Unsere Frau der Woche: Empress Dowager Cixi

Diese Woche möchten wir euch eine ganz besondere Frau aus vergangener Zeit vorstellen: Empress Dowager Cixi. Auch bekannt als „Orchid“ kam die junge Manchu ursprünglich als Geliebte des damaligen Chinesischen Kaisers Xianfeng in die verbotene Stadt Pekings.

Geboren 1835 als Tochter eines Manchu Beamten des Yehenara Klans hatte die junge Orchid mit sechzehn Jahren die Möglichkeit, sich als Konkubine (Geliebte) des Chinesischen Kaisers zu bewerben.

Eine Revolution des Frauenbildes in ganz China

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts hatte in China die Qing-Dynastie (auch Manchu-Dynastie genannt) begonnen. Sie war nach der mongolischen die zweite Dynastie, die über das gesamte China herrschte. Durch den Aufstieg der Manchu wurde schließlich die Hauptstadt Peking zweigeteilt: ein Stadtteil für die Manchu im Norden und einen für die Chinesen im Süden.

Chinesischer Garten voller Kinder und Angehöriger der Qing Dynastie in traditionellem Gewandt

c/o Giuseppe Castiglione via Wikimedia Commons

Als wohl noch ahnungsloses und etwas naives Mädchen schaffte es die junge Orchid, als eine der sieben Geliebten des Chinesischen Kaisers Xianfeng erwählt zu werden. Überlieferungen zufolge konnte Orchid zwar nicht aufgrund ihrer Schönheit überzeugen. Doch ihr ehrgeiziges und lebensfreudiges Wesen gewährleisteten ihr schließlich Zugang zur verbotenen Stadt.

Auch für ihren Ehemann sollte sich Orchids Durchsetzungsvermögen auf lange Zeit auszahlen. So war es die junge Geliebte des siebten Ranges, die es durch List und Willensstärke schaffte, ins Bett des jungen Kaisers zu gelangen, wodurch sie der Qing-Dynastie einen Sohn gebären und somit die Zukunft der Regierung sichern konnte.

China im Umbruch

ausländische Führungspersonen England, Frankreich, Russland streiten sich um Chinas Landkarte

c/o Henri Meyer via Wikimedia Commons

Entgegen aller anderen Manchu Frauen war Orchid die einzige, die sich aktiv am politischen Geschehen beteiligte. Und das zu einer Zeit in der die kaiserliche Ordnung Chinas kontinuierlich ins Schwanken geriet. Der Opiumkrieg war da nur der Anfang, der schließlich Orchids Ehemann und Kaiser Xianfeng das Leben kostete.

An der Seite ihres Sohnes und neuen Kaisers Tongzhi musste die vielbelesene Orchid schließlich die unersättlichen Machtansprüche und Kolonialisierungskämpfe der westlichen Großmächte England und Frankreich, aber auch Russlands  erleiden. Ähnlich wie schon sein Vater zuvor konnte auch Tongzhi den Ansprüchen des kaiserlichen Throns nicht lange standhalten. Schon zu Beginn seiner Regierung war es Orchid, die die Fäden in der Hand hatte, und sämtliche männliche Angehörige und Familienmitglieder überstehen sollte.

Harsche Kritik und Verleumdung

Besonders von ausländischen Medien aber auch von vielen Chinesen, insbesondere des Han-Clans, schlugen Empress Dowager viel Kritik und Hass entgegen. Oft wurde sie gebrandmarkt als eigennützige, selbstsüchtige und machtbesessene Geliebte, die die Qing-Dynastie schließlich zu Fall brachte. Dabei hatte – glaubt man Anchee Mins Ausführungen – Orchid stets das beste für ihre Familie und ihr Land im Sinn.

Kaiserin Cixi mit weiteren Frauen vor ihrem Palast

c/o By Yu Xunling, Court Photographer (Two Years with the Empress Dowager by Derling) via Wikimedia Commons

Insbesondere nach dem Tod ihres Mannes hatte es die junge Witwe nicht leicht. Während der Trauerphase musste sich Empress Dowager gegen den kaiserlichen Hof und dessen machtbesessene Berater wehren, die keine Gelegenheit ausließen, um die junge Kaiserin vom Thron zu stoßen. Für sie war es vollkommen inakzeptabel, dass eine Frau so großen Einfluss auf die Regierungsarbeiten ihres Landes ausübte.

Dabei war das Leben als Konkubine am kaiserlichen Hof Chinas selbst von unzähligen Qualen und Durststrecken gepflastert. Die vielen jungen Frauen mussten bereits von Beginn an einen unerbittlichen Konkurrenzdruck aushalten. Sollte eine von ihnen schließlich tatsächlich die so sehnlichst gewünschte Zuneigung des Kaisers erlangen, musste sie hart kämpfen, um diese nicht sogleich wieder an eine andere zu verlieren. Die meiste Zeit mussten die Frauen alleine in ihren Palästen verbringen, stets unter der Beobachtung ihrer Bediensteten. Viele Geliebte flüchteten sich in Religionen oder suchten ein Hobby in der Kunst, um die Einsamkeit und Abschottung zu überstehen.

Auch wenn China während der Zeit von Empress Dowager Cixi ihren Machteinfluss an westliche Großmächte und Japan hatte abgeben müssen, ist und bleibt Empress Cixi eine ganz besondere Frau aus vergangener Zeit. Eine Frau, die aller Hürden und Schwierigkeiten zum Trotz stets das Wohl ihres Landes vor ihr eigenes gestellt hat. Und das in einer Domäne, die für Frauen bis dahin unzugänglich schien.

Maren Göttke

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