Die Situation geflüchteter Frauen in Za’atari

Za’atari im Norden Jordaniens, knapp 15 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Nachdem die syrische „Regierung“ Assads im Sommer 2012 begann die eigene Bevölkerung zu bombardieren, waren Millionen von Syrer gezwungen ihr zu Hause zu verlassen. Innerhalb von nur neun Tagen wurde daher in Jordanien das Flüchtlingscamp Za’atari inmitten der Wüste errichtet. 25.000 Heimatlose sollten hier während der kriegerischen Auseinandersetzungen Schutz finden. Heute leben rund 80.000 syrische Flüchtlinge in dem Camp. Innerhalb von nur fünf Jahren ist der Fleck jordanische Wüste zu Za’atari geworden, der viert größten Stadt Jordaniens. Und dem zweitgrößten Flüchtlingscamp der Welt.

75 Prozent der syrischen Geflüchteten, die in Jordanien Schutz suchen, sind Frauen

Gerade für Frauen bietet eine Flucht nach Europa die Chance auf mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit. Doch mit wenig Geld ist die einzige Möglichkeit nach Europa der Weg zu Fuß, über die Landroute und das Meer. Ohne männliche Begleitung ist selbst das für die Frauen nicht möglich, denn Frauen, die sich alleine auf die Flucht begeben sind immer wieder sexueller Gewalt ausgesetzt. Für die meisten Frauen ist das Flüchtlingscamp in einem Nachbarland wie Jordanien die einzige Möglichkeit, die ihnen bleibt. Hier können sie auf Hilfe der internationalen Hilfsorganisationen hoffen.

‚Oasen‘ der Sicherheit

Doch auch in den Flüchtlingscamps sind Frauen immer wieder körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. Vor allem Frauen, die keinen Mann an ihrer Seite haben, sind betroffen. Daher war das Bedürfnis nach einem sicheren Bereich speziell für Frauen groß. Im Herbst 2012 wurde die erste UN Women Oasis im Za’atari Camp eröffnet. Diese ‚Oasen‘ bieten Frauen und auch Kindern einen sicheren Raum, der ihnen vor allem Schutz vor männlicher Gewalt garantiert. Hier kommen sie zusammen und reden, singen oder nähen. Oder einfach nur, um nicht alleine zu sein.

Frauen in ihren Rechten stärken

Nicht nur einen sicheren Raum vor Gewalt bieten, sondern die Frauen auch in ihren Rechten und Zukunftsperspektiven stärken. Das ist das Ziel der UN Women Oasis. Daher stehen den syrischen Frauen hier viele Möglichkeiten offen. Viele von ihnen stellen Schmuck her, der später verkauft wird, so dass sie über ein eigenes, kleines Einkommen verfügen. Andere nehmen an Kursen teil, in denen sie Englisch, Nähen oder den Umgang mit Computern lernen. In einer Kooperation mit UNICEF nähen einige von ihnen Schulkleidung für Kinder.So finden die geflüchteten Frauen nicht nur einen Schutzraum vor Gewalt, sie können sich auch noch weiterbilden und mit ihrer Arbeit einen sinnvollen Beitrag leisten.

Berufsausbildung im Flüchtlingscamp

Auf Frieden in der Heimat warten, das tun die Geflüchteten in Za’atari nun schon seit fünf Jahren. Und man mag es sich gar nicht vorstellen wie es ist, fünf Jahre lang in einem Container zu leben, nicht arbeiten zu können, kein normales Leben mehr zu haben. Viele Frauen können seit 2013 ihre Zeit des Wartens nutzen, um eine Berufsausbildung in den UN Women Oasen abzuschließen. Beispielsweise als Friseurin oder Schneiderin. Und auch wenn es sich dabei noch um die typischen Frauenberufe handelt, ist es in den arabischen Ländern immer noch als ein großer Erfolg für die Frauen zu werten, da sie so selbstständig für sich sorgen können.

Mittlerweile gibt es drei dieser Oasen im Za’atari Camp. Immer mehr Frauen suchen hier Schutz, arbeiten, lernen und genießen die Gemeinschaft. Und das ist toll. Aber irgendwie auch nicht, denn eigentlich wollen die Frauen in Za’atari ja nur eines: zurück nach Hause.

Svenja Böttjer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.