Rossfrau – Vielfältigkeit sieht anders aus

Passend zum Weltfrauentag am 08.März wurde die größte Rossmann-Filiale in Hannover für einen Tag in Rossfrau umbenannt. Auch das Logo von Rossmann bekam vorübergehend eine weibliche Heldin. Damit wollte die Drogerie ihr Kampagnenmotto „Lass die Frau raus“ versinnbildlichen.

Rossfrau als Würdigung der Frauen?

Ziel der plakativen Kampagne war, Frauen auf vielfältige Weise zu feiern und sich für ihr Vertrauen zu bedanken, da Frauen 80% der Kundschaft von Rossmann ausmachen. Bis zum 08.März feierte Rossmann auf der Kampagnenseite jeden Tag einen Aspekt des Frauseins wie zum Beispiel die „Naturschönheit“, „Sportskanone“ oder „Diva“. Diese werden auch im Kampagnenvideo dargestellt. Des Weiteren veranstaltete das Unternehmen mit dem Hashtag #lasstdieFrauraus einen Fotowettbewerb auf Instagram. Und Frauen bekamen 30% Rabatt auf verschiedene rosafarbene Produkte und Haushaltsprodukte geschenkt.

Die Idee der Kampagne klingt prinzipiell gut. Frauen sind vielfältig und das sollte gefeiert werden. Aber bestimmt nicht so. Denn in erster Linie diente die Kampagne dazu, Frauen mit Gewinnspielen und Rabatten zum Konsumieren anzuregen. Zwar bekamen die Frauen 30% Rabatt geschenkt, doch trotzdem müssen sie aufgrund der Pink Tax, was auf Deutsch pinke Steuer bedeutet, fast immer mehr bezahlen als Männer. Und das für Produkte, die meist baugleich sind und sich nur in der Farbgebung unterscheiden. So gibt es von Rossmanns Eigenmarke Isana beispielsweise fünf Einwegrasierer für Damen für 0,85 € während für Männer zehn Einwegrasierer für 1,49 € erhältlich sind.

Bei der Pink Tax handelt es sich nicht um eine echte Steuer. Der Begriff beschreibt metaphorisch einen geschlechtsspezifischen Preisunterschied. Ursache der Pink Tax ist in den meisten Fällen vermutlich, dass Frauen in der Gesellschaft suggeriert wird immer schön sein zu müssen und gewisse Produkte zu brauchen. Das wiederum führt bei ihnen zu mehr Bereitschaft, viel Geld in ihr Aussehen und in ihre Körperpflege zu investieren. Das nutzen Unternehmen zu ihren Gunsten. Denn wo eine hohe Nachfrage besteht, entsteht ein größeres Angebot. Deswegen gibt es für Frauen oft mehr Auswahl und höhere Preise.

Klischees statt Vielfältigkeit

Auch das Video der Kampagne ist nicht besonders angebracht, um auf die Vielfältigkeit von Frauen aufmerksam zu machen. Es zeigt Frauen fast ausschließlich in Rollenklischees. Unter dem Aspekt „Sportskanone“ zeigt das Video keine Sportlerin, sondern eine jubelnde Frau im Stadion. Und bei „Heldin“ ist eine Mutter mit ihrem Kind zu sehen. Auch „Diva“ oder „Naschkatze“ sind eher Klischee-Eigenschaften einer Frau. Hinzu kommt, dass fast alle Frauen in dem Video weiß, schlank und jung sind und in die Kamera strahlen. Nur eine ältere Frau und eine Dunkelhäutige sind in dem Video zu sehen. Vielfältigkeit sieht definitiv anders aus! Schön wäre es gewesen, wenn auch Frauen mit Körpermaßen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, gezeigt worden wären. Oder Frauen, die andere Interessen verfolgen als Süßigkeiten zu naschen und Mutter zu sein.

Um Frauen zu würdigen und sich als Unternehmen diesbezüglich fortschrittlich zu präsentieren, muss mehr getan werden. Da hilft auch keine Rossfrau. Beispielhaft wäre es, wenn alle Produkte für Männer und Frauen, die in Aufbau und Inhaltsstoffen identisch sind, dauerhaft für den gleichen Preis verkauft werden, statt den Frauen nur für einen Tag 30% Rabatt zu schenken.
Es wirkt so als hätte Rossmann den Weltfrauentag nur zu Werbezwecken und zur Steigerung des eigenen Umsatzes benutzt. Die Hintergründe des Weltfrauentags wurden hier in keiner Weise ernst genommen.

Alina Zimmermann

 

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