Eine Woche Osterpause bei den frauenseiten – da hat sich einiges angesammelt im Presse-Pott…
Radikale Töchter – zu radikal???
Wir kennen die Gruppe Radikale Töchter spätestens seit der Aktion zum 9. März 2026: Sie hatten unter dem Motto „Enough!“ zu Aktionen aufgerufen. Gefördert wird das Anti-Extremismus-Projekt unter anderem durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Jetzt sind dem Projekt durch das CDU-Innenministerium die Fördergelder gestrichen worden – wie auch anderen Projekten, die bisher unter dem Dach von „Demokratie leben“ unterstützt wurden. Und das nachdem die Förderung bereits in Aussicht gestellt worden war und schon ein Jahr lang daran gearbeitet worden ist und Ausgaben entstanden sind. Im Interview verteidigt Familienministerin Karin Prien (CDU) den Umbau des Programms „Demokratie leben“: „Vielfalt sehe ich nicht als staatliches Förderziel.“ Da bleibt uns ein Kommentar im Halse stecken!
Wie weiter mit Deepfake-Pornos?
Im letzten Presse-Pott vor der Osterpause hatten wir berichtet: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sprach im Interview mit Der Spiegel über pornografische Deep Fakes, den KI-Chatbot Grok sowie ihr Bestreben, Erleichterungen für die Opfer von digitaler Gewalt in die Wege zu leiten. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun den Entwurf eines „Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Strafbarkeit bildbasierter sexualisierter Gewalt“ vorgelegt. Er sieht vor, den Paragraf 184k Strafgesetzbuch neu zu fassen und künftig auf die „Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung durch Bildaufnahmen“ auszurichten. Damit soll der Anwendungsbereich der Norm über den bislang erfassten Schutz des Intimbereichs, etwa in Fällen des „Upskirtings“, hinaus deutlich erweitert werden. Der Gesetzentwurf wurde am 26. März 2026 in erster Lesung im Bundestag beraten werden. Hier der Entwurf zum Download.
EU-Beschluss zu Deepfakes
Während der Bundestag debattierte (siehe oben), hat das EU-Parlament ein Verbot von KI-Porno-Deepfakes bereits beschlossen. Dabei müsste Deutschland eigentlich schon seit zwei Jahren die europäische Gewaltschutzrichtlinie in deutsches Recht umsetzen, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, das nicht-einvernehmliche Teilen von Nacktbildern zu einer Straftat zu machen. Auch dem jetzt beschlossenen Verbot von Nudifier-Systemen, mit denen künstliche Bilder und Videos erstellt werden können, müssen die EU-Staaten noch zustimmen.
Der „Fall“ Collien Fernandes
Der „Fall“ Collien Fernandes hält uns weiter in Atem und bringt Dinge in Bewegung. Es gab vielfache Solidaritätsbekundungen und -Demonstrationen, so zum Beispiel in Hamburg, wo 7.500 Menschen erwartet worden waren, schließlich aber 20.000 kamen. Das Politmagazin Caren Miosga widmete dem Thema Deep Fakes eine ganze Sendung, mit Collien Fernandes, Justizministerin Hubig und der selbst betroffenen Jura-Studentin Theresia Crone. Diese berichtete, dass ihr Fall der einzige in Deutschland ist, in dem es bisher zu einer Strafe für den Täter gekommen ist. Derweil können sich Menschen im Ausland allzu gut mit Fernandes identifizieren, zum Beispiel in der Times und im Guardian.
Anstieg von Online-Gewalt gegen Frauen in Afrika
In Afrika wächst die Internet-Benutzung exponentiell, gleichzeitig sind 70 Prozent der Bevölkerung südlich der Sahara Menschen unter 30. Es ist bekannt, dass junge Menschen häufiger Online-Gewalt begegnen: junge Männer werden beeinflusst und junge Frauen werden ihre Opfer. Nach bisherigen Studien und Statistik-Erhebungen rollt auf afrikanische Frauen und Mädchen eine Welle der Gewalt zu. „Keine Plattform fühlt sich sicher an“ sagte eine Äthiopierin, und einige Aktivistinnen und Frauenrechtlerinnen mussten Äthiopien nach massiven Drohungen verlassen. So treffen Mängel an Internet-Regulierung zusammen mit überlieferten Vorstellungen von Frauen: „Frauen, die sich als Feministinnen verstehen werden zur Zielscheibe“ sagte eine Aktivistin.
Belästigte angeklagt
Basketballerinnen eines Berliner Vereins wollten grenzüberschreitendes Verhalten ihres Trainers nicht hinnehmen und wandten sich an den Vereinsvorstand. Daraufhin wurden sie wegen einer „Verleumdungskampagne“ vom Trainer angezeigt. Näheres hier.
Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz…
… und die tatsächlichen finanziellen Folgen: In Firmen mit männlich dominierter Führungskultur werden Männer eher dafür entlassen, wenn sie einen Mann belästigen. Falls das Opfer der Belästigung eine Frau* war – hat sie das Nachsehen: Frauen*, die bei der Arbeit einen sexuellen oder körperlichen Übergriff erleiden, erleben sehr häufig den Einbruch ihrer Karriere mit Stellenverlust oder Stundenabbau und niedrigerem Einkommen. Eine Studie des Quarterly Journal of Economics legt aber dar, dass Firmen mit weiblicher oder gleichgestellter Führungskultur signifikant eher dazu neigen, den Täter zu entlassen und die Frau weiter auf gleichem Niveau zu beschäftigen..
Alles wird teurer – nur Psychotherapeut*innen nicht
Ab dem 1. April bekommen Psychotherapeut*innen 4,5 Prozent weniger Honorar – so der Beschluss der Krankenkassen. Das betrifft besonders Frauen, denn ihr Anteil am Berufsstand beträgt mehr als 70 Prozent, viele arbeiten zudem in Teilzeit. Es steht zu befürchten, dass es nun für Patient*innen zu noch längeren Wartezeiten kommt und dass Therapeutinnen sich gezwungen sehen, weniger Kassenpatient*innen und mehr Privatpatient*innen zu behandeln, denn bei denen können sie mehr Honorar abrechnen.
Klitoris-Nerven zum ersten Mal erforscht
Man nennt die Klitoris „das am wenigsten studierte Organ des menschlichen Körpers„. Fast 30 Jahre ist es her, dass eine komplette Darstellung der Penis-Nerven wissenschaftlich erarbeitet wurde; jetzt erst erfolgt eine gleich komplexe Beschreibung der Nervensysteme der Klitoris. Einige bisherige medizinische Annahmen stellen sich nun als falsch heraus und Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass Gender-Vorurteile den Grund bildeten, warum die Klitoris bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Anatomie-Handbüchern fehlte. Das jetzt erworbene Wissen wird eine große Rolle bei der rekonstruktiven Chirurgie spielen, sowohl bei Geschlechtsanpassungen wie auch bei der Behebung von FGM-Schäden.
Die Erste
Savitribai Phule war die erste Lehrerin Indiens und gründete 1848 auch die erste Schule für Mädchen. Selbst mit neun Jahren zwangsverheiratet, wollte sie vom Bildungssystem ausgeschlossenen Kindern Zugang zu Bildung verschaffen. Sie lehnte die Kinderheirat ab, forderte Rechte für die vielfach diskriminierten unteren Kasten und errichtete Schutzräume für Witwen und Opfer von Vergewaltigungen.
Jung und Alt
Zum Tag der älteren Generation am 1. April 2026 rief die BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) dazu auf, den Dialog zwischen den Generationen zu stärken: „Viele junge Menschen haben im Alltag wenig Kontakt zu älteren Menschen und umgekehrt. Deshalb ist es nicht mehr selbstverständlich, von der Lebensrealität des anderen zu erfahren. Wenn Sichtweisen zwischen den Generationen ausgetauscht werden, stärkt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen und politischer Krisen kommt dem Austausch zwischen Jung und Alt eine zentrale Bedeutung zu.“ Aus der Erfahrung in unserer Redaktion der frauenseiten, wo Jung und Alt ehrenamtlich zusammenarbeiten, können wir nur bestätigen, wie fruchtbar solch ein Kontakt und Austausch ist. Davon zeugt auch unser Generationen-Podcast Von Boom bis Z. Hört gerne rein!
Verbot von Trans-Sportlerinnen
Unter dem Druck des nächsten Olympia-Gastgebers Donald Trump verlangt das IOC künftig einen einmaligen Geschlechtertest von Sportlerinnen für die Teilnahme an Frauen-Wettbewerben. Transfrauen ist ein Start in den Frauen-Konkurrenzen von den Sommerspielen in Los Angeles 2028 an untersagt, wie das Internationale Olympische Komitee mitteilte. Auslöser für die verschärfte Politik der olympischen Dachorganisation war der Wirbel um Wettbewerbe im Frauen-Boxen bei den Sommerspielen in Paris 2024. Eine heftige Debatte rankt sich weiterhin rund um Fairness und Diskriminierung.
Neue Kampagne: Nicht allein bei Gewalt
Es braucht Mut und Entschlossenheit, um über Gewalterfahrungen zu sprechen oder sich aus der Gewalt zu lösen. „Wer hilft mir dabei?“ „Wer hört mir zu?“ „Wem kann ich mich anvertrauen?“ Dies sind zentrale Fragen, die sich viele betroffene Frauen stellen. Die neue Kampagne „Nicht allein bei Gewalt“ des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ setzt genau hier an. Sie zeigt fünf Frauen an einem Wendepunkt, an dem sie sich entschließen zu handeln – mit einem Anruf beim Hilfetelefon. Film und Audio-Material sind vorhanden.
Neue Frau, Neues Sehen: Die Bauhaus-Fotografinnen
Vom 17.04. bis 04.10.2026 im Museum für Fotografie Berlin. Einfach schön. Hier die Galerie.
Bremen News
K.-o. für K.-o.-Tropfen? In Bremen bietet der Verein Clubverstärker Schulungen für Awareness-Teams für Clubs und Veranstalter an. So soll betroffenen Opfern von Übergriffen schneller geholfen werden und Taten möglichst verhindert werden.
Ehrenbürgerschaft für Karin Hollweg. Karin Hollweg soll zur Ehrenbürgerin der Freien Hansestadt Bremen ernannt werden. „Karin Hollweg hat mit ihrem herausragenden mäzenatischen Engagement unsere Stadt auf außergewöhnliche Weise bereichert. Ohne Karin Hollweg wäre unsere Kulturlandschaft, wäre Bremen ein großes Stück ärmer“, so der Senator für Kultur, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte. Das Bremer Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die Bremen zu vergeben hat. Karin Hollweg, Jahrgang 1947, gründete 1996 gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem 2024 verstorbenen Uwe Hollweg, die Karin und Uwe Hollweg Stiftung, und es war Karin Hollweg – selbst Künstlerin – die den Stiftungszweck festlegte: Die Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalpflege. Ganz bewusst hat sie auch den Fokus auf die Förderung kultureller Vielfalt gelegt. In den nun 30 Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung unzählige Einrichtungen, Projekte und Aktivitäten in Bremen und bundesweit unterstützt
Neue Beratungsstelle für Täter häuslicher Gewalt eröffnet. Am 24. März 2026 öffnete Intervention.plus die Türen, die neue spezialisierte Interventions- und Beratungsstelle für Täter (und Täterinnen) häuslicher Gewalt in Bremen. Das Projekt des Vereins Hoppenbank bietet seit Januar 2026 erstmals eine dauerhaft verankerte, qualitätsgesicherte Täterarbeit nach bundesweiten Standards an – eine zentrale Ergänzung der bestehenden Opferschutzstrukturen. Gerade die aktuelle bundesweite Diskussion zur digitalen Gewalt zeigt, wie wichtig die Arbeit mit Tätern und Täterinnen ist, um die Gewalt zu beenden. Um Gewaltkreisläufe zu durchbrechen, setzt Täterarbeit dort an, wo die Gewalt entsteht – bei denen, die Gewalt ausüben, meistens Männer. Das proaktive Beratungsangebot Intervention.Plus unterstützt Teilnehmende dabei, ihr Gewaltverhalten nachhaltig zu beenden. Hier auch ein butenunbinnen-Bericht.
Fortschritte bei Qualität und Teilhabe in der Kindertagesbetreuung. Das Land Bremen zieht eine positive Bilanz aus dem aktuellen fünften Monitoringbericht zum KiQuTG 2025 (Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe in der Kindertagespflege, auch: Gute-Kita-Gesetz) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Bericht dokumentiert für die Jahre 2023 und 2024 erhebliche Fortschritte bei der Weiterentwicklung der Qualität in der frühkindlichen Bildung sowie bei der Verbesserung der Teilhabe in der Kindertagesbetreuung. Bremen hat laut Monitoringbericht die durch das KiTa-Qualitätsgesetz bereitgestellten Mittel gezielt und wirksam eingesetzt, um zentrale Handlungsfelder nachhaltig zu stärken. Insbesondere die Bereiche Personalausstattung, Fachkräftegewinnung sowie Sprach- und Bewegungsförderung zeigen deutliche Verbesserungen.
Verdacht gegen Bremerhavener Arzt. An einem Klinikum in Bremerhaven soll ein Arzt in Narkose befindliche Patientinnen missbraucht haben. Einige sollen noch minderjährig gewesen sein. Ermittler fanden in seiner Wohnung kinderpornografisches Material. Die Gesundheitsbehörde versucht derzeit, dem Arzt die Approbation zu entziehen, wogegen er juristisch vorgeht. Seine Stelle in Bremerhaven soll er gekündigt haben.
Männer zwischen 18 und 80 gesucht! Der Gender Care Gap ist eine der zentralen Herausforderungen für eine gerechte Arbeitswelt, auch hier bei uns in Bremen. Um die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit nachhaltig zu verändern, muss die Perspektive der Männer mit einbezogen werden. Deshalb wird im Rahmen einer Masterarbeit an der Hochschule Bremen die Bereitschaft von Männern zur Übernahme von Sorgearbeit untersucht. Die Arbeit wird von Frau Prof. Dr. Zimpelmann betreut. Um repräsentative Ergebnisse für die Stadt Bremen zu erzielen, wird eine breite Beteiligung aus allen Lebensbereichen benötigt: Die Zielgruppe der Umfrage sind alle Männer zwischen 18 und 80 Jahren im Raum Bremen, die in einer heterosexuellen Partnerschaft leben, gelebt haben oder sich dies vorstellen können. Diese Anfrage bitte weitergeben und verbreiten!
Glenys & Irene



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