Unser 2019: Ein feministischer Jahresrückblick

Nun haben wir ein neues Jahr und gleichzeitig auch ein neues Jahrzehnt. Vielen wird gerade erst bewusst, dass die Jahrtausendwende schon 20 Jahre zurückliegt und nicht erst vorgestern war. Zeit, zurückzublicken und unser Jahr 2019 noch einmal Revue passieren zu lassen.

Wie war euer Jahr 2019? Worüber habt ihr euch am meisten gefreut oder geärgert? Was war euer liebster Post? Und was wünscht ihr euch von uns in 2020? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. Wir freuen uns auf eure Anregungen, Kritik, Ideen und Vorschläge.

Januar oder #Januhairy?

gezeichnete Frau mit langen Haaren und lila Achselhaar

(c) Renate Strümpel

Im Januar wurde es haarig: Einen Monat lang ließen Frauen rund um den Globus ihre Haare wachsen und dokumentierten das unter dem Hashtag #januhairy, um mehr Sichtbarkeit für Körperbehaarung im Internet zu erzeugen. Natürlich bleibt der Umgang mit Achsel-, Scharmhaar und Co. jeder Person selbst überlassen, und über das Klischee, dass gerade Feminst*innen die Haare obenrum kurz und untenrum lang zu tragen haben, sind wir doch wohl auch langsam hinweg, oder? Trotzdem ist das Thema Körperbehaarung wieder einmal ein Bereich, in dem das Persönliche politisch ist. Also danke, Januhairy, dass du uns gleich zu Beginn des Jahres auf die Diversität von Körperbildern aufmerksam gemacht hast und dass damit auch jetzt im Dezember noch keineswegs Schluss ist!

Bremen wurde im Januar wegen der frauenfeindlichen Eiswettfeier zur internationalen Lachnummer.  Vereinspräsident Dr. Patrick Wendisch rechtfertigte die Tatsache, dass Frauen – und selbst Bürgermeisterin Karoline Linnert – nicht zur Feier zugelassen sind, mit der Tradition. Er verstieg sich sogar zu der Aussage, es sei ein Herrenclub, der diesen Gendergaga nicht mitmache, und dass selbst der Papst nicht eingeladen würde, wenn er eine Frau wäre. Wir schrieben am 22.1.2019 : „Möge der 19. Januar 2019 und die Reaktionen auf das Eiswettfest alle Beteiligten wachrütteln.“ Unser Wunsch ging inzwischen in Erfüllung: nach diversen Protestaktionen bis hin zu Boykott-Aufrufen befand Patrick Wendisch im Oktober nun plötzlich: „Ich bin davon überzeugt, dass es eine gute Entscheidung ist, die Eiswette für Frauen zu öffnen“. Aber das Theater geht auch in 2020 weiter…

Februar aka Black History Month und §219a

Neun Frauen haben den Mund zugeklebt mit Krepband, auf dem Band steht 219a

© Nesrin Kaya
© Svenja Steenken

Im November 2017 wurde die Ärztin Kristina Hänel verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage darüber informiert hatte, dass sie Schwangerschaftsabbrüche anbietet. Dies wurde juristisch als Werbung für Schwangerschaftsabbrüche gewertet. Spätestens im Februar diesen Jahres wurde dieser Vorfall Thema des öffentlichen Diskurses und Grund für die immer lauter werdende Forderung: Weg mit §219a! Auch wir haben Gesicht gezeigt, denn öffentliche Aufklärung muss erlaubt sein. Inzwischen hat man einen „Kompromiss“ gefunden, der Abtreibungsgegner*innen weiterhin das Recht gibt, Ärzt*innen wie Kristina Hänel zu kriminalisieren. Der Kampf um reproduktive Selbstbestimmung geht also auch in 2020 weiter.

 

Rosa Parks, Angela Davis, Michelle Obama und Marsha P. Johnson sind als Illustration porträtiert. Vor ihnen ist ein Banner auf dem Black History Month steht.

(c) Jennifer Höltken

Representation matters – darum ist der Black History Month so wichtig! Denn er feiert traditionell im Februar afroamerikanische Geschichte und ihre Akteur*innen und macht sie sichtbar. Doch auch in allen anderen Monaten des Jahres gilt: Bildet euch weiter, hört zu und setzt euch mit Rassismus und mit Schwarzer Geschichte auseinander. Insgesamt sollten wir uns mit dem Ally-Sein beschäftigen. Schaut mal auf unseren passenden Artikel. Unsere besonderen Empfehlungen für gemütliche Filmabende sind Hidden Figures und Black Panther.

Frauenmonat März

Das Bild zeigt zwei Frauen, die einen Zettel vor sich halten. Auf dem Zettel seht "Solidarität bedeutet... gemeinsam gegen ungerechtigkeit zu kämpfen & niemanden zurück zu lassen"

(c) Marlies Brade

Der Frauenkampftag zeigte sich in diesem Jahr besonders bunt, vielfältig und solidarisch: Unter dem Motto #Solidaritätleben luden Fraueneinrichtungen und Organisationen der Stadt am 8. März ins Bremer Rathaus ein, um über Angebote für Frauen zu informieren und über Frauen- und Gleichstellungspolitik ins Gespräch zu kommen. Natürlich waren auch wir dabei! Mit einer Fotoaktion haben wir das Thema Solidarität aufgegriffen und Besucher*innen gefragt, was der Begriff für sie bedeutet. Auch die Vorbereitungen für den Weltfrauentag 2020 laufen bereits auf Hochtouren! Ab Anfang des Jahres könnt ihr hier wieder die Veranstaltungen einsehen.

Praxisbörse im April

Im April gab es Süßigkeiten, Flyer und tolle Gespräche, denn wir waren auf der Praxisbörse der Uni Bremen. Auch in 2020 hoffen wir auf tatkräftige Unterstützung, frische Impulse und neue Blickwinkel – wenn du also Interesse hast an einem Praktikumsplatz oder regelmäßigem Engagement, dann schreib uns! Wir freuen uns auf dich.

frauenseiten.bremen meets Bremen 4 im Mai

Renate und Victoria bei Vorsicht Völz im Studio von Bremen4

Renate und Victoria bei Vorsicht Völz im Studio von Bremen4

Im Mai haben wir unseren Verein Frauen lernen gemeinsam e.V., der hinter unserer Redaktion steckt, im Radio bei Bremen 4 vorgestellt. Zusammen mit anderen Vereinen waren wir im Studio und haben über unser Projekt gesprochen. Eine tolle Erfahrung.

 

Juni

Wir sind im Fußball-Fieber, denn die Fußball WM der Frauen steht in diesem Monat auf dem Plan. Das Buch „Sexuell verfügbar“ von Caroline Rosales hat uns sehr beeindruckt. Wir haben es auf dem Blog besprochen und später auch in anderen Zusammenhängen zitiert.

Juli

Das Spiel ist immer gleich. Im Sommer erinnern wir uns gern an die #beachbody-Formel. Wie hat frau einen Strandkörper? Sie bewegt einfach ihren Körper zum Strand. Keine Regeln oder vermeintliche Normvorstellungen sollten uns hindern.

August

Wir haben uns dann von Mitte Juli bis Anfang August ausgeruht. Am Strand, in den Bergen oder an unseren Lieblingsorten. Frisch ging es nach der Sommerpause weiter mit neuen Ideen und tatkräftiger Unterstützung zweier Praktikantinnen. Wir sind stolz auf eine ganz besondere Text-Serie: Lea berichtet in regelmäßigen Abständen über ihre Ausbildung zur Hebamme. Die Texte geben ganz vielfältige Einblicke in die Ausbildung.

September

Vor lauter Sommer haben wir das Feiern auf den September geschoben. Unser Spätsommerfest hat viel Spaß gemacht. Außerdem haben wir erstmalig das Programm des Reeperbahn Festivals im Blog besprochen. Dieses Festival hat die Keychange-Vereinbarung unterschrieben, um mehr Künstlerinnen auf den Bühnen sichtbar zu machen.

 

Zeichnung mit zwei Personen und zugeklebten Mündern zum Safe Abortion Day 28. September

Safe Abortion Day (c) Renate Strümpel

Am 28. September erinnerten wir an den Safe Abortion Day mit diesem Bild.

Oktober

Unser Blog lebt von den Impulsen der Mitstreiter*innen. Und so kam es, dass wir Dank einer Autorin über den #NoBraDay und die Hintergründe berichtet haben. Im Oktober feierte auch proFamilia sein 50jähriges Jubiläum. Um Neue Musik und das Female Lineup ging es in unserem Beitrag zum Bremer REM Festival. 

 

November

Ein Rabe füttert Rabenbabys in einem Nest auf einem Baum mit Würmern, ein anderer Rabe stolziert auf einem Ast davon. Im Hintergrund sind blauer Himmel und Wolken zu sehen. In einer Wolke steht der Schriftzug "Rabenväter & Familienmütter".

(c) Jennifer Höltken

Der November stand bei uns im Zeichen der Familie, denn endlich ging unser neues Special Rabenväter und Familienmütter online. Eine ganze Woche lang haben wir uns mit den unterschiedlichsten Texten diesem Thema gewidmet, an das wohl so viele Erwartungen, Rollenbilder und Idealvorstellungen geknüpft sind wie an kaum ein anderes. Alle Texte des Specials findet ihr hier.

Erinnert ihr euch auch noch an unser Special Marias Himmelfahrt aus dem Jahr 2016? Und was das nun mit 2019 zu tun hat? Zum ersten Mal in der Geschichte der ISS waren in diesem Jahr mit Christina Koch und Jessica Meir zwei Frauen zum Außeneinsatz im All, wie die tagesschau berichtet. Besser spät als nie, oder? Trotzdem sind Frauen in der Raumfahrt weiterhin stark unterrepräsentiert. Weitere Meilensteine in der Geschichte der weiblichen Raumfahrt könnt ihr hier nachlesen.

Außerdem hat unsere neue Praktikantin Vanessa ganz viel Kunst und Italien in unseren Redaktionsalltag gebracht. So haben wir zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen an einer italienischen Aktion teilgenommen: #unrossoallaviolenza und damit Gewalt die rote Karte gegeben.

Last but not least: Unser Dezember und wie es weitergeht

Der Dezember ist der Weihnachtsfeiern-Monat – logisch! Auch wir haben gefeiert. Wir freuen uns schon auf 2020 mit neuer Energie, spannenden feministischen Inhalten und frauenpolitischen Themen aus Bremen der Welt! Auf ein tolles neues Jahr. Es lohnt sich übrigens immer, uns bei Facebook, Twitter und Instagram zu folgen. Besucht auch gern unseren sorgfältig kuratierten Veranstaltungskalender .

Herzliche Grüße vom Team der Frauenseiten.bremen

 

  2 comments for “Unser 2019: Ein feministischer Jahresrückblick

  1. Maren Bock
    6. Januar 2020 at 19:27

    Liebe Redaktion,
    zunächst wünsche ich Euch ein schönes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2020!!
    Eine tolle Idee, einen solchen Rückblick zu schreiben, konnte mich an Vieles erinnern…wunderbar, dass es EUCH gibt, sagen die belladonnas…
    Ein Wunsch noch: gerne mehr Fotos von euren Aktionen und anderen Aktivitäten..und nicht nur auf Instagram;-)
    Liebe Grüße Maren Bock

    • renate
      7. Januar 2020 at 9:35

      Liebe Maren,
      danke für die lieben Worte. Auf ein tolles 2020! Wir sehen uns, auf Instagram, hier und im echten Leben.
      Herzliche Grüße aus der Redaktion!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.