#schweigenbrechen – Das Hilfetelefon ruft auf

Frau zieht Kragen über das Gesicht, ängstlich, schwarz weiß Bild, #schweigenbrechen

(c) privat ; Robers

Gewalt gegen Frauen ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein allgegenwärtiges Problem. Und es kann jede treffen- unabhängig von Alter, Herkunft oder Bildung. Laut einer Studie hat jede dritte Frau in Europa als Erwachsene körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Trotzdem sprechen die wenigsten darüber. Aus Scham, aus Angst vor dem Täter oder aus Furcht vor der Reaktion von Außenstehenden. Denn häufig wird Gewalt an Frauen heruntergespielt und die Frauen selbst werden nicht ernst genommen.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2017 ruft das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ zur Mitmachaktion „Wir brechen das Schweigen“ auf. Die Teilnahme an der Aktion ist leicht: Einfach ab dem 17. November das Aktions-Motiv des Hilfetelefon auf Facebook, Twitter oder Instagram teilen und die eigenen Follower und Freunde auffordern es gleichzutun. Wer gerne kreativ werden möchte, kann auch ab dem 23. November ein Foto mit dem Aktions-Schild in der Hand unter dem Hashtag #schweigenbrechen posten oder die Aktion anders bildlich darstellen. Wichtig dabei wäre es, das Hilfetelefon im Nachrichtenfeld des Posts zu erwähnen. Frauen, die von Gewalt in jeglicher Form betroffen sind, können so auf die unterstützenden Angebote aufmerksam gemacht werden.

Logo des Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen in den Farben schwarz, grau und orange vor weißem Hintergrund

(c) Hilfetefon „Gewalt gegen Frauen“

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr kostenfrei unter der Nummer 08000 116 016 erreichbar. Frauen, die mit Gewalt konfrontiert sind, wird so Möglichkeiten geschaffen, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent, mehrsprachig, sicher und barrierefrei beraten zu lassen. Jede Form der Gewalt wird dabei ernst genommen: ob von der sexuellen Belästigung auf der Straße oder am Arbeitsplatz bis hin zur häuslichen Gewalt.

Sich nicht hinter der Mauer des Schweigens verschanzen

Erstmals mit so großer Reichweite löste in Deutschland 2013 ein Hashtag über sexualisierte Gewalt einen #Aufschrei in der Gesellschaft aus. Anne Wizorek war Mitinitiatorin der gleichnamigen Kampagne und sie weiß, dass es neben Mutigen, die das Geschehene öffentlich aussprechen auch Menschen braucht, die ihnen glauben und sie unterstützen. Als Reaktion auf die anzüglichen Bemerkungen des FDP-Politikers Rainer Brüderle gegenüber einer Journalistin, ermutigte #Aufschrei Tausende deutschsprachige Frauen, über ihre eigenen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt zu berichten.

ausgestreckte hand als Schatten, #schweigenbrechen

© privat ; Robers

Und dieses Thema könnte aktueller nicht sein: Erst Anfang Oktober wurde die Debatte um Gewalt an Frauen erneut in die Öffentlichkeit geholt, als The New Yorker und die New York Times über Dutzende Fälle von sexualisierter Gewalt berichteten – ausgehend von Filmproduzent Harvey Weinstein. Über Jahrzehnte hinweg hatte er Frauen aus dem Filmbusiness zu sexualisierten Handlungen genötigt. Und das war nur möglich, weil sich Täter wie Weinstein und andere männliche Hollywoodstars hinter einer Mauer des Schweigens verschanzten. Angeregt durch die Schauspielerin Alyssa Milano, berichten daraufhin weltweit Frauen auch abseits von Hollywood über ihre ganz persönlichen Erlebnisse mit sexualisierter Gewalt. Unter dem Hashtag #metoo erscheinen in den sozialen Medien Instagram, Facebook und Twitter im Sekundentakt neue Einträge. Diese sind nicht nur zahllos, sondern auch vielfältig: von Beleidigungen über anstößigen Berührungen bis hin zu Vergewaltigung. Und, soviel steht fest: keine von ihnen sollte tot geschwiegen werden.

Mutig sein – Hashtag machen

Die jüngste Vergangenheit zeigt also, dass es in den sozialen Medien längst nicht nur um narzisstische Selbstdarstellung geht. Stattdessen können Twitter, Facebook und Co. helfen, Betroffene untereinander zu vernetzen, ihnen die Gewissheit geben, nicht allein zu sein, und außerdem in der Öffentlichkeit ein breiteres Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen zu schaffen. Kampagnen wie #Aufschrei, #metoo und jetzt auch #schweigenbrechen können auf diese Weise zum Symbol werden für selbstbestimmte, starke Frauen, die sich nicht der Gewalt und dem Schweigen unterwerfen. Stattdessen stehen sie für eine Verbesserung der Situation aller Frauen weltweit ein. Denn je mehr Frauen unter diesen Hashtags von ihren Erlebnissen erzählen, desto mehr Menschen werden erreicht. Folglich werden sich mehr Frauen trauen, es ihnen gleichzutun und ebenso ihr Schweigen brechen. Auf diese Weise unterstützen sie wiederum viele andere Frauen. Man sieht also, wie wichtig es ist, eine klare Haltung gegen Gewalt zu beziehen.

Hände an einer Tastatur, zur Kampagne #schweigenbrechen

(c)barckhausen

Dazu bietet diesjährige Mitmachaktion des Hilfetelefons #schweigenbrechen aktuell die beste Gelegenheit. Sämtliche Aktionsmaterialen und zahlreiche weitere Ideen zur Umsetzung der Aktion findet ihr auf der Aktions-Website www.aktion.hilfetelefon.de.

Victoria Kräwinkel

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