Pressemeldung Zentralstelle für die Gleichstellung der Frau
Kampf gegen Gewalt gegen Frauen: Entschiedenes Handeln bleibt Priorität
Die Zahlen zu geschlechtsspezifischer Gewalt im Land Bremen sind weiterhin gravierend hoch. Dazu gehören neben Partnerschaftsgewalt auch sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt, Zwangsprostitution, Genitalverstümmelung und weitere Gewaltformen, die Frauen treffen, weil sie Frauen sind. Gewalt wird dabei als ein Instrument zur Durchsetzung und Aufrechterhaltung von Macht gegenüber Frauen und zu ihrer Unterdrückung eingeordnet.
„Gewalt, vor allem gegen Frauen, darf keine Akzeptanz mehr in unserer Gesellschaft finden. Wir leisten in Bremen schon viel, um Frauen vor Gewalt zu schützen und die Gewaltfolgen zu behandeln. Es gibt seit Februar 2025 einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung. Das ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Gesellschaft. Genauso wichtig ist es jedoch, an die Wurzeln der Gewalt zu gehen und das patriarchale Geschlechterbild jeden Tag zu hinterfragen. Deshalb müssen wir auch der Prävention viel mehr Aufmerksamkeit widmen.“ (Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz Claudia Bernhard)
„Um Frauen effektiv vor Gewalt zu schützen, braucht es ein ganzes Maßnahmenbündel. Erfreulicherweise sind in diesem Jahr wichtige Vorhaben sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene angeschoben oder umgesetzt worden. Wir sind hier also auf einem guten Weg. Die hohen Zahlen müssen uns jedoch weiter Ansporn sein. Denn hinter jedem Fall stehen eine Frau und oftmals auch ihre Kinder, die Schmerz und Angst erfahren haben oder gerade erfahren und deren Leben dadurch massiv beeinträchtigt und oft auch gefährdet wird.“ (Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm)
Ein Meilenstein ist das in diesem Jahr verabschiedete Gewalthilfegesetz, das unter anderem erstmals einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder schafft. Dieser Schritt ist angesichts der hohen Auslastung der Frauenhäuser und Beratungsstellen von großer Bedeutung. Ab 2027 werden Bundesmittel für die Länder bereitgestellt, um Schutz und Beratung weiter auszubauen. Ein weiterer Fortschritt ist der am 19. November 2025 auf Bundesebene beschlossene Gesetzentwurf zur Änderung des Gewaltschutzgesetzes. Er sieht unter anderem vor, dass Familiengerichte Gewalttäter künftig zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verpflichten können. Sie löst Alarm aus, wenn sich ein potentieller Täter trotz Annäherungsverbots einer Frau nähert. Auch im Land Bremen soll die elektronische Fußfessel zeitnah eingeführt werden.
Ein weiterer Erfolg ist der Bremer Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, den die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz gemeinsam mit der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) ressortübergreifend erarbeitet hat. Er wurde weitgehend umgesetzt und befindet sich nun in der Abschlussphase. Parallel dazu beginnt im Jahr 2026 seine Fortschreibung für die Zeit ab 2027, den die ZGF maßgeblich mitgestaltet.
Fallzahlen zu Gewalt gegen Frauen im Land Bremen
Jährlich veröffentlicht der Senator für Inneres und Sport die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Land Bremen. Für das Jahr 2024 ergibt sich in Bezug auf geschlechtsspezifische Gewalt folgendes Bild:
- Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: Hier gab es einen leichten Anstieg (rund 1 Prozent) der Fallzahlen im Land Bremen von 189 Fällen im Jahr 2023 auf 191 Fälle im Jahr 2024. In Bremerhaven wurden 42 Fälle registriert. Das ist einer weniger als im Jahr zuvor. In Bremen erhöhte sich die Fallzahl um vier Fälle auf 149.
- Partnerschaftsgewalt: Die Fallzahlen hierzu waren im Land Bremen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (rund sechs Prozent). Allerdings verzeichnete das Bundesland im Jahr zuvor einen drastischen Anstieg im Vergleich zum Jahr 2022, nämlich um rund 36 Prozent. Die Fallzahlen verharren im Land Bremen also mit 2.458 Fällen im Jahr 2024 auf einem sehr hohen Niveau. In Bremerhaven stehen 661 Fälle in der Statistik, in Bremen 1.797 Fälle.
- Femizide: Laut einer Senatsantwort auf eine Anfrage der Regierungsfraktionen aus Mai 2024 wurden in den Jahren 2019 bis 2023 im Land Bremen neun Frauen von ihren männlichen Partnern oder Ex-Partnern getötet, acht Frauen wurden Opfer von Tötungsversuchen
„Bei den Statistiken zu geschlechtsspezifischer Gewalt müssen wir berücksichtigen, dass nur der Polizei bekannte Taten gezählt werden. Das sogenannte Hellfeld. Dem gegenüber steht ein riesiges Dunkelfeld, also die Straftaten, die nicht angezeigt werden. Gerade bei Partnerschaftsgewalt und sexualisierter Gewalt ist es besonders groß, da nur sehr wenige der Betroffenen sich für den Weg zur Polizei entscheiden“, erklärt Wilhelm. Laut des ersten periodischen Sicherheitsberichts des Landes Bremen vom Februar 2024 wird bei Sexualdelikten nur in 2,5 Prozent der Fälle Anzeige erstattet.
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Am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen
Das Angebot in Bremerhaven für von Gewalt betroffene Frauen hat sich in diesem Jahr verbessert: Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung der Gewaltschutzambulanz am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide im September 2025. Dort können Betroffene von häuslicher, sexualisierter oder geschlechtsspezifischer Gewalt Verletzungen vertraulich und gerichtsfest dokumentieren lassen.
Auch in den Prozess zur Aufstockung der Frauenhausplätze in Bremerhaven ist seit dem Sommer Bewegung gekommen. Inzwischen kann eine zusätzliche Wohnung zur Unterbringung von gewaltbetroffenen Frauen genutzt werden und es stehen fünf Notplätzen in einer städtischen Einrichtung bereit.
„Die neu hinzugekommenen Frauenhausplätze sind ein guter Anfang, reichen aber noch nicht aus, um den bestehenden Bedarf zu decken. Es müssen daher dringend zeitnah weitere Plätze entstehen.“ (Dr. Kathrin Stern, Leiterin des ZGF-Büros in Bremerhaven)
Neben fehlenden Frauenhausplätzen mangelt es in der Seestadt noch an weiteren wichtigen Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt. Dies dokumentiert der im Mai 2024 erschienener Bericht „Ist-Stand-Analyse der Beratungsangebote für Betroffene geschlechtsbezogener Gewalt in Bremerhaven“ der Zoom – Sozialforschung und Beratung GmbH. Neben Präventions- und Schulungsangeboten fehlt es in der Seestadt an einer Beratungsstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt. Sie müssen aktuell die Beratungs- und Hilfseinrichtung in Bremen nutzen. „Das ist eine zeitliche sowie finanzielle Zumutung, da es nicht um einen einzelnen Termin geht, sondern die Frauen meist längerfristige Beratung und Hilfe benötigen“, erklärt Dr. Kathrin Stern.
Fallzahlen in Bremerhaven verharren auf hohem Niveau
Jährlich veröffentlicht der Senator für Inneres und Sport die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Für die Stadt Bremerhaven ergibt sich für geschlechtsspezifische Gewalt folgendes Bild:
- Partnerschaftsgewalt: Bis 2021 blieben die Fallzahlen unter der Marke von 400 Fällen. Im Jahr 2022 gab es einen deutlichen Anstieg um rund 21 Prozent auf 482 Fälle von partnerschaftlicher Gewalt. Im Jahr 2023 lagen die Fallzahlen sogar bei 674 Fällen, was ein Anstieg um fast 40 Prozent zum Vorjahr bedeutet. In der aktuellen Statistik aus dem Jahr 2024 ist ein leichter Rückgang um 13 Fälle zu verzeichnen.
- Bei Vergewaltigungen und sexueller Nötigung/Übergriffen ergibt sich eine ähnliche Lage. Hier gab es vom Jahr 2022 auf das Jahr 2023 einen drastischen Anstieg von 39 Prozent und die Fallzahlen überschritten im Jahr 2023 mit 43 Fällen erstmals die Marke von 40. Im Jahr 2024 blieben die Fallzahl im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant hoch.
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