Tag der Pflege: Gedanken zu einem Beruf, der nicht sexy werden will

Der 12. Mai ist Internationaler Tag der Pflege – und am 8. Mai lud Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt 150 Gäste aus den unterschiedlichen Bereichen der Pflege im Krankenhaus – Direktorinnen und Direktoren, Pflegedienstleitungen, Pflegende, Auszubildende, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler von der Hochschule Bremen und der Universität Bremen ins Bremer Rathaus ein. Der Tag der Pflege sollte gefeiert werden, ein Zeichen gesetzt werden mit eleganter Musik in einem eleganten Raum. Senatorin Quante-Brandt möchte den Pflegenden ihre Wertschätzung für diese wichtige Arbeit zum Ausdruck zu bringen, den Festvortrag hält Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Annelie Keil. Der gute Wille ist da, doch ein Elefant steht im Raum. Der Pflegeberuf ist nicht sexy.

Miniatur-Hausfrauen vor Zahnpastatube

(c) priv ; Schütte

doch ein Elefant steht im Raum

Sowohl Senatorin Quante-Brandt wie auch Prof. Keil erwähnen kurz, dass sie nicht über den Pflegekräfte-Mangel – und die Gründe dafür – sprechen wollen. Prof. Keil geht so weit – halb im Scherz – zu sagen, dass jemand, der mit der Abi-Note Eins nach Hause kommt und behauptet Pfleger werden zu wollen, mit einer psychiatrischen Einweisung elterlicherseits zu rechnen hätte. Dies ist ein wunder Punkt. Hier gibt es nichts zu sehen.

Die Senatorin redet über den politischen Willen, diesen Beruf auf zu werten, die Professorin über das Leben zwischen „Erleiden und Entscheiden“ – dass wir ungefragt als pflegebedürftige Kinder in diesem Leben landen, uns bis zur Selbstständigkeit durch kämpfen, um dann (meist im hohen Alter) wieder zu Pflegebedürftigen zu werden. Sie erwähnt ihre eigenen Erfahrungen mit der Pflege während der vielen schweren Krankheiten, die ihr Leben geprägt haben. Der Mensch müsse immer Subjekt des eigenen Lebens bleiben: das gilt für Pflegende wie für Pflegebedürftige.

Herr und Knecht?

Wie immer bei den anschaulichen und grundsätzlichen Reden von Professorin Keil kommt man selber ins Grübeln. Denn sie liefert immer einen sehr fruchtbaren Boden, um selber weiter zu denken. Wenn wir alle Subjekte seien – wer ist in der Pflege der Herr, und wer der Knecht? Denn Pflegebedürftige und Pflegende bedingen sich ja gegenseitig. Pflegende brauchen für ihr Selbstbewusstsein die Anerkennung der Anderen, doch all zu oft bekommen sie Anerkennung weder von den Gesunden noch den Pflegebedürftigen noch ihren Chef*innen, das heißt, sie bekommen im Herr-und-Knecht-Spiel von allen Seiten die Rolle des Knechts zugewiesen. Pflegekraft wird in unserer nicht-ganz-aber-fast meritokratischen Gesellschaft als „Knecht-Beruf“ angesehen.

 

Bild, auf dem eine Frau zu sehen ist, die die Ärmel hochkrempelt und "We can do it!" sagt.

(c); Patricia Hanschke

Das Pflegeberufegesetz

Hier soll das ab 1. Januar 2020 in Kraft tretende Pflegeberufegesetz abhelfen. Die generalistische Pflegeausbildung soll den Karriereweg flexibel und durchlässig machen, um sowohl die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie auch Aufstieg und Spezialisierung oder die völlige berufliche Neuorientierung zu ermöglichen. „Die Reform ist daher auch ein wichtiger Schritt zu mehr Anerkennung und Wertschätzung der Pflegekräfte in Deutschland. Davon profitieren gerade Frauen, die die anspruchsvolle Arbeit im Pflegeberuf noch immer ganz überwiegend schultern.“ – so Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Giffey.

Ein paar Krankenhausserien mit Superheldinnen wären auch sehr von Vorteil.

Ricarda

Der Festvortrag von Professorin em. Annelie Keil soll noch veröffentlicht werden. Er wird hier angehängt.

 

 

 

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