Der Pride Month Juni ist vorbei, doch die CSDs gehen weiter. Die genderpolitischen Nachrichten: hier im Presse-Pott …
CSD in Köln
Eineinhalb Millionen (!) Besucher*innen, so viel wie nie, gab es beim CSD Cologne, der von Freitag bis Sonntag lief. Höhepunkt war die große Parade am Sonntag, bei der auch viele Politiker*innen mitliefen.
Ziel fast erreicht
Laut Bundesfrauenministerin Prien ist die gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an Führungspositionen im öffentlichen Dienst fast erreicht. Nach den aktuelle Daten aus dem Monitoringbericht liegt der Frauenanteil an Führungspositionen in der Bundesverwaltung insgesamt bei 47 Prozent und damit knapp unter der für den Stichtag 31.12.2025 gesetzten Zielmarke von 50 Prozent. Frauenministerin Karin Prien: „Die Bundesverwaltung muss als Arbeitgeberin ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. Die zum Zieldatum erreichten 47 Prozent Frauenanteil an Führungspositionen in der Bundesverwaltung sind ein deutliches Zeichen für Gleichstellung.
Neue Therapieansätze für Frauen mit PMDS
PMDS steht für prämenstruelle dysphorische Störung: Monat für Monat erleben betroffene Frauen schwere Stimmungseinbrüche, Ängste, Reizbarkeit oder Erschöpfung – Symptome, die weit über gewöhnliche prämenstruelle Beschwerden hinausgehen. PMDS zählt zu den schwersten zyklusbedingten Erkrankungen bei Frauen und bleibt dennoch häufig unerkannt. Für ihre Forschung zu neuen Behandlungsmöglichkeiten wurde Dr. phil. Maria Kühne mit dem Nachwuchsforschungspreis der Universität Magdeburg ausgezeichnet. Ihr Ansatz basiert auf einer Stimulierung des Vagusnervs, die durch eine Elektrode an der Ohrmuschel auch einfach zu Hause durchgeführt werden kann. Die Auszeichnung versteht sie als Anerkennung der bisherigen Arbeit und zugleich als Signal für die Bedeutung des Forschungsfeldes.
Die „Weiße Woche“ 2026
Die Weiße Woche: Das sind die Schulworkshops, die TERRE DES FEMMES mit der Berliner Polizei zur Prävention von Zwangsheirat durchführt. Denn besonders in den Sommerferien werden Mädchen verschleppt und im Herkunftsland der Familie zwangsverheiratet. Laut einer Umfrage des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung war in über 80 Prozent der 496 Fälle aus 2022 die Hochzeit gegen den eigenen Willen im Ausland geplant oder fand dort statt. Jedes Jahr sieht man wieder, wie dringend notwendig Aufklärung und Sensibilisierung zu dem Thema sind – denn „in jeder Klasse sitzt mindestens eine Betroffene oder ein Betroffener“, so die Einschätzung von Myria Böhmecke nach den 40 Workshops in der letzten Woche. TERRE DES FEMMES führt die Workshops inzwischen im fünften Jahr durch, die Nachfrage ist groß. In Bremen können sich Mädchen und junge Frauen an das Mädchenhaus Bremen Tel.: 0421 – 336 5444 wenden. Jungs können sich beim Bremer JungenBüro Tel.: 0421 – 598 65 160 beraten lassen.
336.0000 Unterschriften gegen männliche Gewalt
Am 24.6.2026 überreichten HateAid-Mitglieder mit Düzen Tekkal und Kristina Lunz die Unterschriften zur Petition „In Solidarität mit Collien Fernandes: 10 Forderungen an die Bundesregierung“ an die Fraktionsspitzen und frauenpolitischen Sprecherinnen von SPD, Grünen und Linken, vor dem Reichstag. Von der CDU/CSU war niemand erschienen… Die Unterzeichner*innen fordern eine nationale Strategie gegen männliche und digitale Gewalt.
Großrazzia gegen Vergewaltiger-Netzwerke
Ermittler*innen aus neun Ländern sind nach einem Bericht von Europol erstmals gezielt gegen Online-Netzwerke von Männern vorgegangen, die ihre Partnerinnen betäuben und dann sexuell missbrauchen. Aufnahmen von den Gewalttaten würden dann ins Netz gestellt. Der Einsatz im Juni führte nach Angaben von Europol zu 274 neuen Spuren; 156 mutmaßliche Opfer und Täter seien identifiziert worden. Der Großeinsatz heißt Project Medusa und wird von Deutschland und Großbritannien angeführt. Weitere Teilnehmende sind Brasilien, Kanada, Frankreich, Ungarn, die Niederlande, Spanien, USA und Europol (Ruth Eisenreich fragt bei Moment.at „Warum ist Österreich nicht dabei?“). Amanda Stanhope und Zoe Watts, die Opfer solcher Verbrechen wurden, haben die internationale Gruppe #EndEyeCheck (Eye check = das Hochziehen des Augenlides, um Bewusstlosigkeit zu sichern) gegründet. Sie bitten um Bekanntmachung und Teilnahme an ihrer Umfrage. In Deutschland hat die betroffene Claudia Wuttke die Plattform #Ungebrochen gegründet.
Straferhöhung für Femizid
Mütter zweier Opfer von Femiziden haben in Großbritannien eine Änderung der Strafmaßrichtlinien durchgesetzt. Der Justizminister verkündete das neue Mindeststrafmaß von 25 Jahren für häusliche Mordfälle. Bislang bekamen Täter häufig eine um zehn Jahre kürzere Strafe, weil sie meistens eine Waffe aus der „häuslichen Umgebung“ benutzten, statt eine „vorsätzlich Mitgebrachte“ zu verwenden
Männergewalt wird zu oft ignoriert
… findet Christina Mundlos, Soziologin und Expertin für Familienrecht. Im Interview äußert sie sich zu der Gewalttat in Stade, bei der ein Mann, vermutlich wegen eines Sorgerechtsstreits, sechs Menschen tötete. Er war schon vorher durch Drohungen aufgefallen. „Dass Bedrohungen als unbedeutend abgetan werden, erleben wir im Familienrecht, im Jugendamt und bei der Polizei oft. Und das, obwohl es bereits eine Studie der Bundesregierung gab, die belegt, dass die Hälfte solcher Drohungen in Taten münden“, sagt Mundlos und erklärt die Tätertechniken.
Kriegsgewinnlerinnen?
Im Russland Putins werden traditionelle Geschlechterrollen hochgehalten. So waren bisher „unweibliche“ Berufe für Frauen verboten. Nun zwingt der Arbeitskräftemangel aufgrund der Verluste durch den Angriffskrieg gegen die Ukraine die Regierung aber zum Umsteuern. Die Liste der verbotenen Berufe wurde gerade um drei Viertel gekürzt. Das sind vor allem Tätigkeiten, die sich aufgrund der Arbeitsbedingungen negativ auf die Gesundheit und die Gebärfähigkeit auswirken könnten. Wie sich das mit dem Ziel vereinbaren lässt, dass Frauen mehr Kinder bekommen sollen, bleibt ein Rätsel…
US-Soldatinnen sterben nicht im Krieg…
… sondern zu Hause oder in der Kaserne, durch Mord oder Selbstmord. Bei einer Analyse der Todesfälle, die über 14 Jahre lang vom US-Kriegsministerium gesammelt wurden, fand ein Team von The Intercept heraus, dass Frauen beim Militär viel häufiger ermordet werden als Zivilistinnen. Besonders häufig werden sie von Kameraden und Vorgesetzten getötet. Sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung oder Folter bilden zudem die Grundlage für eine extrem hohe Selbstmordrate.
Singen unter den Mullahs
… kann für Frauen im Iran lebensgefährlich sein. Denn dass Frauen, noch dazu öffentlich, singen, ist verboten. Trotzdem finden iranische Künstlerinnen immer wieder Wege, zum Teil unter konspirativen Bedingungen, um aufzutreten. Wer, wie
die Sängerin Parastoo Ahmadi, gefasst wird, wird bestraft. Sie wurde zu Peitschenhieben, einem achtjährigen Ausreiseverbot und Berufsverbot verurteilt.
Queer-Sein in Rußland
… gilt als „extremistische Aktivität“ und ist strafbar. In einem ersten Prozess wurden jetzt drei Betreiber*innen queerer Klubs zu Gefängnisstrafen von mehreren Jahren verurteilt.
Hexenjagd in Niger
Nach der Kriminalisierung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten durch die regierende Militärjunta im Niger verzeichnen Menschenrechtsgruppen eine Welle von Festnahmen. Es läuft derzeit eine koordinierte Aktion des Militärregimes unter General Abdourahamane Tiani gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Mindestens 40 Personen wurden in den vergangenen Wochen landesweit festgenommen, 16 Männer – darunter auch hochrangige Militärangehörige – befinden sich bereits in Haft.
Feminism Now! – Preis für feministisches Engagement
Mit dem Preis für feministisches Engagement „Feminism Now!” würdigt die Heinrich-Böll-Stiftung Menschen, die sich für Menschenrechte, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung einsetzen. Die HBS freut sich über Nominierungen von Frauen, Lesben, inter*, nicht-binären, trans* sowie agender Personen (FLINTA), die sich mutig und kontinuierlich für ein selbstbestimmtes, diskriminierungs- und gewaltfreies Leben einsetzen und so gesellschaftliche Veränderungen von strategischer Relevanz bewirken. Bis zum 31. August 2026 können Vorschläge für den Preis 2027 eingereicht werden.
Amnesty fordert Schutztruppe für Sudan
Im Sudan eskaliert seit April 2023 die Gewalt zwischen den sudanesischen Streitkräften und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF). Amnesty International dazu: «Die Welt muss handeln, um die Gräueltaten der RSF zu stoppen, indem sie die Waffenlieferungen in den Sudan stoppt, Druck auf die Führung ausübt, um die sexualisierte Gewalt zu beenden, und die Täter, einschließlich der obersten Befehlshaber, zur Rechenschaft zieht.“ Sie bitten um Unterschriften für ihre Petition an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und den Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union.
Seltener #MeToo-Sieg
Entgegen der üblichen offiziellen Handhabung hat eine chinesische Praktikantin jetzt vor Gericht Recht bekommen. Ein früherer Manager in der Firma, bei der sie gearbeitet hatte, wurde jetzt für schuldig befunden, sie sexuell belästigt zu haben und musste umgerechnet knapp 650 Euro an sie zahlen. Die #MeToo-Bewegung fand anfänglich großen Anklang in China, wurde jedoch schnell von Regierungsseite unterbunden. „Förderung des Genderkonflikts“ wird zum Beispiel in den sozialen Medien streng zensiert. Wir halten diesen Fall eher für eine Beschwichtigung als ein grundlegendes Umdenken.
Wir sind die Töchter
Cesy Leonard ist Gründerin der Radikalen Töchter. Unter dem Motto „Raus aus der Ohnmacht, rein in die Aktionskunst” organisieren sie Workshops, um Jugendliche zu mehr politischer Teilhabe zu ermutigen, demokratische Strukturen zu stärken und gegen rechtsextremistische Bewegungen vorzugehen. Jetzt wurden ihnen – nachträglich – die Fördermittel entzogen.
Guilty Pleasures
So heißt die neueste Folge unseres queerfeministischen Generationen-Podcasts „Von Boom bis Z“ – und das ist es, was Ihr jetzt braucht, wenn Ihr unsere Presse-Pötte immer fleißig zu Ende lest. Enjoy.
Bremen News
Klimagesund rund um Geburt und frühe Kindheit. Die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. (LVG & AFS) startet das Modellprojekt „Klimagesund rund um Geburt und frühe Kindheit“. Ziel ist es, (werdende) Eltern sowie Erziehungsberechtigte in sozial und klimatisch besonders belasteten städtischen Quartieren dabei zu unterstützen, sich und ihre Kinder besser vor gesundheitlichen Risiken durch Hitze und UV-Strahlung zu schützen. Gefördert wird das Projekt vom GKV-Bündnis für Gesundheit im Land Bremen. Näheres hier.
Kinder und Beruf in Bremen – weiterhin schwer zu vereinbaren: Frauen leisten mehr Sorgearbeit in den Familien, verdienen oft weniger und sind schlechter abgesichert. In Bremen zeigt sich die Benachteiligung von Müttern auf dem Arbeitsmarkt besonders deutlich. Auch weil Betreuungslücken in Bremer Kitas am größten sind. Statistiken und Zahlen sind hier dargestellt.
Neuer Standort für das Jugend Kompetenz Zentrum u25. Das Jugend Kompetenz Zentrum u25 ist seit vielen Jahren eine wichtige Anlaufstelle für junge Menschen mit Orientierungs- und Förderbedarf. Seit dem 25. Juni 2026 hat es offiziell einen neuen Standort an der Waller Heerstraße 196. Das Angebot des Jugend Kompetenz Zentrum u25 gliedert sich in die Module Grundkompetenz, Berufskompetenz, Vermittlung und Schule. Es verbindet die Stabilisierung im Alltag mit beruflicher Orientierung, Qualifizierung und der Unterstützung beim Übergang in Ausbildung oder Beschäftigung. Ergänzend werden unter anderem Bewerbungstraining, IT- und Medienkompetenz, Sprachförderung sowie präventive Angebote zu Themen wie Schulden oder Sucht angeboten.
Mein queeres Ich! ist ein neuer Podcast aus Bremen, eine Plattform für queere Stimmen und Perspektiven, die Raum schaffen will für Sichtbarkeit, Austausch und Empowerment. Mit persönlichen Geschichten und anregenden Gesprächen wollen Raffaela und Johann die queere Community in Bremen und umzu stärken. Einfach mal reinhören!

Mirrorball – die erste museale Einzelausstellung von Anys Reimann: Läuft noch über den Sommer in der Weserburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr, Eintritt 12,- Euro / 6,- Euro ermäßigt.
Shout Out an alle pädagogische Fachkräfte in Kita, Krippe und Kindertagespflege: Ob herausfordernde Elterngespräche +++ AD(H)S im pädagogischen Alltag +++ Neurodivergenzen im Übergang Kita zur Grundschule oder inklusive Bildungsarbeit – Die Fortbildungen des Paritätischen Bildungswerk verbinden fachliche Fundierung mit praxisnahen Impulsen für den Berufsalltag. Kurse ab September 2026, noch Plätze frei.
Glenys & Irene



Schreibe einen Kommentar