Unsere Frau der Woche: Donna Strickland

Eine lächelnde Frau mit braunen mittellangen Haaren, die eine Brille trägt. Donna Strickland

(c) By Laurence L. Levin, work-for-hire for The Optical Society – https://www.osa.org/en-us/history/biographies/donna-t-strickland/, CC BY-SA 4.0, Link

Am 3. Oktober 2018 erhielt die Kanadierin Donna Strickland als dritte Frau in der Geschichte den Nobelpreis für Physik. Vorher ging diese Auszeichnung nur an Marie Curie (1903) und Maria Goeppert-Mayer (1963).

Bahnbrechende Forschung

Strickland teilt sich den Preis mit ihren Kollegen Gérard Mourou und Arthur Ashkin. Alle drei arbeiten in der Laserforschung und Mourou war Stricklands Doktorvater, als sie 1989 promovierte. Die Auszeichnung erhielten sie für „herausragende Erfindungen im Bereich der Laser-Physik“. Schon 1985 veröffentlichten Strickland und Mourou einen Artikel, in dem sie sich mit ultrakurzen Laserpulsen befassten. Sie entwickelten eine Methode, mit der man die Intensität und damit die Möglichkeiten von kurzen Laserpulsen enorm steigern konnte. Der Gesamtpuls wird dabei erst verlängert und dann wieder komprimiert, was das Forschungsteam als „Chirped Pulse Ampflication“, kurz CPA bezeichnete. Ashkin gelang es etwa zur gleichen Zeit, winzige Objekte mit Hilfe von Laserstrahlen zu bewegen. Als 1987 das erste Mal Bakterien mit Laserstrahlen bewegt werden konnten, ohne dass ihnen etwas passierte, war das ein enormer Durchbruch und die Erfindung der „optischen Pinzette“.

Licht als präzises Werkzeug

Heute nutzt man diese Technologie in vielen Feldern. Denn sie ist mittlerweile so ausgereift, dass man beispielsweise bei einer Laser-Operation kaum umliegendes Gewebe beschädigt. Dies ermöglicht sehr präzise Eingriffe auch bei empfindlichem Gewebe, wie an den Augen. Aber auch in der Fertigungstechnik setzt man Laser häufig ein, wenn es auf sehr genaues Arbeiten ankommt. Auch die optische Pinzette wird häufig eingesetzt, vor allem in der medizinischen und biologischen Forschung im Nanobereich. Die zugrunde liegende Technik ist immer noch die von Mourou und Strickland entwickelte CPA.

Donna Strickland lehrt und forscht heute an der University of Waterloo in Kanada. Bei einer Pressekonferenz äußerte Feridun Hamdullahpur, der Präsident ihrer Universität die Hoffnung, dass durch die Verleihung mehr junge Frauen ermutigt werden, Naturwissenschaften zu studieren. Derzeit liegt der Prozentsatz der Frauen in den Naturwissenschaften bei 30% und nur 3% der Nobelpreisträger*innen sind weiblich. Strickland selbst sagt, dass sie ihren Weg immer unbeirrt gegangen sei und sich in ihrer Forschung nicht von kritischen Stimmen habe abbringen lassen, die ihre Arbeit auf dem Holzweg sahen. So lange sie an ihre Forschung und deren Richtigkeit glaubte, habe sie weitergemacht. Das gleiche rät sie allen jungen Frauen, die heute versuchen, sich in der Wissenschaft durchzusetzen.

Marion Rave

  1 comment for “Unsere Frau der Woche: Donna Strickland

  1. Irene
    18. Oktober 2018 at 10:43

    Wie desolat die Lage für Naturwissenschaftlerinnen in punkto Anerkennung immer noch ist zeigt folgender taz-Artikel von Leonie Gubela:

    „Ein Eintrag über Strickland in der englischsprachigen Wikipedia entstand (…) erst ein paar Stunden nach der Verleihung. Bemerkenswert ist, dass ihr Forschungspartner Mourou schon seit über zehn Jahren auf Wikipedia zu finden ist. Noch im März hatte ein Autor versucht, einen Eintrag zu Strickland anzulegen – doch die AdministratorInnen der Website lehnten diesen ab. Die Begründung des ehrenamtlich organisierten Administratorenteams: die vom Autor des Artikels eingereichten Referenzen zu Strickland würden nicht ausreichen, um sie für einen Wikipedia-Eintrag zu „qualifizieren“.

    Dass die 59-jährige Kanadierin unter „Besondere Leistungen“ jetzt den Nobelpreis hinzufügen kann, findet Wikipedia nun doch ausreichend. Wie großzügig! (…)Wikipedia hin oder her – als Fortschritt ist es wahrscheinlich schon zu werten, dass Strickland bei der Verleihung des Preises nicht einfach übergangen wurde: In der Vergangenheit wurden mehrfach Naturwissenschaftlerinnen, deren Beitrag zu bahnbrechender Forschung heute unstrittig ist, vom Nobelpreiskomitee nicht berücksichtigt, während ihre männlichen Konkurrenten oder Forschungspartner ausgezeichnet wurden.

    Bekanntestes Beispiel ist Lise Meitner, die Otto Hahn beim Nachweis der Kernspaltung half, bei der Verleihung des Chemienobelpreises 1944 aber leer ausging.“

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