Theater Bremen: Amerika (Blumenbriga.de)

Durch die Timeline. Schwupps spotte ich ein paar Angeberfotos. Aus dem Urlaub. Amerika. Fernseher an: das Manhattan der 60er Jahre. Buch auf: die Kunstszene der 80er in New York. Das knarrende Zwischendeck im Auswanderhaus – die Erlebnissimulation. Besorgte Politikauskenner und Boulevardhobbyprovokateure im Partygespräch.

Titanic-Assoziationen im Hotel New York, Rotterdam. Die Idee Amerika ist umfassend, vielseitig. Kein Gut, kein Böse. Vielleicht irgendwas mit Zukunft oder Hoffnung. Das Romanfragment „Der Verschollene“ von Franz Kafka bildet die Basis zum Stück Amerika. Ein Stück, dass durch die sehr präsente Kafka-Band viel musikalischen Raum hat und durch die Klänge, die mich nicht nur aufgrund des Puppenspiels an Arcade Fire erinnert. Nick Cave Assoziationen bleiben auch nicht aus. Karl Roßmann steht im Mittelpunkt von Amerika. Seine Reise dorthin, aus Prag, der Ehre halber. Es ist keine turbulente Reise. Die Gelegenheiten sind gut. Und doch findet sich immer wieder ein unglücklicher Ausweg aus anfangs glückbringend wirkenden Situationen. Die Zukunft Amerika bleibt eine solche dank eines eisernen Optimismus. Eiserne Nicht-Melancholie und fair erscheinende Grausamkeit. Die Gesetze des Marktes treiben den unbedarften Karl von einer Situation in die nächste. Bredouille ja. Oder dieses beklemmende Gefühl des sechszehnjährigen Kindes, dass es nicht weiß, was es eigentlich schon wieder angestellt haben soll. Oder geht es um die Erziehung der Gefühle? Ist Karl ein Frédéric, der im entscheidenen Moment einen anderen Weg wählt? Nein. Karl ist Karl. Vielleicht werden seine Gefühle erzogen. Vielleicht wird er auch im Laufe stärker. Trotzdem ist er der Verschollene. Es gibt diese Freiheit, dass er nun in Amerika, da er der Familie in Prag zu „Unehre“ verholfen hat, alle Möglichkeiten hat. Aber interessiert es jemanden? Wird er die Maximen für Erfolg in Amerika verinnerlichen? So eine Maxime wie: starrendes Grübeln ist Müßiggang und Touristen vorbehalten? Karl sucht sein Schicksal. Karl wird von einer übergroßen Puppe verkörpert, die von den verschiedenen Schauspielern zum Leben erweckt wird. Die Perspektivwechsel lassen Karls Aufbruch ins Ungewisse stationenreich erscheinen. Die Bilderwechsel entstehen viel mehr in der Vorstellungswelt des/ der einzelnen Zuschauer*in.

Das Stück bezeichnet sich als musiktheatrale Reise und diese wird dank der kraftvollen Kafkaband wirklich plastisch. Mein Lieblingsmoment gehört Simon Zigah als wütend-wollüstige Domina.
Schnell mal im Kafkatext nachlesen? Im Netz möglich.

Das Ensemble

© blumenbriga.de

Besetzung

Amerika im Theater Bremen mit: Annemaaike Bakker
Lisa Guth, Susanne Schrader, JARNOTH, Alexander Swoboda, Simon Zigah
und der Kafka Band: a.m. almela, Jirí Hradil, Zdenek Jurcík, Dušan Neuwerth, Tomáš Neuwerth, Jaroslav Rudiš, Jaromir 99

Regie: Alexander Riemenschneider
Bühne: David Hohmann
Kostüme: Emir Medic
Musik: Kafka Band
Licht: Christian Kemmetmüller
Dramaturgie: Martin Mutschler

Termine Amerika

  • Sonntag, 15. Oktober 2017, 18:00 Uhr
  • Freitag, 10. November 2017, 19:30 Uhr
  • Sonntag, 19. November 2017, 18:00 Uhr
  • Mittwoch, 20. Dezember 2017, 19:30 Uhr
    Karten.

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