Der Pride-Month Juni geht zu Ende, aber die CSDs gehen weiter sowie auch die Männerfußball-WM – und wir haben trotz Hitzewelle pünktlich wie jeden Montag die genderpolitischen Nachrichten für euch.
Niederlande verbieten Konversionstherapie
Der Senat verabschiedete jetzt das entsprechende Gesetz mit 57 Stimmen bei 15 Gegenstimmen. Verstöße können mit Geldstrafen von bis zu 27.500 Euro oder bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Das Gesetz gilt für Minderjährige und besonders schutzbedürftige Erwachsene, wobei auch das Anbieten und Bewerben entsprechender Maßnahmen verboten wird. LGBTIQ+-Organisationen begrüßen die Entscheidung als historischen Fortschritt, doch auf EU-Ebene gibt es bislang kein unionsweites Verbot solcher Praktiken. Zu den Ländern, die diese Praxis schon verboten haben, gehören die Schweiz, Malta, Belgien, Zypern, Frankreich, Griechenland, Portugal, Spanien und auch Deutschland.
Pride in Budapest
Zehntausende haben in Budapest bei der Pride-Parade gefeiert. Es war der erste Umzug seit der Abwahl von Regierungschef Orban, der die Parade letztes Jahr untersagt hatte. Die Veranstaltung hatte trotzdem stattgefunden, doch der liberale Budapester Bürgermeister Gergely Karacsony, der die Parade auf eigener Kappe genehmigt hatte wurde deswegen angeklagt. Jetzt wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.
CSD in Wittenberg
Es war erst der zweite CSD in der Lutherstadt Wittenberg und anders als im letzten Jahr gab es keine rechte Gegendemo. Die Pride lief ohne wesentliche Störungen ab, die Kirche zeigte Solidarität und hatte die Regenbogenfahne gehisst. Zum ersten Mal gab es sogar einen queeren CSD-Gottesdienst in der Schlosskirchengemeinde.
Vigdís-Preis für die Stärkung der Frauen
Der Vigdís-Preis des Europarats ging am 22.6.2026 an ‘My Voice, My Choice’ für ihre unermüdliche Arbeit, einen europaweiten Zugang zu sicheren Abtreibungen zu ermöglichen. Wie ihr aus den letzten Presse-Potts mitbekommen habt, hat My Voice, My Choice Störaktionen auf ihren Socialmedia-Kanälen hinnehmen müssen – was in diesem Fall die Anerkennung ihrer ausgezeichneten Arbeit bedeutet.
Die wütenden Mavkas
In den besetzten Gebieten der Ukraine erfahren die Menschen Unterdrückung und Schikanen durch die russische Besatzungsmacht. Jeglicher Widerstand ist daher schwierig, erst recht für Feministinnen. Deshalb versucht eine konspirative Gruppe von Frauen, mit vielfältigen fantasievollen Aktionen gegen die Besatzer aufzubegehren: Die Zla Mavkas, die „Wütenden Mavkas“. Benannt nach Mavka, einem weiblichen Waldgeist aus der ukrainischen Mythologie. Hier einige Beispiele zum Schmunzeln.
Deutscher Frauenrat gegen Sozialabbau und Kürzungen
Der Deutsche Frauenrat (DF), Dachverband von rund 60 bundesweit aktiven Frauenorganisationen und damit die größte frauen- und gleichstellungspolitische Interessenvertretung in Deutschland, fasste auf seiner diesjährigen Mitgliederversammlung zahlreiche Beschlüsse gegen Sozialabbau und Einschränkungen in der Gleichstellungspolitik. Die Vorsitzende des DF, Dr. Beate von Miquel, warnte vor einem gleichstellungspolitischen Erdrutsch durch die Reformpläne der Bundesregierung: „Diese Reformen gefährden die gleichstellungspolitischen Erfolge der letzten Jahrzehnte.“
Gleichstellung wird in Frage gestellt
Zum zweiten Mal ist im Thüringer Landtag ein Gesetzentwurf eingebracht worden, mit dem die gesetzliche Verpflichtung zur Bestellung kommunaler Gleichstellungsbeauftragter aufgehoben werden soll; bereits im Frühjahr war ein erster gescheitert. Ein Rechtsgutachten von Professorin Dr. Ulrike Lembke kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Staat ist verfassungsrechtlich verpflichtet, wirksame und institutionell abgesicherte Strukturen zur Förderung der tatsächlichen Gleichberechtigung bereitzustellen. Und auch in Hessen verschärft sich die Situation der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Erste Stellen werden aktiv gestrichen oder nicht wieder besetzt. Als Begründung werden die finanzielle Situation der Kommunen und das Kommunale Flexibilisierungsgesetz herangezogen. Die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauen- und Gleichstellungsbüros bittet um Unterstützung der Petition Frauenrechte Schützen!.
Nuhr nur misogyn
Der Comedian Dieter Nuhr mit seiner Sendung „Nuhr im Ersten“ bei der ARD ist bekannt dafür, schräge Pointen auf Kosten von Frauen loszulassen. Was er sich nun aber geleistet hat, übertrifft das Bisherige noch: In seiner aktuellen Sendung macht er Witze über Frauenmorde. Die ARD scheint das nicht weiter zu stören…
Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt
Die zentralen Handlungsempfehlungen der unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, die von der Bundesregierung im Herbst 2025 eingesetzt wurde, sind am 24. Juni 2026 vorgelegt worden. In mehreren Workshops wurden junge Menschen und ihre digitalen Nutzungsgewohnheiten und Bedarfe mit einbezogen; sie dienen als Grundlage für Handlungsempfehlungen, die jetzt von den Ländern zwecks Umsetzung diskutiert werden können. In Bremen lädt am Dienstag, 30. Juni 2026, von 18.30 bis 20.30 Uhr, der Senator für Kinder und Bildung, Mark Rackles, zu einer öffentlichen Online-Vorstellung und Diskussion ein. Anmeldungsdetails: Tel.: 0421 361-6403, e-Mail: vz-s@bildung.bremen.de
Mehr Hasskriminalität laut BKA
Hasskriminalität gegen queere Menschen und Frauen nahm 2025 zu – besonders gegen queere Menschen. Die Statistiken registriert das BKA unter politisch motivierte Kriminalität (PMK) und vermerkt: „Sicherheitsbehörden beobachten insbesondere eine zunehmende Mobilisierung rechtsextremistischer Gruppierungen gegen die LSBTQIA+-Community, da diese und die durch sie symbolisierten Werte einem rassistischen und nationalistischen Weltbild entgegenstehen.“ Weiter heißt es: „Mehr als die Hälfte aller frauenfeindlichen Straftaten wird dem Bereich PMK-rechts- zugerechnet.“
Das dünne Ende ist schon da…
… das dicke Ende kommt vermutlich noch. Die Taliban werden in Brüssel empfangen und zusätzliche afghanische Konsularbeamte kommen nach Deutschland. Nach deutschen Angaben eine „technische Zusammenarbeit„, um Abschiebungen zu ermöglichen – und nach Angaben der Taliban eine volle diplomatische Anerkennung. Derweil leben Frauen als „Unmenschen“ im Apartheid-Staat Afghanistan; inzwischen wird notfalls auf sie geschossen.
Frauenrat erweitert Aufgabengebiet um Sicherheitspolitik
Der Deutsche Frauenrat hat ein neues Schwerpunktthema – und zwar Sicherheitspolitik. Das wurde auf der Mitgliederversammlung vom 20.–21. Juni 2026 beschlossen. Monika Arzberger vom KDFB übernimmt den Sachbereich. Sie sagt: „Krieg, Aufrüstung, die Infragestellung des Völkerrechts und das Erstarken autoritärer und antifeministischer Kräfte wirken unmittelbar auf Frauen und die Geschlechterverhältnisse. Eine feministische und gleichstellungspolitische Expertise ist zentral für eine nachhaltige Sicherheitspolitik.“
Die Erste
Sie war die erste Frau, die in Spanien erfolgreich ihren Chef wegen sexueller Belästigung verklagte: Nevenka Fernández. Das ist 25 Jahre her und obwohl sie den Prozess gewann, kostete es sie damals ihre politische Karriere und in ihrer Heimatstadt wurde sie zur Unperson. Seit 2022 gilt in Spanien das Gesetz „Nur Ja heißt Ja“ und viele meinen, dass dies ohne Nevenka so nicht möglich gewesen wäre.
Die Rekordtorschützin
Es ist Fußball-WM – und dabei ist es für die meisten selbstverständlich, dass es um die Männer-WM geht, denn sonst würde ja von Frauenfußball-WM geredet. So wurde nun gefeiert, dass Lionel Messi mit seinem 18. Weltmeisterschaftstor den bisherigen Rekordhalter Miroslav Klose (16 WM-Tore) abgelöst hat. Dabei hielt der bisher gar nicht den Torschützenrekord, sondern es war eine Frau: die sechsmalige Weltfußballerin Marta mit 17 WM-Toren.
Bro‘ Culture im Fußball
Ein verweigerter Handschlag vor dem Anpfiff des WM-Spiels England – Ghana machte nachdenklich. Immer wieder gibt es Anschuldigungen sexualisierter Gewalt durch Spitzenfußballer – aber die Kollegen äußern sich in der Regel nicht zu den Vergewaltigungsvorwürfen. Nun aber vielleicht doch durch eine unterlassene Geste? Näheres hier.
Bremen News
Arbeitnehmerkammer Bremen kritisiert Pflegereform. Die Arbeitnehmerkammer Bremen und die Arbeitskammer des Saarlandes kritisieren in einer gemeinsamen Stellungnahme den Gesetzentwurf zur Pflegereform als sozialpolitischen Rückschritt: „Statt die soziale Pflegeversicherung nachhaltig zu stabilisieren und zukunftsfest weiterzuentwickeln, sieht der Gesetzentwurf Leistungskürzungen, höhere finanzielle Belastungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie Rückschritte bei den Arbeitsbedingungen in der Pflege vor.“ Wie wir wissen, betreffen die Verschlechterungen vor allem Frauen…
Service-Info der Arbeitnehmerkammer zu Ferienjobs: Ab wann dürfen Schüler*innen jobben? Wie lang darf gearbeitet werden? – Und welche Rechte bestehen? All das und mehr im: Service-Info Ferienjobs 2026.
Positive Beispiele gesucht – wie zum Beispiel Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit und die Stärkung der Rechte von Mädchen und Frauen. Der Einsatz gegen autoritären Nationalismus steht im Mittelpunkt der Ausschreibung zum 20. Bremer Solidaritätspreis. Sie wendet sich an Akteur*innen und Initiativen, vorrangig aus dem Globalen Süden, die sich in ihrem lokalen Kontext in fragilen Demokratien und autokratisch regierten Staaten gegen diese Tendenzen wenden und sich mit ihrem Einsatz diesem entgegenstellen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Vorschläge können bis zum 30. September 2026 eingereicht werden.
Hospizdienste in Bremen gestärkt: Immer mehr schwerkranke Menschen im Land Bremen erhalten in ihrer letzten Lebensphase Unterstützung durch ambulante Hospiz- und Palliativdienste. Im vergangenen Jahr begleiteten acht ambulante Hospizdienste insgesamt 545 Menschen – ein deutlicher Anstieg. Dafür stellten alle gesetzlichen Krankenkassen 1.322.078 Euro für die ambulante Hospizarbeit in Bremen bereit.
Glenys & Irene


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