Von Töchtern, Nonnen, Hebammen und vielem mehr handelt unser heutiger Presse-Pott.
Die „Töchter“ stellen Forderungen an Merz
Die Debatte um die Stadtbild-Aussage von Bundeskanzler Merz hört nicht auf. Nachdem er selbst noch eins draufgesetzt hatte mit der Aufforderung „Fragen Sie Ihre Töchter“, meldeten sich 50 Frauen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit einem Brandbrief zu Wort und stellten zehn konkrete Forderungen für mehr Schutz und Sicherheit von Frauen.
Boxtraining statt Pflegeheim
Die drei österreichischen Nonnen Regina (86 Jahre), Bernadette (88) und Rita (82), die gegen ihren Willen in ein Pflegeheim gebracht worden waren, dort „ausgebrochen“ und ihr altes Kloster „besetzt“ hatten, sind bester Laune, seit sie wieder zu Hause sind. Die Geschichte ging viral und man kann ihnen auf Instagram folgen und Schwester Rita sogar beim Boxtraining bewundern. Jetzt klagen sie per Anwalt gegen Leiter des kirchlichen Stifts, der ihr Konto mit ihren Renteneinkünften als pensionierte Lehrerinnen hatte sperren lassen. Näheres über die Aufmüpfigen hier.
Die Erste
Die taz-Reihe über Menschen, die Anstoß zu historischen Veränderungen gaben, berichtet diese Woche über Funmilayo Ransome-Kuti (1900-1978). Sie war in Nigeria auf vielen Gebieten die Erste: als Schülerin in einer Sekundarschule, als Lehrerin, als Autofahrerin, als Frau in einer Lokalregierung.
Sie spielt am liebsten gegen Männer
… die Schachgroßmeisterin Melanie Lubbe. Über ihre Erfahrungen und die Gründe, warum so wenig Frauen Schach spielen, spricht sie im Interview. „Meine wohl wichtigste Partie war die um meinen Nachnamen, aber die habe ich leider verloren. Mein Mann und ich haben das ausgespielt, weil wir beide unseren Namen behalten wollten.“
Hebammenhilfevertrag – für oder wider?
Am 1. November 2025 tritt ein neuer Hebammenhilfe-Vertrag in Kraft – Beleghebammen protestieren dagegen. Laut „Die Zeit“ wird „der Hebammenhilfevertrag (PDF) … die Vergütung von Geburten verändern, die freiberufliche Hebammen im Krankenhaus begleiten. Diese sogenannten Beleghebammen sollen zwar einen höheren Stundenlohn und Zuschläge erhalten, jedoch insgesamt weniger Vergütung, wenn sie mehrere Versicherte gleichzeitig betreuen – was jedoch im Klinikalltag laut Hebammenverband (DHV) die Regel ist.“ Die Petition: „Für den Erhalt einer sicheren, individuellen Geburtshilfe – Stoppt den neuen Hebammenhilfevertrag!“ sucht noch Unterschriften und More Midwives gibt Ratschläge für Aktionen, besonders für werdende Eltern.
Leihmutterschaft
.. ist in Deutschland verboten. Mediziner*innen machen sich strafbar, wenn sie einer Frau einen Embryo zum Zwecke der Leihmutterschaft einsetzen. Trotzdem finden wohl auch hier Geburten statt, die von Leihmutter-Agenturen organisiert werden. Dabei stammen die Leihmütter aus dem Ausland und reisen zur Geburt nach Deutschland ein, wie Recherchen des NDR zeigen. Mit einer Geburt in Deutschland wird die rechtliche Anerkennung als Eltern einfacher.
Nur Ja heißt Ja
Jetzt auch endlich in Frankreich: Der französische Senat nahm einen entsprechenden Gesetzentwurf an und verschärfte damit das französische Sexualstrafrecht. Musste eine Frau wirklich alles durchmachen, was Gisèle Pelicot erlebte – zu Hause wie auch vor Gericht – bevor die Gesetzgebung in Frankreich geändert wurde? Künftig kann die Zustimmung eines*r Partner*in »nicht allein aus dem Schweigen oder dem Ausbleiben einer Reaktion des Opfers hergeleitet werden.« sondern müsse »frei, konkret und widerrufbar sein.«
Die Ukraine wird von ihren Frauen getragen
Hinter der Front wird die Ukraine zunehmend von ihren Frauen zusammengehalten. Sie sind Aktivistinnen, sie tragen die Verantwortung und schultern die Last der Zivilgesellschaft, dienen zum Teil beim Militär und fragen sich, wann oder ob sie überhaupt Kinder werden bekommen können. Im Interview sprachen 6 Ukrainerinnen zwischen 29 und 40 über ihre Pläne, Entscheidungen, Bewältigungsstrategien und das Leben überhaupt. „Das Leben ist nicht ideal“, sagt Maria Nazarova, die als Militär-Sanitäterin bis zur Geburt ihres Kindes diente und es manchmal zu Besuchen bei ihrem Mann an die Front mitnimmt, „Aber wir haben uns entschieden, hier und jetzt ein nicht-ideales Leben zu führen.“
22.000 Änderungen
Seit einem Jahr ist das neue Selbstbestimmungsgesetz in Kraft und Menschen können ihren Geschlechtseintrag durch eine einfache Erklärung beim Standesamt ändern. Davon haben bisher rund 22.000 Personen Gebrauch gemacht. Näheres hier.
Die Binde wird zum Teststreifen
Forschende der ETH Zürich haben eine Technologie entwickelt, die Biomarker im Menstruationsblut erkennen kann – direkt in der Binde. Die Anwendung ist denkbar einfach: die Binde mit dem integrierten nicht-elektronischen Sensor tragen, mit dem Smartphone ein Bild der gebrauchten Binde aufnehmen und mit der App auswerten. MenstruAI soll es Nutzerinnen ermöglichen, ihren Gesundheitszustand regelmäßig und ohne großen Aufwand zu überprüfen. NextGen Jane (NGJ) forscht auf diesem Gebiet zu gesundheitlichen Veränderungen bezüglich Hormonen, Krebserkrankungen, Endometriose, Diabetes und Stammzellenforschung. Und schon 2022 fing das deutsche Startup Theblood an, Menstruationsblut zu verwenden, um die Blutanalyse zu standardisieren. „Es ist ein biologisches Untersuchungsgut, dass völlig übersehen wird, obwohl es klar auf der Hand liegt,“ sagt eine Mitarbeiterin von ROSE (Research outsmarts Endometriosis). „Man behandelt es wie Abfall – aber es ist eine wahre Goldgrube“. Näheres dazu hier.
Trainings-App für Gründerinnen
Am 7.10.25 haben die Mitglieder des KITE-Projektes (KI-Thinktank female Entrepreneurship) geplant wie die im Projekt entstandene App in die Welt hinausgetragen werden kann und natürlich auch gefeiert, dass generative KI mit Hilfe dieses Projektes zum Aufzeigen statt Reproduzieren von Diskriminierung genutzt werden kann. Im November wird die App nun veröffentlicht, die Gründerinnen unterstützt, resilienter mit diskriminierenden Erfahrungen im Gründungsprozess umzugehen.
Warum stellt ihr „Care“ im Museum der Arbeit aus?
Jenni Boie und Mario Bäumer antworten: Care ist natürlich Arbeit, auch wenn es nicht – oder kaum – bezahlt wird. Vom 29. Oktober 2025 bis Mai 2026 ist im Hamburger Museum der Arbeit die Ausstellung „CARE! Wenn aus Liebe Arbeit wird“ zu sehen. Den Podcast zur Ausstellung kann man hier hören.
Frauenbeauftragte werden angegriffen
Bis zum 5. November 2025 können Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland an einer Befragung teilnehmen, um ihre Erfahrungen mit antifeministischen Angriffen und „Best Practice“-Beispiele zu sammeln. Ziel ist, die Beauftragten zu stärken und gemeinsames Wissen zusammenzutragen. Ergebnisse werden im kommenden Jahr veröffentlicht. Die Umfrage ist anonym. Rückschlüsse auf Personen oder Kommunen sind nicht möglich. Eure Teilnahme ist wichtig, damit ein möglichst vollständiges Bild entsteht. Die Umfrage läuft noch bis zum 05.11.25 und kann hier durchgeführt werden.
Netzwerke für Frauen im ländlichen Raum
Es entstehen Netzwerke mit Empowerment und Durchsetzungsstrategien für Frauen, die oft relativ isoliert von Gleichgesinnten im ländlichem Raum leben. Fella steht für Female Leadership in ländlichen Räumen und es existieren bereits 25 lokale Netzwerke. Tipps und Anleitungen zum Aufbau eines solchen Netzwerks findet Ihr bei fellaWiki für Interessierte.
Bildbasierte sexualisierte Gewalt
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bereitet derzeit eine Gesetzesinitiative vor, mit der Strafbarkeitslücken bei bildbasierter sexualisierter Gewalt geschlossen werden sollen. Das alles wegen des Engagements und der Ausdauer von Yanni Gentsch, die einen Foto-Voyeur anzeigen wollte – und feststellte, dass sie es nicht konnte, weil die entsprechende Gesetzgebung fehlte. Nach dem Start ihrer Petition traf sie sich zum Gespräch mit Justizministerin Stefanie Hubig; die Medien berichteten darüber. Sie schreibt: „Im November werde ich Stefanie Hubig bei der Justizministerkonferenz wiedersehen. Lass uns gemeinsam laut bleiben, vielleicht sind es dann schon 150.000 Unterschriften, die ich im Gepäck habe!“
Bremen News
Empfehlung: Musiktheaterprojekt „Sor Juanas Traum– Porträt in fünf Stimmen“. Das Alte-Musik-Ensemble Marsyas Baroque realisiert ein neues Musiktheaterprojekt, das sich einer beeindruckenden historischen Frauenpersönlichkeit widmet. Das Bühnenstück porträtiert die mexikanische Dichterin, Philosophin, Nonne, Feministin und Komponistin Sor Juana Inés de la Cruz (1648–1695), die in Deutschland bislang kaum bekannt ist. Ziel ist die Sichtbarmachung weiblicher Stimmen in Kunst und Geschichte. Das gesamte künstlerische Team – Musikerinnen, Schauspielerin, Regisseurin und Lichtkünstlerin – besteht aus Frauen*. PREMIERE: Freitag, 14. November, 20:00 Uhr sowie Samstag, 15. November, 19:30 Uhr im Zentrum für Kunst, Hermann-Ritter-Str. 108 E, 28197 Bremen
Die Komponistin und Professorin Younghi Pagh-Paan erhält den Bundesverdienstkreuz für ihr außergewöhnliches Lebenswerk: Pagh-Paan hat sich in besonderem Maße um die Neue Musik, den kulturellen Austausch und die Nachwuchsförderung verdient gemacht. Zur Verleihung war auch der Botschafter der Republik Korea, Lim Sang-beom, gekommen.
Rechtsberatung für alle: Die öffentliche Rechtsberatung Bremen findet in der Arbeitnehmerkammer statt und bietet unkomplizierte Hilfe bei Mietstreitigkeiten, Sozialfragen oder Schuldenproblemen – für all jene, die sich keine Rechtsberatung etwa bei einem Anwalt leisten können. Ratsuchende können sich telefonisch, online oder direkt in den Beratungsstellen der Arbeitnehmerkammer darüber informieren, ob sie beratungsberechtigt sind. Die Beratung kostet normalerweise zehn Euro je Rechtsanliegen, auch wenn mehrere Termine nötig sind. Wer Sozialleistungen bezieht oder sehr wenig Einkommen hat, kann von der Gebühr befreit werden.
Glenys & Irene



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