Am Samstag, den 1. November ist National Author’s Day. Dieser US-amerikanische Feiertag geht auf Nellie Verne Burt McPherson zurück. Nellie Verne Burt McPherson suchte 1928 nach einer Möglichkeit, einen ihrer Lieblingsautoren, Irving Bacheller, zu ehren. Um ihre Dankbarkeit auszudrücken, schlug Nellie Verne Burt McPherson 1928 der General Federation of Women’s Clubs vor, einen nationalen Tag der Autor*innen einzuführen. Fast genau 20 Jahre später, im Jahr 1949, wurde der Tag der Autor*innen vom US-Handelsministerium zu einem national anerkannten Feiertag erklärt.
Buchzensur in den USA
Heutzutage könnte man dem Feiertag eine besondere Wichtigkeit beimessen, da unter Präsident Trump so viele Bücher wie nie zuvor in der Geschichte der USA systematisch aus den Schulbibliotheken des Landes entfernt werden. Der US-amerikanische Autor*innenverband PEN America führt eine Liste der betroffenen Bücher und verzeichnete im Schuljahr 2024/2025 6.870 Fälle von Bücherverboten in 23 Bundesstaaten und 87 öffentlichen Schulbezirken. Zwischen 2021 bis 2025 wurden insgesamt über 22.000 Bücher aus öffentlichen Schulen verbannt. DeinSpiegel zufolge wurde eine Vielzahl der verbotenen Werke entweder von Autor*innen geschrieben, die Minderheiten angehören oder sie handeln von Personen, die in den USA nicht Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft sind – darunter Eingewanderte, die LGBTQIA+-Community und queere Familien. Häufig gehen die Verbote von Elterninitiativen aus, die zur konservativen Bewegung zählen und ihre Kinder vor „schädlichen“ Inhalten schützen wollen. Unter „schädlich“ verstehen sie Themen wie sexuelle Aufklärung, das Anprangern von Ungleichheiten, Rassismus und Queerfeindlichkeit.
Doch darf man Bücher einfach so verbannen? Eigentlich nicht, denn die US-Verfassung schützt die Meinungsfreiheit in ihrem ersten Zusatzartikel, der dem Staat verbietet, Meinungen zu unterdrücken. Da Bücher Träger von Ideen und Gedanken sind, stehen auch sie unter diesem Schutz. Trotzdem wird zensiert, da es Schlupflöcher gibt: Nicht jede Äußerung ist geschützt, sogenannte „anstößige Inhalte“ (obscenities) sind ausgeschlossen. Was genau als anstößig gilt, ist unklar. So kann es passieren, dass Bücher wie „The Hate U Give“ von Angie Thomas, „1984“ von George Orwell, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green oder die „Throne of Glass“- Reihe von Sarah J. Maas im Schulunterricht oder teils auch in öffentlichen Bibliotheken verboten sind.
Unsere Buchempfehlungen
Herbstzeit ist Lesezeit, weswegen wir den National Author’s Day als Anlass nehmen, euch ein paar unserer Lieblingsbücher zu empfehlen. Wir haben in der Redaktion herumgefragt, welches Buch einer FLINTA*-Autor*in uns dieses Jahr besonders beschäftigt oder beeindruckt hat:
Irene: „Girl, Woman, Other“

Es gibt ein Buch, das mich so sehr gefangen nahm und beeindruckt hat, dass ich es sofort noch einmal gelesen habe. Das war während der Pandemie Bernadine Evaristos „Girl, Woman, Other“. Der Originaltitel ist so viel aussagekräftiger als der deutsche („Mädchen, Frau etc.“). Das „other“ beschreibt viel besser, um was es geht: die Geschichten von zwölf sehr unterschiedlichen Schwarzen Frauen, deren Lebenswege miteinander verwoben und in der britischen Gesellschaft eben genau das sind: anders.
Glenys: „Eve“
Cat Bohannons „Eve“ ist das absolut spannendste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe – ich habe es mir zum Geburtstag von den frauenseiten schenken lassen. Auf Deutsch heißt es „Eva – Das Wunder des weiblichen Körpers – und wie er seit 200 Millionen Jahren die Entwicklung des Lebens auf der Erde vorantreibt“ und es ist sowohl ein Krimi als auch ein Sachbuch. Du kannst überall einfach eine Seite aufschlagen und einsteigen – so viele Geschichten und so viel fundiertes neues Wissen. Unsere Evolution ist einfach weiblich – warum würden wir sonst „Säugetiere“ heißen?
Anne: „Die Verwandelten“

Das Buch hat mich lange beschäftigt, es ist sehr umfangreich und vielschichtig. Es ist die Geschichte einer (deutschen) Familie in Breslau/Wrowlac während des Faschismus, des Krieges und der Zeit nach 1945 in Polen und Deutschland, in denen die Frauen die Hauptrolle spielen. Vertreibung, verborgene Gewalterfahrungen, Trauma und Flucht haben sie erlebt, sie sind familiär weit verflochten und lernen sich erst heute kennen. Ulrike Draesner lässt die Erfahrungen dieser Frauen durch Rückblicke, ihre Fragen und ihr Suchen sowie verbleibende Geheimnisse lebendig werden. Sie zeigen Mut, Kraft und Humor. Auch über das Verstummen schreibt die Autorin mit Worten, die unter die Haut gehen und uns nicht mehr „loslassen“.
Lisann: „The Starless Sea“

„The Starless Sea“ von Erin Morgenstern ist ein wirrer, magischer Traum, aus dem man nicht aufwachen möchte. Alles beginnt, als der Protagonist ein mysteriöses Buch findet, das Szenen aus seinem eigenen Leben beschreibt. Seine Suche nach Antworten führt ihn auf Maskenbälle, in eine unterirdische Bibliothek und kopfüber hinein in Geschichten über den Mond, über Zeit und Schicksal, Piraten und Bienen. „The Starless Sea“ ist mit seiner geheimnisvollen und märchenhaften Atmosphäre das perfekte Buch, um es sich mit einer Tasse Tee an kalten Herbsttagen gemütlich zu machen.
Renate: „ISSA“

Die Protagonistin Issa des gleichnamigen Romans von Mirrianne Mahn macht sich schwanger auf die Reise von Frankfurt am Main nach Douala. Eigentlich hat ihre Mutter sie sehr dringlich zu dieser Reise gebracht, um im Land ihrer Kindheit einige heilsame Rituale, die dem ungeborenen Kind Gutes tun sollen, durchzuführen. Die inhaltliche Klammer ist ebendiese Reise. Gleichzeitig verfolgt die Leserin vier andere Frauen, die in verschiedenen Zeiten ihr Leben in Kamerun und Deutschland fortführen. Enanga, Marijoh, Namendo und Ayudele sind miteinander verbunden und Teil einer Familie. Mirianne Mahn gelingt durch die Erzählung der Lebenswege gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte zwischen Deutschland und Kamerun. Für alle, die gern über den fiktionalen Weg mehr zur deutschen Kolonialgeschichte erfahren wollen und ebenso für alle die Generationenromane mögen. Der Roman ISSA ist tiefgründig und humorvoll, manchmal tieftraurig und liest sich unglaublich schnell.
Jana: „Bright Young Women“

Samstagnacht, Januar 1978, Florida: Ein Mann dringt in das Haus einer Studentinnenverbindung ein, geht von Zimmer zu Zimmer und tötet mehrere Bewohnerinnen. Es ist nicht seine erste Tat und es wird nicht seine letzte bleiben: Täter ist Serienmörder Ted Bundy. Auf seiner Flucht wird er von Pamela Schumacher beobachtet, die von da an als Hauptzeugin im Mittelpunkt der Ermittler*innen und Gerichtsprozesse steht.
Anstatt, wie in vielen anderen Erzählungen und Idolisierungen über die Person Ted Bundy, legt Jessica Knoll in „Bright Young Women“ den Fokus nicht auf den Täter, sondern rückt die Betroffenen in den Vordergrund und macht sie zu selbstbestimmten Herrinnen ihrer eigenen Geschichten. Aus der Sicht verschiedener Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten verflechtet sich eine intensive Erzählung, die mich nicht so schnell wieder losgelassen hat.
Lana: „Just Kids“

Die Memoiren “Just Kids” von Patti Smith haben mich lange begleitet. Nicht nur hat sie mich in ein völlig neues Literaturgenre eingeführt, sondern auch in die Welt von Patti Smith und Robert Mapplethorpe. Denn Patti Smith ist den meisten vermutlich als Sängerin der 70er Jahre bekannt und nicht als Autorin Patti Smith. In “Just Kids” schreibt sie über ihr eigenes Leben, bevor sie berühmt wurde, und ihre vergangene Liebesbeziehung sowie Freundschaft mit dem späteren Künstler Robert Mapplethorpe. Dabei fängt sie die Atmosphäre von New York in 70er Jahren auf eine bildhafte Weise ein und erzählt von ihren Bekanntschaften mit Personen wie Andy Warhol, Joan Didion, Janis Joplin und Allen Ginsberg.
Isabella: „Erdbeeren und Zigarettenqualm“

Grenzen und Bedeutung von Freund*innenschaft, Queerness und Endometriose. Dieser Coming of Age Roman von Madeline Docherty hat mich dieses Jahr besonders berührt. Über eine Zeitspanne von mehreren Jahren sehen wir, ob Freund*innenschaft Veränderung, Krisen und Schmerz überstehen kann. Frau-Sein wird hier über diverse Kontexte erfahrbar gemacht und bietet viel Raum für eigene Reflexion. Wenn man sich einmal an die Du-Perspektive gewöhnt, eine klare Empfehlung!
Nataliia: „Creative Living Beyond Fear“
Ich würde dieses Buch als eine Mischung aus Motivation, Inspiration und einer guten Portion Frechheit bezeichnen – perfekt für alle, die schon mal versucht haben, etwas Eigenes zu erschaffen. Mit viel Humor und Ehrlichkeit erzählt Elizabeth Gilbert davon, wie man lernt, kreativ zu leben und Freude daran zu haben.
Die Autorin ist überzeugt, dass jede und jeder von uns kreativ ist – und genau deshalb sucht sie nach Antworten auf Fragen, die uns alle betreffen. Was ist eigentlich eine Berufung? Muss ein echter Künstler wirklich leiden? Warum sollte man Kreativität nicht zum Beruf machen? Wie geht man mit Misserfolgen um? Woher kommen und wohin verschwinden Ideen manchmal? Warum ist Neugier wichtiger als Leidenschaft?
Was mich am meisten begeistert hat: Elizabeth Gilberts Liebe zum Kreativen ist nicht nur inspirierend, sie ist einfach ansteckend! Beim Lesen spürt man wirklich, dass die „große Magie“ in uns selbst steckt – und dass man selbst das Alltägliche in etwas Wundervolles verwandeln kann. Das Buch liest sich total leicht, fast in einem Rutsch, und ist für mich ein absolutes Must-Read für alle, die mit Kunst oder Kreativität leben (oder das gerne würden).
Welches Buch hat euch in diesem Jahr besonders beeindruckt? Schreibt es gern in die Kommentare.
Redaktion frauenseiten, Introtext Jana K.



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