren Paulette Nardal und ihre Schwester aus Martinique die ersten Schwarzen Studentinnen an der Universität Sorbonne. Da sie feststellte, dass es für Schwarze, aber vor allem für Schwarze Frauen kaum einen Raum zum Austausch gab, bot sie ihre Wohnung dafür an. Dort trafen sich als Gegenbewegung zum Eurozentrismus die Begründer*innen der literarisch-philosophischen und politischen Bewegung der Négritude und sorgten für ein neues Schwarzes Selbstbewusstsein.
Die Geistesgegenwärtige
Als Yanni Gentsch beim Joggen bemerkte, dass ein Mann auf dem Fahrrad hinter ihr herfuhr und ihren Hintern filmte, griff sie geistesgegenwärtig selbst zum Handy und filmte zurück. Sie startete eine Petition gegen solch übergriffiges Verhalten von Männern, die bisher von 160.000 Menschen unterzeichnet wurde. Ein Jahr später nun will das Justizministerium heimliches voyeuristisches Fotografieren unter Strafe stellen. Hier Yanni Gentsch im Interview.
Repräsentanz in der Filmbranche
Laut dem neuesten Diversity Report der UCLA (University of California, Los Angeles) zur „Repräsentanz von „Frauen und anderen Minderheiten“ in der Filmbranche hat sich wenig gebessert. „Obwohl sie etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen“, bilanzieren die Autor:innen, „waren Frauen im Jahr 2025 in allen wichtigen Beschäftigungsbereichen des Kinofilms weiterhin unterrepräsentiert“, so die taz.
Förderung des Genderkonflikts…
….. steht zwar noch nicht im chinesischen Strafgesetzbuch, wird dort aber in den Sozialen Medien geahndet und abgestraft. Was tut eine Feministin in China? Oder eine Stand-Up-Comedian? Wie kontaktieren sich Frauen, die Schutzhäuser für Frauen anbieten oder feministische Buchläden betreiben? Diese und ähnliche Fälle werden in einer 4-teiligen Artikelreihe ausgelotet (leider wieder auf Englisch).
Neue Forschung zu Fehlgeburten
Dänische Forscher*innen haben festgestellt, dass berufsmäßiges Stehen, Laufen sowie Nach-vorne-Beugen während der Schwangerschaft zu einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko führen kann. Insbesondere das Nach-vorne-Beugen schien das Risiko um 36 Prozent zu erhöhen. Die Studie stellt zunächst nur die Beobachtungen der Forschenden dar, basiert aber auf der Auswertung von über 800.000 Schwangerschaften.
Impfung gegen HPV „Extrem wirksam“
Eine neue Studie der Queen Mary University of London (QMUL) hat gezeigt, dass Erwartungen an die Impfungen gegen Humane Papillomviren, die 2008 in Großbritannien eingeführt wurden, schon jetzt übertroffen sind. Zwischen 2020 und 2024 starb in GB keine einzige Frau an Gebärmutterhalskrebs. „Die Impfung hat wohl schon Hunderte von Leben gerettet“, sagte eine der Forschenden. Die Impfung erfolgt normalerweise zwischen 12 und 13 Jahren; deutsche Empfehlungen sind einzusehen beim Robert-Koch-Institut.
Kristellern vermeiden
So heißt die neueste Kampagne von Mother Hood e. V. – Aber was ist Kristellern überhaupt? Es handelt sich um eine Intervention während der Geburt, die etwa jede fünfte Gebärende erlebt. Dabei wird durch Druck auf den oberen Teil der Gebärmutter (Fundusdruck) versucht, die Geburt zu beschleunigen. Es gibt klare Regeln für Kristellern: Es wird empfohlen, sanft (etwa wie der Druck einer Blutdruckmanschette) und nur mit den Händen zu drücken. Zur korrekten Ausführung des Kristeller-Handgriffs gehören auch die Einwilligung und das Veto-Recht der Gebärenden. Aber oft üben Hebammen und Ärztinnen mit dem Unterarm Druck aus, manchmal sogar mit einem Gürtel, einem Bettlaken oder auch mit ihrem gesamten Körpergewicht. Dadurch können Verletzungen bei Mutter und Kind auftreten oder die Geburt wird schmerz- oder Gewaltvoll erlebt. Solche Interventionen werden häufig im Geburtsbericht verschwiegen. Zusammen mit dem Bündnis Gute Geburt war Mother Hood am 9.6.2026 im Bundesministerium für Gesundheit, um die Mängel rund ums Kristallern zu thematisieren. Für Betroffene: Hier geht es zum Hilfetelefon Schwierige Geburt.
65 von 67 Vergewaltigungen verjährt
Claudia Wuttke erfuhr sehr spät, dass sie betäubt, missbraucht und dabei gefilmt wurde – mindestens 67-mal. Gleichzeitig erfuhr sie, dass 65 dieser 67 Verfahren wieder eingestellt würden, weil sie nicht den Qualifikationstatbestand einer „schutzlosen Lage“ erfüllten. Sie wendet sich jetzt mit einer Petition, die man hier mitunterschreiben kann, an Bundesjustizministerin Stefanie Hubig: Gewalt darf nicht nach 5 Jahren straffrei sein – Ungebrochen!
Queertalk Nr. 1
Wir haben beim Podcast Von Boom bis Z ein neues Unterformat – und das heißt Queertalk! Hier sprechen wir über queere Themen aller Art, von Politik über Pop-Kultur bis hin zu persönlichen Erfahrungen. In dieser Pilotfolge stellen sich Joline, Huila und Sara vor und eröffnen die Bühne für viele weitere Queertalks.
Nachtrag zu My Voice, My Choice
Seit dem 15.6.2026 hat My Voice, My Choice endlich wieder Zugriff auf ihr Instagramkonto @myvoicemychoiceorg, bittet Follower*innen aber weiterhin auch auf den Ausweichkontos zu bleiben (@my_voice_my_choice_org und @nikakolac) – falls es noch mal kracht!
Bremen News
Menschenhandel im Land Bremen gemeinsam bekämpfen. Deutschland ist aufgrund internationaler Regelungen verpflichtet, effektive Maßnahmen zur Prävention und Strafverfolgung von Menschenhandel und zum Schutz von Betroffenen zu ergreifen. Der Aufbau einer sensiblen und multidisziplinären Kooperations- und Verweisstruktur ermöglicht eine enge Vernetzung sowie eine koordinierte Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteure und erleichtert zugleich die Strafverfolgung. Bei einem Auftakttreffen haben sich Vertreterinnen und Vertretern der Ressorts Arbeit und Soziales, Inneres und Sport sowie Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz auf den Text einer entsprechenden Dachvereinbarung verständigt. Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz: „90 Prozent der Betroffenen von Zwangsprostitution und Zwangsverheiratung sind Frauen und Mädchen. Deshalb ist es zwingend, dass die ressortübergreifende Zusammenarbeit konkretisiert und festgeschrieben wird. So können wir zukünftig Betroffene von Menschenhandel passgenauer unterstützen.“
Bremer Antrag erfolgreich: Bei der 36. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenminister*innen und -senator*innen der Länder (GFMK)* am 18. und19. Juni 2026 in Dresden unterstützten die Länder zwei Anträge, die von Bremen eingebracht wurden. Dabei ging es um den Abbau von Hürden der kriminologischen Indikation bei Schwangerschaftsunterbrechungen sowie um einen Antrag zum Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt, die einstimmig beschlossen wurden. Dazu Frauensenatorin Claudia Bernhard: „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die Umfrage der ELSA-Studie zeigen, dass von der Feststellung der kriminologischen Indikation kaum Gebrauch gemacht wird. Diese jedoch ermöglicht Betroffenen einen unkomplizierten, rechtssicheren und niedrigschwelligen Weg in einer ohnehin schon belastenden Situation einen Abbruch durchführen zu lassen.“
Bro, komm mal klar: Frauenfeindlichkeit im Netz entgegenwirken – am 29.6.2026 mit Maya Götz: Frauenfeindliche Botschaften, antifeministische Narrative und problematische Männlichkeitsbilder verbreiten sich zunehmend über soziale Medien und erreichen insbesondere Jugendliche und junge Männer. Die renommierte Medienwissenschaftlerin Dr. Maya Götz präsentiert aktuelle Forschungsergebnisse zu Geschlechterrepräsentationen in sozialen Medien und erläutert, wie auf TikTok veröffentlichte Videos Einstellungen und Vorstellungen von Geschlechterrollen beeinflussen können – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht: Im Mittelpunkt stehen zudem konkrete Handlungsmöglichkeiten gegen digitale Frauenfeindlichkeit. Unser Team ist auch dabei und stellt die Redaktionsarbeit der frauenseiten vor.
Bürgermeister Bovenschulte trifft Hate Aid. Bundesratspräsident und Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat Vertreterinnen und Vertreter von HateAid zu einem Austausch im Bundesrat getroffen. Als gemeinnützige Organisation setzt sich HateAid für Menschenrechte und gegen Gewalt im digitalen Raum ein. Mit den Geschäftsführerinnen Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon sowie Martin Wunderlich, Policy Advisor, sprach Bovenschulte über die Arbeit des Vereins und die Herausforderungen, denen Betroffene digitaler Gewalt ausgesetzt sind. Er dankte HateAid für das Engagement im Kampf gegen digitale Gewalt und für die Unterstützung Betroffener und kündigte an, sich auch künftig auf nationaler und europäischer Ebene für Gleichstellung, den Schutz vor Gewalt und die Stärkung demokratischer Teilhabe einzusetzen.
Die Erste. Das hat noch niemand aus Bremen vor ihr geschafft: die Schülerin aus Bremen-Vegesack, Janne Wiethölter fährt als erste Bremerin zur Boulder-Europameisterschaft.
Zu Guter Letzt
Schiedsrichterin und zwei Assistentinnen amtieren beim Spiel Südafrika gegen Tschechien. Lassen sich auch nichts bieten. 😊
Glenys & Irene



Schreibe einen Kommentar