Die Nacht ist für alle da. Aus diesem Grund veranstaltet Takte Back the Night Bremen auch dieses Jahr wieder eine Demonstration mit anschließendem Rave am 30. April. Der nächtliche öffentliche Raum ist ein gefährlicher Ort für FLINTA* Personen. Durch sexualisierte Gewalt wird das Nachtleben den meisten FLINTA* Personen als unzumutbar zugesprochen und ihnen somit verwehrt.
Was ist Take Back the Night?
Take back the Night (TBTN) ist eine Bewegung aus den 1970er Jahren. Losgetreten wurde sie von Studentinnen der Southern Florida University. 1972 gab es erstmals Proteste für mehr Sicherheit für Frauen, vor allem nachts. Seither hat Take back the Night in den USA und in vielen weiteren Ländern Fahrt aufgenommen und sorgt für mehr Beachtung für das Thema Frauen und Sicherheit im öffentlichen Raum.
1981 wurde nach andauernden Märschen und Protesten der dritte Freitag im September zum Marschtag der Take back the Night-Bewegung erklärt. Anfang der 2000er Jahre wurde offiziell die Take back the Night Foundation gegründet. Diese ermöglicht Kooperation mit Vereinen, wodurch größere Events zustande kommen konnten, darunter Sportvereine, die Personal und Athlet*innen schulten, aber auch kleinere Events, die regional angeboten werden. Der Fokus lag außerdem auf Diversität in den Stimmen, die bei TBTN zu Worte kommen sollten, und der Unterstützung von Opfern und Überlebenden von Gewalterfahrungen.
Warum ist TBTN so wichtig?
Mit Fokus auf “gendered violence” versucht TBTN, mehr Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken, aber auch FLINTA* Repräsentation im nächtlichen öffentlichen Raum zu feiern. Die gesamte Historie zu Take back the Night kann man auf der offiziellen Website nachlesen.
Das Thema lässt sich zurück ins England des 19. Jahrhunderts datieren, wo in der Waterloo Street in London die Proteste starteten gegen Gewalt gegen FLINTA* Personen und nachts vor allem sexualisierte Gewalt gegen FLINTA* Personen und Kindern. Das Advocacy Center fasst die Bewegung kompakt und detailliert zusammen. Das Advocacy Center unterstützt Opfer von häuslicher sowie sexualisierter Gewalt. Der Artikel zeichnet die historische Entwicklung von Gewalt im öffentlichen Raum als gesellschaftlich toleriertes Phänomen nach. Bereits im 19. Jahrhundert galten nächtliche Straßen als Orte legitimer Gewalt, wobei Betroffene, insbesondere Frauen, durch moralische Zuschreibungen stigmatisiert und rechtlich benachteiligt wurden. Früh formierten sich daher Proteste gegen diese Zustände, etwa 1840 in London, wo sich Frauen kollektiv gegen polizeiliche Übergriffe wehrten.
Die Historie
Wie bereits erwähnt, wurde in den 1970er Jahren Gewalt gegen Frauen zunehmend als globales politisches Problem verhandelt. Internationale und nationale Gerichte boten Raum für persönliche Zeugnisse und machten strukturelle Formen von Gewalt sichtbar, darunter sexuelle Übergriffe, ökonomische Abhängigkeit und rechtliche Diskriminierung. Aus diesem Kontext heraus entstanden ab 1972 die TBNT-Märsche in den USA. Diese Proteste verbanden öffentliche Sichtbarkeit mit konkreten Forderungen, etwa nach Schutzräumen, medizinischer Versorgung und rechtlichen Reformen.
Ende der 1970er Jahre erreichte die Bewegung größere Mobilisierung, wie in San Francisco, wo Tausende gegen sexualisierte Gewalt demonstrierten. In den folgenden Jahrzehnten wandelte sich der Charakter der Märsche: Statt primär Wut auszudrücken, rückten kollektive Erinnerung, Solidarität und Heilung in den Vordergrund.
TBTN in Deutschland
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich auch in Deutschland eine feste TBNT-Kultur entwickelt. Traditionell finden dazu am Vorabend des ersten Mai Demonstrationen und Raves statt, die gegen Sexismus und gegenderte und sexualisierte Gewalt protestieren. In Bremen, Berlin und Hamburg gibt es auch in diesem Jahr wieder Demonstrationen. Take Back the Night Bremen und das Alte Sportamt in Bremen organisieren dazu am 30. April um 20 Uhr eine Demonstration mit Startpunkt am Hauptbahnhof. Enden wird die das Ganze im Alten Sportamt, mit einer FLINTA* only Kneipe.
Daher: Lasst euch nicht unterkriegen, geht auf die Straßen und seid laut mit #takebackthenight!
Huila de Ceitas



redaktion meint
Liebe Franziska,
ich kann deinen Ärger gut verstehen. Mir (Frau Mitte 70) geht es auch oft so, dass ich mich über Demos ärgere, wenn ich dadurch später nach Hause komme oder Umwege in Kauf nehmen muss. Aber dann denke ich daran, wie oft sich wohl andere Menschen über Demos geärgert haben, an denen ich teilgenommen habe und noch teilnehme, weil mir das Anliegen wichtig ist….
Irene
Franziska meint
Ist es wirklich im Sinne dieser Aktion, dass ich (Frau Mitte 60) wegen genau dieser Demo nicht wie üblich sicher mit dem ÖPNV nach Hause fahren konnte, sondern stattdessen eine lange Strecke zu Fuß gehen musste, weil die Demo alle Busse und Bahnen behindert hat?
Für mich war das überhaupt kein „Take back the night“, sondern ein „Sieh doch selber zu, wie du sicher nach Hause kommst, ist uns doch egal“.