Sexualkundeunterricht an Schulen

Storch aus Hols mit Baby im Schnabel

c/o By Eweht (Own work (Original text: eigene Arbeit)) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wer kennt sie nicht, die Märchengeschichten von Klapperstörchen, in denen der Storch mit Tuch im Schnabel das neue Baby zur Familie bringt. In Österreich beispielsweise wird noch heute kurz nach der Geburt ein Pappstorch und Kind im Schnabel vor das Haus der jungen Eltern gestellt. Auch der kleine Elefant Dumbo aus dem bekannten Disney-Film wird von einem Klapperstorch gebracht. Doch was ist dran an solchen Märchengeschichten?

Mit den Erzählungen von Störchen haben sich Eltern lange Zeit um ein aufklärendes Gespräch mit ihren Kindern herumgedrückt. Damit ist aber noch immer nicht geklärt, wo die Babies tatsächlich herkommen. Inzwischen hat sich im Bereich Aufklärung und Sex vieles getan. Kinder und Jugendliche sprechen offener darüber als früher. Auch lässt sich durch die ständige Nutzung des Internets leicht eigenständig Wissen über diese Themen ansammeln. Dort stößt man allerdings auch auf viel Halbwissen und Unklarheiten. Darum wird mittlerweile an Schulen Sexualkundeunterricht angeboten.

Wo kommen Babies her?

Nackte Unterschenkel und Füße eines Paares

(c) fotolia/ tiagozr

Da ein Gespräch über Geschlechtsverkehr, männliche und weibliche Sexualorgane sowie Themen wie die weibliche Periode oder die Erektion des Penis mit den bekannten Lehrer*innen schnell unangenehm werden kann, werden Unterrichtsstunden zu sexueller Bildung häufig von externen Pädagog*innen übernommen. Ein altersgerechtes Angebot für Grundschulkinder aber auch Jugendliche bieten beispielsweise Beratungsstellen der pro familia an:

„Wir verstehen Sexualität als eine schöpferische, positive Lebensenergie, die Menschen von Geburt an begleitet. Sie ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung und muss daher auch Teil der Erziehung und Bildung sein. Sexuelle Bildung heißt, Menschen aller Altersgruppen einfühlsam und fachkundig Informationen, Begleitung und Unterstützung in sexuellen und partnerschaftlichen Lernprozessen anzubieten.“ (pro familia)

Bevor es jedoch mit den spannend pikanten Themen losgeht, werden die Schulklassen in zwei Gruppen à la Männlein und Weiblein getrennt. Dadurch soll unangenehmen Situationen vorgebeugt werden. Zudem ermöglichen es Kleingruppen, geschlechtsspezifisch intensiver auf die jeweilige Gruppe einzugehen. Idealerweise besteht das Pädagog*innen-Team dabei aus einer Frau und einem Mann, was aber nicht immer der Fall sein muss.

In den Kleingruppen wird es dann richtig spannend – und anschaulich! Denn die Beratungsteams von ProFamilia sind gut vorbereitet. Mit Puppen, weichen Filzbüchern und vielen spielzeugartigen Einzelheiten in Gestalt von größengetreuen Spermien (männlich und weiblich!), Embryos, Eizellen und Gelbkörperhormonen – um nur einige wenige zu nennen – ausgerüstet macht das Erkunden des eigenen Körpers gleich viel mehr Spaß!

Schwangerschaft und Periode

Zeichnung: Babybauch

(c) Hannah Lena Puschnig

Mit einem großen grünen Filzbuch auf dem Schoß können die Mädchen anschaulich lernen, wo genau sich die Gebärmutter und die Eierstöcke in ihrem Körper befinden (zwischen Bauchnabel und Scheide). In etwas vergrößerter Form lässt sich dann sogar vom Eisprung bis hin zur Geburt oder aber auch der Periode – was einer ausbleibenden Befruchtung der Eizelle entspricht – alles nachspielen. So kann man nachstellen, wie die Eizelle durch die Eierstöcke Richtung Gebärmutter wandert, und wie sich die männlichen Spermien durch die Vagina kämpfen, bis eines von ihnen schließlich seinen Schwanz abwirft und die Eizelle befruchtet. Denn dann erst passiert die wirkliche Magie…

Die Gebärmutter baut eine dicke Schleimhaut auf, in die sich die befruchtete Eizelle einnisten kann. Das sogenannte Gelbkörperhormon – vielen bis dato unbekannt – sorgt dafür, dass sich die Eizelle auch sicher an der Schleimhaut anhaften kann. Ohne ein solches Hormon kann es zu einer Fehlgeburt in den ersten Wochen der Schwangerschaft kommen, da sich die Eizelle dann eventuell nicht richtig einnisten kann. Von einer kleinen runden Kugel reift die Eizelle schließlich zu einer immer größeren Zelle heran, bis nach und nach ein kleiner Embryo erkennbar wird. Dieser wird dann über die Nabelschnur von der Gebärmutter mit Nährstoffen versorgt wird.

Die Geburt – mit Fetalpuppe und Plazenta-Modell

Schwangere Frau betrachtet Ultraschallbild

© mmphoto – Fotolia.com

Auch die Geburt lässt sich mit Hilfe der Materialen von pro familia naturgetreu nachstellen. Dabei kommt das plüschig, flaumige Gebärmutterbecken zum Einsatz. Auf den ersten Anblick sieht es fast nach einem kleinen Plüschtier aus. Mit Hilfe einer sogenannten Fetalpuppe und einem aus Stoff gefertigten Plazenta-Modell mitsamt Nabelschnur, Schleimhaut und Nachgeburt, können die Kinder die einzelnen Schritte der Geburt nachvollziehen und spielerisch hautnah miterleben. Besonderheiten wie durch einen Druckknopf befestigte und abtrennbare Nabelschnur machen dabei besonders Spaß. Zur Demonstration eines Kaiserschnittes sind einige Gebärmutter-Modelle sogar mit einem Reisverschluss ausgestattet.

Das Schönste an einem solchen Unterricht ist, dass Kinder und Jugendliche auf ganz natürlichem Weg wie selbstverständlich an gesellschaftlich oft tabuisierte Themen wie Sex, Geburt und Geschlechtsorgane herangeführt werden. Besonders in der jüngeren Klassen in der Grundschule werden dabei vor allem Neugierde und Interesse geweckt. Die jüngeren Schüler*innen trauen sich meist auch viel offener, ihre Fragen auszusprechen.

In der Gruppenarbeit werden die Schüler*innen also nicht nur an spannende Themen herangeführt. Sie lernen zudem, offen und selbstbewusst mit ihren Fragen, ihrem Körper und ihrer Neugier umzugehen, ohne sich schämen oder verstecken zu müssen. Umso früher wir unsere Kinder an diese elementaren Themen heranführen und ihnen Selbstvertrauen und Mut mit auf den Weg geben, umso leichter wird es ihnen auch in Zukunft und vielleicht auch im Austausch mit dem anderen Geschlecht fallen, über weitere Themen wie Verhütung, Lust am Sex und ihre persönlichen Wünsche und Präferenzen zu sprechen.

Maren Göttke

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