Zurück aus der Sommerpause kommt der Presse-Pott heute sonnengelb daher, mit einer Auswahl aus den genderpolitischen News der letzten (Ferien-) Wochen
Internationale Haftbefehle gegen Taliban
Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat Haftbefehle gegen zwei Taliban-Führer erlassen, weil es einen hinreichenden Verdacht für systematische und geschlechtsspezifische Verfolgung in Afghanistan gebe, für die sie verantwortlich seien. Die Haftbefehle gelten in über 120 IStGH-Mitgliedstaaten, darunter auch in Deutschland.
Russland: Wissensdurst wird strafbar
Das russische Parlament erklärte mit einer Gesetzesänderung nun die Internet-Suche „in böswilliger Absicht“ nach „extremistischem Material“ für strafbar. Damit steht ab September nicht nur, wie bisher, das Verbreiten, sondern auch das bloße Lesen „verbotener Inhalte“ unter Strafe. Dazu zählt alles, was als „Extremismus“ gewertet wird, zum Beispiel Informationen zu LGBTIQ.
Sierra Leone am Scheideweg
Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (Ecowas), die über eine eigene Gerichtsbarkeit verfügt, hat am 8.7.2025 ihren Mitgliedsstaat Sierra Leone dazu verurteilt, die weitverbreitete Praxis der FGM (83 Prozent) in ihrem Lande zu verbieten und zu kriminalisieren. Das Gericht bezeichnete FGM als „eine der schlimmsten Formen der Gewalt gegen Frauen, die die Schwelle zu Folter überschreitet.“ Das Problem: Seit dem 21.6.2025 leitet Sierra Leone selber – in der Person von Präsident Julius Maada Bio – den Vorsitz von Ecowas. Der Präsident schweigt bislang dazu – denn sogar in Sierra Leones soeben verabschiedetem Kinderrechtsgesetz ist FGM ausdrücklich erlaubt.
Kulturkampf ums Bundesverfassungsgericht
Vor der Sommerpause des Bundestags stand dort die Wahl von drei neuen Verfassungsrichter*innen an. Dabei hatte die CDU/CSU das Vorschlagsrecht für eine*n, die SPD das für zwei Kandidat*innen. Eigentlich war die Abstimmung nur eine Formalie, denn SPD und Union hatten sich vorher, wie üblich, auf die drei Vorgeschlagenen geeinigt. Kurzfristig wurde die Wahl dann aber abgesagt, weil es aus der Union heraus plötzlich Vorbehalte gegen die Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf gab. Ausgelöst wurde das durch eine massive, gezielte Hetzkampagne von christlichen Fundamentalist*innen und anderen rechtsgerichteten Kreisen. Wer dahinter steckt, dazu hier Näheres. Brosuis-Gersdorf nahm dann selbst Stellung in der Sendung von Markus Lanz (ZDF) und räumte mit den Lügen auf, die über sie verbreitet wurden. Und berichtete von den Drohungen gegen sie und ihre Familie. Sehr souverän, wie wir meinen. Aber auch das wurde von einigen verrissen. Übrigens hatte die CDU noch 2015 in Sachsen für Brosius-Gersdorf gestimmt, als diese als Stellvertreterin für den Verfassungsgerichtshof des Landes zur Wahl stand. Nun meldeten sich mehr als 300 Vertreter*innen aus Rechtswissenschaft und Justiz zu Wort und protestierten in einer Stellungnahme gegen den rufschädigenden Umgang mit der Kandidatin. Aber es ging noch weiter: Rechts-Außen-Kreise starteten auch gegen die zweite Kandidatin, Rechtsprofessorin Ann-Katrin Kaufhold, eine Kampagne. Ausgang offen…
CSD Berlin
Am 26.7.2025 feierten Hunderttausende den CSD in Berlin unter dem Motto „Nie wieder still!“. Im Vorfeld hatte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) für Kritik gesorgt, die untersagt hatte, die Regenbogenfahne dieses Jahr über dem Reichstag zu hissen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rechtfertigte die Entscheidung mit dem Spruch, der Bundestag sei kein Zirkuszelt. Dagegen hisste Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, die Regenbogenflagge auf dem Roten Rathaus und auch der Bundesrat und das CDU-geführte Familienministerium ließen sie vor ihren Häusern wehen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von den Bundestagsvizepräsident*innen Josephine Ortleb (SPD) und Omid Nouripour (Grüne) und zu sehen war die Regenbogenflagge am Bundestag dann doch: Aktivist*innen hatten bereits am Freitag eine 400 Quadratmeter große Regenbogenfahne auf dem Platz davor entrollt.
Antifeministische Allianz
„Geld ist die treibende Kraft bei der Umgestaltung von Gesetzen, Politik und öffentlichen Normen.“ So steht es in einem Bericht des EPF (Europäischen Parlamentarischen Forums für sexuelle und reproduktive Rechte), der kürzlich erschienen ist. Patrizia Hecht setzt sich mit dem (kostenpflichtigen) Bericht auseinander.
„Mit Sicherheit Teilhabe“
Das ist der Name und zugleich das Ziel des neuen Modellprojekts, das TERRE DES FEMMES gemeinsam mit dem Verein Soziale Arbeit Mittelmark gestartet hat. In zwei Gemeinschaftsunterkünften in Berlin und Brandenburg finden ab September interkulturelle Frühstückstreffen, Frauenkreise und Workshops statt, bei denen die Frauen sich untereinander vernetzen und austauschen können und gleichzeitig mehr über ihre Rechte und Möglichkeiten in Deutschland erfahren. Ein Ziel ist es, langfristig die Gründung eines eigenständigen, verstetigten Austauschformats, in Form eines Frauenrats, innerhalb der Unterkunft zu unterstützen.
Preisträgerin
Die Schriftstellerin Ursula Krechel bekommt den Georg-Büchner-Preis 2025. Sie wird mit dem wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreis gewürdigt für ihre Werke zu Flucht, Exil und Feminismus.
Fußball-EM
Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen endete am 27.7.2025 mit dem Sieg der Engländerinnen nach Elfmeterschießen. Das deutsche Team schaffte es bis ins Halbfinale. Die Begeisterung war groß, insbesondere über die Leistung der Keeperin Ann-Katrin Berger, insgesamt erlebte der Frauenfußball einen enormen Aufschwung. „Das Turnier hat kommerziell und popkulturell neue Maßstäbe gesetzt,“ aber es bleibt ein fader Beigeschmack: Der „Feminismus hat sich im DFB-Team vom Progressiven befreit“, urteilt Alina Schwermer in der taz. Und: „Es fehlt jegliche Vision für die Zukunft. Es gibt keinen Plan vom DFB, wie der Mädchenfußball oder Spitzenfußball der Frauen in den nächsten zehn Jahren gestaltet werden soll“, kritisiert die ehemalige Bayern-Spielerin Kathrin Längert im Interview.
Fußballerin – Aktivistin – Kandidatin
Tuğba Tekkal spielte für verschiedene Vereine der Bundesliga, gründete 2015 nach dem Völkermord an den Jesid*innen zusammen mit ihren Schwestern die Menschrechtsorganisation HÁWAR.help e. V. und setzt sich für Chancengleichheit für Mädchen im Fußball ein. Nun kandidiert sie mit Carsten Wettich und Wilke Stroman für das Präsidium ihres Klubs, des 1.FC Köln. Hier im Interview.
Gewaltschutz: Lücken im Hilfesystem
In Schleswig-Holstein läuft vieles im Gewaltschutzsystem schon recht gut. Doch es bleiben Lücken. So zum Beispiel bei der Durchsetzung von Kontaktverboten nach häuslicher Gewalt. Wenn die Täter weiterhin die (Ex-) Frauen belästigen, reicht es nicht, dass diese sie bei der Polizei anzeigen, sondern sie müssen Klage beim Familiengericht einreichen. Und zwar in jedem einzelnen Fall wieder. Das ist nicht nur kompliziert, sondern viele wissen das einfach nicht.
Trans-Personen und Ärzt*innen
Wenn schon die Mehrheit der Bevölkerung – Frauen – medizinisch oft nicht richtig versorgt werden, weil davon ausgegangen wird, dass die Symptome von Männern auch für sie gelten – wie soll es da erst der Bevölkerungsminderheit der Transpersonen gehen!? Über die Schwierigkeiten, denen Trans-Personen begegnen, hier ein Bericht.
Übrigens: Kennt Ihr den neuen Podcast Unboxing Trans? Thema der Folge 1 ist das Selbstbestimmungsgesetz.
Brustkrebs-Screening hilft
Seit 20 Jahren gibt es in Deutschland das Mammographie-Screening, zu dem Frauen ab 50 Jahren eingeladen werden. Die Vor- und Nachteile der Früherkennungsuntersuchung wurden immer wieder problematisiert. Jetzt wird durch eine Studie bestätigt: Brustkrebs-Screening rettet Leben.
Neue Hebammen-Vergütung: Fortschritt oder Katastrophe?
Ab November diesen Jahres soll ein neuer Vertrag die Vergütung von freiberuflichen Hebammen, die mit ihrem Team eigenständig den Betrieb des Kreißsaals einer Klinik organisieren, regeln. Was die GKV, der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, für einen Fortschritt hält kommt für den Deutschen Hebammenverband (DHV) einer Katastrophe gleich. Näheres hier.
Fußball-Training muss gegendert werden
Wir hätten es uns ja denken können, aber bisher hatte es kaum jemand auf dem Schirm: Fußballerinnen brauchen ein anderes Training als Fußballer. Aber Saba Shakalio, Athletiktrainerin und Sportwissenschaftlerin, beklagt, „dass geschlechtsspezifische physiologische Unterschiede sowohl in der Physio- und Trainerausbildung als auch dem Studium der Sportwissenschaften quasi nicht vorkommen.“ Auch in der Forschung sind Frauen mal wieder unterrepräsentiert und den Vereinen mangelt es an Bewusstsein und Ressourcen.
News from the manosphere
Frauenhass als Trend? In der Manosphere kursieren chauvinistische und frauenfeindliche Inhalte – oft getarnt als Fitness- oder Männlichkeitscoaching. Influencer verkaufen Hass als Männlichkeit im Netz. #toxischeMännlichkeit
Bremen News
Dreimal ist Bremer Recht? Nein – fünfmal! Bei den Finals in Dresden räumte die Bremer Turnerin Karina Schönmaier fünf Medaillen ab: zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze.
Frau im Männerberuf. In der Reihe Dicht bei stellt das Bremer Regionalmagazin buten&binnen Frauen vor, die in „Männerberufen“ arbeiten. Mechatronikerin Denise Heymann arbeitet als einzige Frau in einem Männer-Team und hat das Motto: „Mut und Ehrgeiz schaden nie.“
POP Office Bremen, VUT Nord, PopNDS und PopKW, schicken ein Musikprojekt aus dem Land Bremen zum Reeperbahnfestival! Wenn Ihr aus dem Land Bremen kommt, am 19.09.25 tagsüber Zeit habt und einen Showcase Slot (ca. 30-45 min.) füllen könnt, dann schickt bis zum 03.08.24, 23:59 eure Bewerbungen an live@popofficebremen.de ! Darin soll enthalten sein: Euer Musikprojekt-Namen; Links zu eurer Website und/oder euren Social Media Channels; Links zu eurer Musik und (Live-) Videos; ein kurzer Text, warum du/ihr auf dem Reeperbahnfestival spielen solltet. Wenn ihr vor Kurzem etwas Neues veröffentlicht habt, solltet ihr auch das unbedingt hinzufügen und/ oder erwähnen! Bitte schickt ausschließlich Links und keine Dateien.
Neues Programm der vhs für das Herbst-/Wintersemester 2025 ist online. Das Programm erscheint zwar erst am 14. August in gedruckter Form – schon jetzt ist es aber online als PDF verfügbar und die Kursanmeldung geöffnet.
Katharina Mevissen erhält ein Aufenthaltsstipendium des Deutschen Studienzentrums in Venedig. Das Stipendium ermöglicht hochbegabten Künstlerinnen und Künstlern, sich durch einen längeren Auslandsaufenthalt in Italien und Frankreich künstlerisch weiterzuentwickeln. Mevissen studierte Kulturwissenschaft und Transnationale Literaturwissenschaft an der Universität Bremen.
Vaterschaftsanerkennung: Ab sofort Online-Terminbuchung möglich An Väter weitersagen!
Zu guter Letzt
Frauen verprügeln Polizisten und gewinnen Parlamentssitz. Nein, nicht wirklich – aber beim Brettspiel Suffragetto. Das war ein feministisches Brettspiel, mit dem die Suffragetten-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts um Unterstützung im Kampf für das Frauenwahlrecht warb.
Glenys & Irene



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