Willkommen zurück beim Presse-Pott im Jahr 2026. Auch im neuen Jahr könnt Ihr hier die genderpolitischen Nachrichten der letzten Woche lesen.
Keine Gnade zu Weihnachten
… erfuhr eine Mutter, die wegen eines Sorgerechtsstreits in Niedersachsen im Gefängnis sitzt – und das sogar ohne Prozess. Zum Hintergrund: Die ältere Tochter war vor dem Vater, der das Sorgerecht hat, zur Mutter geflüchtet und weigerte sich, zum Vater zurückzukehren, wozu die Mutter sie dann auch nicht zwang. Anfang November wurde die Mutter verhaftet und die Tochter in einer Einrichtung untergebracht. Während die niedersächsische Justiz im Rahmen der „Weihnachtsgnade“ 56 Menschen aus der Haft entließ, kannte sie bei dieser Frau keine Gnade. Sie muss ihre Ordnungshaft absitzen, obwohl sie bereits ihre Wohnung deswegen verloren hat und um ihren Job bangt.
Manosphere
Immer mehr frauenfeindliche Influencer beeinflussen Jugendliche im Netz mit ihren maskulinistischen Bildern von Männlichkeit. Wie Lehrkräfte versuchen dagegenzuhalten, dazu Näheres hier.
Fußfesseln können Leben retten
48 Femizide gab es 2024 in Spanien; womit das Land eine der geringsten Femizid-Raten weltweit hat. (In Deutschland gab es im selben Jahr 308). In Spanien werden aktuell mehr als 4.500 Gewaltbetroffene Frauen* dadurch geschützt, dass ihre Gefährder – meist der (Ex-)Partner – eine Fußfessel tragen. Seit Einführung dieser Maßnahme im Jahr 2009 wurde keine einzige der mehr als 21.000 Frauen getötet, die damit so geschützt wurden. Mehr dazu.
BB ist tot
BB – das wissen vielleicht noch die Älteren unter uns – stand für Brigitte Bardot, die französische Schauspielerin, die in den 1960er Jahren als Sex-Symbol Furore machte. In ihren Filmen zeigte sie sich freizügig – beziehungsweise wurde von den männlichen Regisseuren so inszeniert – was viele skandalös fanden und ihr zum Vorwurf machten. Sie revolutionierte das Frauenbild im Film, war allerdings mitnichten Feministin. In ihren späteren Jahren setzte sie sich für Tierschutz ein. Aber sie untertütze auch die rechtsextreme Partei Front National und hetzte gegen Schwule, Linke, Obdachlose, den Islam und illegale Einwanderer. Sie wurde mehrfach wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben.
Aufklärung wird zensiert…
Wer sich in den USA – und nicht nur dort – im Internet über Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs informieren möchte, stößt zunehmend auf Schwierigkeiten. Denn Plattformen wie Facebook, Instagram und Tiktok zensieren, verstecken oder entfernen immer häufiger Inhalte zum Thema Abtreibung unter dem Vorwand, dass dort Werbung betrieben werde. Näheres hier
… aber es gibt ein nationales Sexualstraftäter-Verzeichnis
Zwar sind nicht alle Vergehen und alle Täter erfasst, aber die Liste ist öffentlich einsehbar. Ab 1.1.2026 führt nun Tennessee – als erster US-Bundesstaat – ein Register für Wiederholungstäter von häuslicher Gewalt ein. Die Latte liegt jedoch hoch, einbezogen werden nur schwere körperliche und sexuelle Angriffe, Stalking und Mord. Tennessee liegt immer weit vorn in den Statistiken zu Femizid und Partnermord. Das Problem mit öffentlichen Verzeichnissen? Sie sind oft fehlerhaft; und Täter, die mit einer Gegenklage in die Offensive gehen, könnten ihre Opfer – statt sich selber – auf die Liste bringen.
England hat einen eigenen „Pelicot“
Der ehemalige Conservative Ratsherr, Philip Young, aus Nord-London wird beschuldigt, über 13 Jahre hinweg seine damalige Ehefrau wiederholt betäubt und vergewaltigt zu haben: Ihm werden 56 sexuelle Straftaten zur Last gelegt. Fünf weitere Männer sind mitangeklagt. Wie Gisèle Pelicot hat Youngs Ex-Frau darauf verzichtet, anonym zu bleiben und will den Fall mit Unterstützung der Polizei und Einbeziehung der Presse publik machen. Die Anzahl der tatsächlichen „Pelicots“ weltweit kann man nur vermuten.
Der Todesfrieden Afghanistans
Die ehemalige Vizepräsidentin von Afghanistan, Dr Sima Samar, spricht darüber aus dem Exil. Zarmina Paryani, eine afghanische Aktivistin im deutschen Exil spricht darüber, wie ein hastig aufgenommenes und verschicktes Video bei ihrer Verhaftung, ihr und ihren Schwestern das Leben gerettet hat. Allen Widrigkeiten zum Trotz bleibt der Widerstand lebendig.
Neue Partei in Hamburg
In Hamburg hat sich eine neue Partei für Säkularismus gegründet, angestoßen vor allem von Exil-Iranerinnen. Frau in Führung – Frau Leben Freiheit (FIF) will sich einsetzen für Frauenrechte und gegen einen fahrlässigen Umgang sowohl mit christlichem Fundamentalismus als auch mit dem politischen Islam. Sie soll interkulturell aufgestellt werden und auch Männer ansprechen. Zur nächsten Europawahl wollen sie das erste Mal antreten.
Wie Pornos Männern schaden
Britische Therapeut*innen, die männliche Suchtpatienten behandeln, schlagen Alarm: Mehr als die Hälfte von ihnen berichtet über einen Anstieg von Pornografie-Konsum mit „Krankheitswert“ bei ihren Klienten. Die Folgen sind Depressionen, Entfremdung von Partnerschaften, Isolierung und die Vernachlässigung von Arbeit oder Studium. Ganz abgesehen vom Stellenwert als Antriebskraft für Misogynie, sexuelle Gewalt und Missbrauch von Kindern macht Pornografie die Konsumenten selber krank.
Skepsis statt Vorsätze
How to be smart all year round – mit unserem Neujahrsvorsatzpodcast Von Boom bis Zett.
Bremen News
Zwei neue Beratungsstellen. Zum 1. Januar 2026 hat Frauensenatorin Claudia Bernhard zwei neue Beratungsstellen zum Schutz vor häuslicher Gewalt benannt: die Beratungs- und Interventionsstelle bei Beziehungsgewalt sowie Intervention.Plus. Betroffene sowie Täter und Täterinnen finden dort Unterstützung und Hilfe für ein gewaltfreies Leben. Die Beratungsstellen bieten spezialisierte Beratung und Intervention in Fällen häuslicher und Beziehungsgewalt. Kontaktdaten der Beratungsstellen:
Für Betroffene: Verein für Innere Mission in Bremen, Beratungs- und Interventionsstelle bei Beziehungsgewalt, Am Brill 2-4, 28195 Bremen,Tel.: (0421) 349676767, E-.Mail: interventionsstelle@inneremission-bremen.de
Für Täter und Täterinnen: Hoppenbank e.V., Intervention.Plus, Hastedter Heerstraße 290, 28207 Bremen, Tel.: 0176 97728974, E-Mail: Intervention.Plus@hoppenbank-ev.de
Hauptanmeldephase für Kitaplätze startet: 81 Kinder- und Familienzentren bieten Tage der offenen Tür im Januar für Eltern und Kinder!
Die Erfinderin der Bremer Nachbarschaftshäuser. Die Widerstandskämpferin Frieda Paul verbrachte wegen des Verteilens von Flublättern unter der Naziherrschaft fünf Jahre im Zuchthaus. Nach dem Krieg koordinierte sie die Nähstuben des Arbeiterhilfswerkes und gilt als Erfinderin der Bremer Nachbarschaftshäuser. Das erste Bürgerhaus entstand 1952 im Stadtteil Gröpelingen, wo sich eine ihrer Nähstuben befand.
Erfolgsgeschichte. Die Werder-Frauen haben ein erfolgreiches Jahr hinter sich, auch Dank der Trainerin Friederike „Fritzi“ Kromp. Zur Winterpause stehen sie auf Platz drei der Fußball-Bundesliga.
Zu guter Letzt
Mehr Toiletten fordern Japans Parlamentarierinnen mit einer Petition. Für die 73 weiblichen Abgeordneten steht nämlich in der Nähe des Plenarsaals nur eine einzige Toilette mit gerade mal zwei Kabinen zur Verfügung. Selbst die kürzlich gewählte Ministerpräsidentin Sanae Takaichi, die erste Frau in diesem Amt – und nicht gerade dafür bekannt, feministische Anliegen zu unterstützen – hat unterschrieben.
Glenys & Irene



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