Heute ist der letzte Tag im Pride-Month Juni. Also erstrahlt unser Presse-Pott auch heute wieder in den Regenbogenfarben….
Protest mit Regenbogen-Kleidung im Bundestag
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hatte das Hissen der Regenbogenflagge auf dem Bundestag verboten und den Beschäftigten der Bundestags- Verwaltung untersagt, mit einem eigenen Wagen am Berliner CSD teilzunehmen. Letzten Donnerstag nun stand eine Debatte über queerfeindliche Hassverbrechen auf der Tagesordnung des Parlaments. Dazu erschienen die Abgeordneten der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken in bunter Kleidung als lebende Regenbogen-Fahne.
Verboten und trotzdem stattgefunden
Der ungarische Premier Viktor Orbán hatte die Budapest-Pride in diesem Jahr zum ersten Mal in seiner Geschichte verbieten lassen. Der liberale Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony hatte sie jedoch zu einer Veranstaltung der Stadt Budapest erklärt. So wurde die diesjährige Pride am 28. Juni die größte, die die ungarische Hauptstadt je gesehen hat. Nach Angaben der Organisatoren nahm eine Rekordzahl von bis zu 200.000 Menschen an der Parade teil. Auch 70 Abgeordnete des Europaparlaments waren nach Budapet gereist. Selbst die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Aufhebung des Verbots gefordert.
Wirksam gegen Hass: Sicherheitskonzepte und Solidarität
Ein gutes Sicherheitskonzept und genügend Antifa-Präsenz haben dafür gesorgt, dass die Marzahn-Pride und der CSD in Eberswalde ohne größere Zwischenfälle abliefen. Daher lautet die Forderung für die sichere Durchführung von CSDs: Ein „Dreiklang aus zivilgesellschaftlicher Solidarität, polizeilicher Sicherung und politischem Rückhalt“ ist erfolgreich.
Reiche Netzwerke gegen Feminismus und LGBTIQ
Eine antifeministische Allianz agiert in einem „weit verzweigten Netzwerk, das gegen Rechte von Frauen und LGBTIQ mobil macht und teils weit rechte Positionen teilt“. Neben vielen deutschen Adeligen, wie der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, gehören auch Dutzende internationale Erzherzöge, Gräfinnen und Prinzen dazu. Es werden Kampagnen gegen LGBTIQ-Prides und Attacken auf Frauenrechte gefahren, was unter anderem in Bulgarien für eine Blockade der Istanbulkonvention gegen Gewalt gegen Frauen sorgte. Näheres hier.
Eingesperrt auf Station 114 c
Bis heute kaum bekannt: In sogenannten Tripperburgen, venerologischen Stationen, wurden in der DDR Tausende Mädchen und junge Frauen eingesperrt, um sie politisch zu disziplinieren. Der Vorwurf, sie litten an einer Geschlechtskrankheit, deren Verbreitung es einzudämmen galt, war nur vorgeschoben. Manchen Mädchen wurden in der Klinik – äußerst unüblich – Kosmetika zur Verfügung gestellt, so dass der Verdacht naheliegt, dass an ihnen in der Hautklinik-Abteilung Schönheitsprodukte getestet wurden. Martina Blankenfeld kämpft gegen das Vergessen und für die Aufarbeitung der Geschichte.
Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes
Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat dem Bundestag die Ergebnisse zur umfangreichen und unabhängigen Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) am 24. Juni 2025 vorgelegt. Die Evaluation wurde vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) unter Berücksichtigung von Praxiserfahrungen, insbesondere aus den Ländern und von Prostituierten selbst, durchgeführt. Insgesamt zeigt der Bericht sowohl Stärken als auch Schwächen des Gesetzes auf und liefert konkrete Empfehlungen, um Prostituierte besser zu schützen und Zwangsprostitution und Menschenhandel besser zu bekämpfen. Die Einschätzung der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes dazu: „Es genügt nicht, an einzelnen Stellen des Gesetzes zu schrauben – wir brauchen ein Sexkaufverbot als Hebel gegen Gewalt. Die Evaluation lässt den Schluss zu: Das Gesetz schützt nicht, denn es ändert nichts an der Realität von Gewalt, Ausbeutung und strukturellem Zwang in der Prostitution. Der Zugang zu Beratung, Information und Schutzmaßnahmen sei für viele Personen hochschwellig, abschreckend oder gar nicht erreichbar. Die Wirkung der Anmeldepflicht wird als kritisch eingeschätzt, und das Gesetz habe die Bekämpfung von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung nicht verbessert.“
IOC will die „weibliche Kategorie“ schützen
Kirsty Coventry, die neue – und erste weibliche – Präsidentin des Olympischen Komitees verkündete jetzt, dass das IOC vermehrte Anstrengungen unternehmen wolle, weibliche Sportlerinnen bei den olympischen Disziplinen zu schützen. Besonders beim Boxkampf sollen trans- und DSD-Athletinnen (Athletes with Differences of Sex Development) nach viel strengeren Kriterien eingeordnet werden. Angesichts widersprüchlicher Änderungen und internationaler Unterschiede soll jetzt ein Gremium aus wissenschaftlichen Expert*innen und vom IOC anerkannten internationalen Verbänden für Klarheit sorgen.
Sicherung der barrierefreien gynäkologischen Versorgung
Bremen brachte bei der 35. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenminister*innen und -senator*innen der Länder (GFMK) Anträge zum Gender Pay Gap, zur Stärkung des Gewalthilfesystems und zur Sicherung der barrierefreien gynäkologischen Versorgung ein, die einstimmig beschlossen wurden. Konkret soll das Bundesgesundheitsministerium einen Versorgungszuschlag möglich machen, damit sich mehr Gynäkolog*innen bereit erklären, die zeitaufwendigere Behandlung von Frauen mit Mobilitätsbehinderungen zu übernehmen, und auch Umbaumaßnahmen in Praxen subventionieren. Der Hintergrund: Eine Bremer Studie kam im Frühjahr 2025 zu dem Ergebnis, dass Frauen mit Mobilitätsbehinderungen im Land Bremen eine gesundheitliche Versorgung nicht in derselben Bandbreite und Qualität zur Verfügung steht wie anderen Frauen.
Gebärmütter testen – Fehlgeburten verhindern
Forscher*innen an der Universität von Warwick haben jetzt Merkmale in der Gebärmutterschleimhaut mancher Frauen entdeckt, die eine starke Neigung zu Fehlgeburten vorhersagen. Bislang wurden bei Fehlgeburten allein Veränderungen an den Embryos selber untersucht. Das Schöne an den neuen Forschungsergebnissen: Der Zustand der Gebärmutterschleimhaut lässt sich durch einen Test bestimmen und ist erfolgreich behandelbar.
Benachteiligung von Mädchen nimmt ab
… jedenfalls was die Benachteiligung beim Kinderwunsch angeht. Seit den 1980er Jahren fehlen statistisch gesehen 50 Millionen Mädchen, die geboren werden hätten müssen. Nachdem Ultraschall-Untersuchungen Verbreitung fanden – womit eine frühzeitige Geschlechtsbestimmung möglich wurde – kam es besonders in einigen Ländern wie China, Indien oder Südkorea zu einem auffälligen Anstieg von Jungen-Geburten. Dieser Trend geht inzwischen zurück.
Die „vergessenen“ Meisterschaften
Diese Woche beginnt die Frauenfußball– EM in der Schweiz und in den Kinos startet „Copa ’71“, ein Film, in dem es laut Produktionsfirma um die „erste inoffizielle Frauenfußball-WM“ geht. Aber so einige weitere „offizielle“ und „inoffizielle“ Turniere wurden „aus der Sportgeschichte herausgeschrieben“. Näheres hier. Kino-Termine in Bremen.
Mapping the Germanosphere
Bei dieser Pilot-Studie geht es um die erste Analyse frauenfeindlicher Online-Plattformen, Gruppen und Untergruppen im deutschen Sprachraum. Angewandte Methoden sind unter anderem Experten-Interviews, digitale Ethnographie und Netzwerkanalyse. Insgesamt wurden über 350 Webseiten und Social Media Accounts mit misogynen Inhalten identifiziert, eingeordnet und analysiert. Zusammenfassung hier.
Feministische Arbeit ins Rampenlicht!
Die Linke würdigt mit dem Clara-Zetkin-Preis jährlich ein feministisches Projekt oder eine Einzelperson, das oder die die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft befördert, sich für Frauenrechte einsetzt oder für ein schönes Leben für alle ohne Patriarchat kämpft. Bewerbt euch jetzt für den Clara-Zetkin-Preis 2025 der Linken – und holt feministische Arbeit dahin, wo sie hingehört: Ins Rampenlicht! Projekte können bis zum 7. August 2025 eingereicht werden und die Verleihungsveranstaltung findet am 30. August 2025 in Nordrhein-Westfalen statt.
Ingeborg-Bachmann-Preis an Natascha Gangl
Der diesjährige IBP wurde am Sonntag, 29.6.2025 an die österreichische Autorin Natascha Gangl verliehen. Gangl schreibt Prosa, Essays und Sprechtexte. Gemeinsam mit der Band Rdeca Raketa hat sie eine neue Form des Hörstücks entwickelt, das sie „Klangcomic“ nennt.
Bremen News
Bremer Rat sucht neue Mitglieder. Der neue Bremer Rat für Diversität und Teilhabe in der Migrationsgesellschaft (kurz: Bremer Rat, BR) soll ab Oktober 2025 als Nachfolgegremium des Bremer Rats für Integration Sichtweisen und Interessen von Menschen mit Zuwanderungserfahrung auf Senatsebene in die politische Debatte einbringen. Zur neuen Struktur gehört, dass die Mitglieder nicht mehr wie bisher von Organisationen entsandt, sondern von der Sozialdeputation gewählt werden. Ab sofort können sich Interessierte aus Bremen und Bremerhaven für das Verfahren bewerben. Bewerbungen für die ehrenamtliche Mitarbeit im Bremer Rat für die Amtsperiode 2025-2029 können bis zum 15. August 2025 per E-Mail an die Adresse integration@soziales.bremen.de gesendet werden. Wichtig: Die Bewerbung muss den ausgefüllten Bewerbungsbogen enthalten, der auf der Internetseite www.soziales.bremen.de abrufbar ist.
Ausschreibung zum Bremer Autor*innenstipendium 2025. Zur Förderung des literarischen Nachwuchses sowie professionell arbeitender Autorinnen und Autoren vergibt der Senator für Kultur in 2025 sechs Stipendien an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die ihren Wohnsitz in Bremen, Bremerhaven oder dem angrenzenden Umland haben. Sollte kein Bremer Wohnsitz vorliegen, ist im Lebenslauf ein deutlicher professioneller Wirkungsschwerpunkt in der Hansestadt vorzuweisen. Die Organisation der Ausschreibung und Vergabe liegt beim Bremer Literaturkontor. Einsendeschluss für die Stipendien ist der 31. August 2025. Details der Ausschreibung sind zu finden unter: www.literaturkontor-bremen.de.
Bremerhaven: Frauenhaus voll, kein Ausbau in Sicht. Gewaltbetroffene müssen abgewiesen werden. Der Ausbau des Frauenhauses in Bremerhaven geht nicht voran, derweil müssen Schutz suchende Frauen und ihre Kinder abgewiesen werden: 14 gewaltbetroffene Frauen, zusammen mit ihren Kindern insgesamt 36 Menschen, konnten in den Monaten April und Mai dieses Jahres trotz akuter Bedrohung vom Bremerhavener Frauenhaus nicht aufgenommen werden, denn es gab keine freien Plätze. Die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) appelliert an die politisch Verantwortlichen, den beschlossenen Ausbau des Frauenhauses zügig voranzubringen. „Der Ausbau muss dringend kommen, das zeigen die Zahlen vom Frühjahr ganz deutlich. Es geht hier um nichts weniger als Menschenleben, die akut gefährdet sind“, so Dr. Kathrin Stern, Leiterin des ZGF-Büros Bremerhaven.
Frau im Männerberuf. In der Reihe Dicht bei stellt das Bremer Regionalmagazin buten&binnen Frauen vor, die in „Männerberufen“ arbeiten. Letzte Woche: Dachdeckerin Carina Ahrens. Ihre Erfahrung: „Man muss auch Contra geben können.“
Der Koller, die Zeitschrift für Literatur aus Bremen, sucht Texte von Nachwuchsautor*innen (das heißt ohne einschlägige Publikation in einem überregional bekannten oder renommierten Verlag) aus Bremen, Bremerhaven und Umgebung oder mit persönlichem Bezug zur Region. Das Thema der vierten Ausgabe lautet: „Polyphonie – Stimmen der Stadt“. Abgabe bis 6.7.2025! Infos: OPENCALL_2025_Kollit
Please Touch This Art: Das Overbeck Museum in Bremen-Vegesack freut sich über das Pionierprojekt „Please Touch This Art“, mit dem ein großer Schritt für die Barrierefreiheit in Museen ermöglicht wird. Ein Dutzend eigens angefertigte Tastmodelle von ausgewählten Gemälden des Künstlerpaares Fritz und Hermine Overbeck laden seit Kurzem blinde, sehbehinderte und sehende Besucher*innen dazu ein, Kunst im wahrsten Sinne des Wortes zu „be-greifen“. Das Besondere daran: Hinter den Modellen steht ein Pionierprojekt, das einen großen Schritt in Richtung barrierefreie Museen ermöglicht.
Glenys & Irene



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