Unsere Frau der Woche: Jacqueline Straub

Jacqueline Straub

(c) Meli Wetzel

Denke ich an die Katholische Kirche, tauchen sofort Bilder alter, weißer Männer in meinem Kopf auf. Priester, Kardinäle, Bischöfe, Vikare, Diakone, Domherren, Chorherren, Mönche, am Ende der Papst – nur Männer, soweit das Auge reicht. Die einzigen Frauen dort findet man auf der Zuschauer*innen- und Laienbank. Weiter nach vorne schaffen sie es nicht, Männer versperren den Weg. Nur Männer. Zu viele Männer. Warum sind weiterhin im 21. Jahrhundert in den offiziellen und höheren Ämtern der Katholischen Kirche keine Frauen erlaubt? Caroline Kebekus hat es neulich einmal ganz gut auf der Bühne ausgedrückt: „Dazu braucht man natürlich einen Penis! … auch, wenn man ihn dann nicht benutzen darf.“

Eine Frau boxt sich durch (die katholische Kirche)

Jacqueline Straub kämpfend im Ring mit Boxhandschuhen

(c) Luisa Vonarburg

Aber Jacqueline Straub ist keine von denen, die sich den Weg versperren lassen. Sie trägt gepolsterte Boxhandschuhe und mit denen boxt sie sich durch. Wortwörtlich. Denn der jungen Frau lag eine Boxkarriere vor den Füßen, doch sie entschied sich für das Theologiestudium – in der Hoffnung, eines Tages Priesterin in einer so männerdominierten Amtskirche sein zu können. Seit Jahren boxt sie nun schon – vergeblich.

Ein aussichtsloser Kampf?

Die 27-jährige ist katholische Theologin, Buchautorin und Journalistin. Seit sie 15 ist, bekennt sie sich als Katholikin und möchte Priesterin werden. Eine Berufung, die nur dem männlichen Geschlecht in der katholischen Kirche möglich ist. Um gehört zu werden, schrieb sie die Bücher: Jung, katholisch, weiblich – Weshalb ich Priesterin werden will, Kickt die Kirche aus dem Koma – Eine junge Frau fordert Reformen jetzt und Endlich Priesterin sein. Zudem hostet sie das Box-Talk-Format Schlag und Fragt und ist in zahlreichen Talkshows zu sehen und zu hören. BBC zeichnete sie 2018 als eine der 100 einflussreichsten und inspirierendsten Frauen aus!

„Die Basis ist bereit, aber die Herren oben, also vor allem jene im Vatikan, sind noch nicht bereit. Gerade vor wenigen Tagen kam eine Antwort aus dem Vatikan, dass es bei einem Nein für das Frauenpriestertum bleiben wird.“ – Jacqueline Straub im Interview 

 

(c) Meli Wetzel

Warum auch sein unerkämpftes, in die Wiege gelegtes Machtprivileg einfach aufgeben? Das wäre ja schön blöd. Dabei wird auch geflissentlich ignoriert, dass seit Jahren ein Priestermangel vorherrscht – im Jahr 2015 wurde der Tiefpunkt erreicht: Nur 58 Männer ließen sich als Priester ausbilden. (1962 waren es noch 557 Neupriester.) So wenige gab es noch nie.

Dass Jacquelines Aussichten trotz des mutigen Kampfes schlecht stehen, weiß sie – trotzdem kämpft sie weiter für die Gleichberechtigung von Männer und Frauen in der Kirche. Sie sagt: „Für mich ist es auch ein Erfolg, wenn ich mit 90 auf dem Sterbebett erfahre, dass nun die erste Frau zur Priesterin geweiht wird.“

Ich drücke ihr natürlich die Daumen und ziehe gleichzeitig den Hut für ihren langen Atem und das Kämpfen für einen scheinbar aussichtslosen Kampf, um wenigstens erhört zu werden und auf enorme Ungleichheiten in einer so uralten, starren und verfestigten Männerdomäne aufmerksam zu machen. Eine starke, ungemein sympathische Frau!

Chiara Garbers

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