Arbeitnehmerkammer legt neue Daten zur Beschäftigung von Frauen in der Wissenschaft vor.
Nur ein Drittel der Professuren im Land Bremen ist mit Frauen besetzt. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Arbeitnehmerkammer Bremen zum Start des Wintersemesters 2025/2026. „Trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten – es bleibt dabei, dass Frauen zwar die Mehrheit der Absolventinnen stellen, auf der Karriereleiter aber einbrechen“, sagt Kammer-Geschäftsführerin Elke Heyduck.
Im Ländervergleich liegt Bremen auf Platz vier Im vergangenen Jahr waren zwar fast 58 Prozent der Absolvent*innen an der Universität Bremen weiblich, aber nur 42 Prozent der Beschäftigten im wissenschaftlichen Mittelbau. Insbesondere bei den Professuren sind Frauen noch immer unterrepräsentiert – 2024 lag ihr Anteil an der Uni Bremen bei 34 Prozent.
„Mit jeder weiteren Karrierestufe in der Wissenschaft nimmt die Beteiligung von Frauen also ab.“
Allerdings sind die Unterschiede in den einzelnen Fachbereichen groß: In den Erziehungs- und Bildungswissenschaften sind neun von zehn Absolvent*innen weiblich und nahezu zwei von drei Lehrstühlen mit Frauen besetzt. In der Physik und Elektrotechnik hingegen ist es nicht einmal jeder zehnte Lehrstuhl, dabei sind fast ein Viertel der Absolvent*innen weiblich. An den anderen staatlichen Hochschulen in Bremen zeigt sich dabei ein ähnliches Bild.
Trotzdem steht Bremen im Vergleich der Bundesländer bei den Professorinnen noch relativ gut da: Ein Anteil von 32 Prozent bedeutet Platz vier hinter Berlin (36 Prozent) sowie Brandenburg und Hamburg. Im Saarland hingegen sind es lediglich 23, in Bayern und Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg nur wenig mehr. Gleichwohl ging es früher noch ungerechter zu: 2003 lag der Frauenanteil bei den Professuren in Deutschland gerade einmal bei 13 Prozent. 20 Jahre später waren es immerhin 29 Prozent.
Screenshot Infografik zu Frauen in der Wissenschaft (c) Kammer Kompakt Oktober 2025 Jessica Heibült
Gründe für den niedrigen Frauenanteil in der Wissenschaft
Lange Zeiten voller beruflicher Unsicherheit. Die Gründe für den niedrigen Frauenanteil in der Wissenschaft sind vielfältig, sie könnten aber durchaus verändert werden. Die Zeit der wissenschaftlichen Qualifizierung ist noch immer eine Phase beruflicher Unsicherheit und fehlender Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Befristete Arbeitsverträge mit kurzen Laufzeiten sowie Überstunden und „Forschung in der Freizeit“ sind die Regel, gerade im wissenschaftlichen Mittelbau – also bei Doktorand*innen, promovierten Wissenschaftler*innen (Postdocs) oder wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen. Wesentliche Karriereschritte wie Promotion und Habilitation finden bis zum 40. Lebensjahr statt – sie fallen mit der Familiengründung zusammen. Dies stellt nach wie vor für Frauen, mehr als für Männer, ein Problem dar. Vor allem Professorinnen bleiben deutlich häufiger kinderlos (41 Prozent) als ihre männlichen Kollegen (24 Prozent).
Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz erlaubt seit 2007, dass wissenschaftliche Mitarbeiter*innen sechs Jahre vor und nach Abschluss einer Promotion befristet beschäftigt werden können – also bis zu zwölf Jahre. Werden Forschungen über Drittmittel finanziert, sind theoretisch sogar beliebig viele Befristungen denkbar. Dieses Problem ist lange bekannt und wurde immer wieder kritisiert.
Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen (c) Stefan Schmidbauer
„Um die Hürden für Frauen abzubauen, müssen sich die Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft verbessern und mehr Beschäftigungssicherheit bieten“, sagt Heyduck.
Nicht nur die große Zahl befristeter und Teilzeitstellen ist ein Problem, auch der Mangel an positiven Vorbildern und fehlende Netzwerke sind für Frauen Hürden auf dem Weg zu einer Karriere in der Wissenschaft.
Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer
Dauerstellen für Daueraufgaben
Noch immer sind jahrelange Befristungen zulässig – zum Leidwesen der Beschäftigten. Da Postdocs an Hochschulen in der Regel Daueraufgaben übernehmen, sollten sie auch Dauerstellen erhalten. „Sichere Perspektiven würden Frauen die Karriere- und Lebensplanung erleichtern und sie eher in der Wissenschaft halten“, so Heyduck. Auch die Hochschulen leiden unter einem verstärkten Fachkräftemangel. Das Ziel sollte die Erhöhung der Grundfinanzierung durch das Land Bremen sein, verbunden mit einer Erhöhung der Zahl der unbefristeten Stellen.
Ko-Finanzierung des Professorinnenprogramms 2030 Der jüngst vorgestellte Entwurf des Bremer Wissenschaftsplans 2030 sieht vor, den Frauenanteil an den Professuren bis 2030 auf 40 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig lässt er offen, ob Geld dafür zur Verfügung steht. Das muss sich aus Sicht der Arbeitnehmerkammer ändern. „Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die bremischen Hochschulen, wenn sie innovativ sein und hoch qualifizierte Fachkräfte ausbilden sollen“, so Heyduck. Der langfristige Erfolg des Professorinnenprogramms muss deshalb durch eine ausreichende Ko-Finanzierung Bremens abgesichert werden.
Das KammerKompakt „Frauen in der Wissenschaft – Gute Arbeit und Gleichstellung stärken“ finden Sie hier zum Download: www.arbeitnehmerkammer.de/downloads
Pressemeldung der Arbeitnehmerkammer vom 8.10.2025
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