Unsere Frau der Woche: Kim Possible

Wer in den 2000er-Jahren aufgewachsen ist, erinnert sich mit Sicherheit an die Serienheldin Kim Possible. Als taffe junge Frau im Kampf gegen das Böse war sie für viele ihrer weiblichen Fans ein Vorbild. Im Jahr 2019 wurde die gleichnamige Disneyserie verfilmt.

Das gibt einen aktuellen Anlass, die Figur Kim Possible einmal näher aus feministischer Sicht zu betrachten.

Vorgeschichte

Die Hauptfigur der amerikanischen Zeichentrickserie ist die Teenagerin Kim Possible. In ihrem Heimatort Tri-City besucht sie zusammen mit ihrem besten Freund, Ron Stoppable, die High School. Nach der Schule wird Kim regelmäßig aus aller Welt dazu gerufen, Bösewichte zu bekämpfen. Durch ihren „Kimmunicator“, eine Art Piepser, erfährt sie immer als erste von den neuesten Plänen und Machenschaften der Schurken. Ihre größten Feinde sind dabei der verrückte Wissenschaftler Dr. Drakken und seine Komplizin Shego, mit der sie regelmäßig in den Zweikampf gerät. Kims Freund Ron ist dabei stets ihr Partner und versucht sie in ihren Missionen zu unterstützen. Durch seine tollpatschige Art ist das manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich. Dank ihres Geschicks und ihrer Stärke schafft Kim es jedoch immer wieder, die Bösewichte zu besiegen und damit die Welt zu retten.

Die Figur Kim Possible

Comic-Schriftzug "POW!"

(c) pixabay https://pixabay.com/de/illustrations/pow-comic-comic-buch-kampf-1601674/

Ähnlich wie die meisten männlichen Superhelden führt Kim ein Doppelleben. Tagsüber besucht sie die Schule, wodurch man als Zuschauer*in auch das ein oder andere Drama innerhalb ihrer Freund*innengruppe mitbekommt. Dem gegenüber stehen die Aufgaben, die Kim in ihrem zweiten Leben als Geheimagentin meistern muss. Ob Roboter, Seeungeheuer oder Ninja-Affen – sie muss sich allen möglichen bösen Gegner*innen stellen.

Kim kehrt die Geschlechterrollen um

Im Vergleich zu weiblichen Hauptcharakteren aus anderen Serien ihrer Zeit sticht die Rolle Kim Possible deutlich hervor. Das Frauenbild in der Serie entspricht nicht den stereotypischen Rollenklischees, die andere Disneyserien sonst oft wiedergeben. Kim geht es nicht um Styling, den neuesten Klatsch und

Tratsch oder darum, Jungs zu gefallen. Als eine Art weiblicher James Bond wird die Hauptperson als taffe, starke und selbstbewusste junge Frau dargestellt, der kein Abenteuer zu gefährlich ist. Hier ist auch Kims Nachname interessant, der das englische Wort „possible“ (möglich) darstellt. Dieser verkörpert das Motto von Kims Familie: „Anything is possible for a Possible!“ (Alles ist möglich für eine*n Possible!). Zusammen mit ihrem Vornamen klingt der Name Kim Possible dagegen wie das Wort „impossible“ (unmöglich). Möglicherweise spielen die Macher*innen der Serie hier auf die Agentenfilmreihe „Mission: Impossible“ an.

Die Rolle der Männer

Die Bösewichte, gegen die sich Kim beweisen muss, sind meistens männlich. Dabei werden sie oft als eher einfältig dargestellt, sodass es oft ein Schlupfloch in ihren gemeinen Plänen gibt. Als Beispiel kann man hier an den Superschurken Dr. Drakken denken. Hinter seiner Fassade als böses Genie verbirgt sich oft nur heiße Luft – so blieb bisher jeder seiner Versuche, die Weltherrschaft an sich zu reißen, erfolglos. Somit kann Kim den Schurken stets besiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Teenagerin Kim gegen erwachsene Männer (und deren Gehilf*innen) ankommt und diesen überlegen ist.

Ron steht Kim in ihren geheimen Missionen immer zur Seite. Einige ihrer Gegner*innen bezeichnen ihn deshalb als „Handlanger“. Seine tollpatschige Art steht ihm dabei oft im Weg, wodurch er manchmal alles nur noch schlimmer macht. Er hat jedoch immer gute Absichten und legt alles daran, Kim bei ihren Missionen zu helfen. Dabei ist deutlich zu sehen, dass Kim diejenige der beiden ist, die den Ton angibt. Diese Dynamik einer weiblichen Heldin und ihrem männlichen Gehilfen sieht man in Film und Fernsehen nicht oft. Häufiger wird ein männlicher Superheld gezeigt, der entweder gar nicht auf die Hilfe anderer angewiesen ist oder von einem weiteren Mann unterstützt wird. Als Beispiel kann man hier an den Superhelden Batman und seinen Sidekick Robin denken. Die Figur Kim Possible steht in der Hinsicht also für weibliche Emanzipation und Stärke.

Comic-Schriftzug "ZAP!"

(c) pixabay https://pixabay.com/de/illustrations/zap-comic-comic-buch-kampf-1601678/

Kims Selbstbewusstsein ist anziehend

Und noch ein weiterer Aspekt der Dynamik zwischen Kim und Ron ist interessant. Immer wieder geht aus den Folgen hervor, dass Ron etwas verliebt in Kim ist. Er bewundert sie für ihre Stärke und ihr Selbstbewusstsein. Und er ist nicht der einzige, der Kims Herz erobern will: im Verlauf der Serie kommt sie immer wieder mit Jungs in Kontakt, die sich in sie verlieben und umgekehrt. Hier kann eine weitere Verbindung zu James Bond gezogen werden. Im Gegensatz zum männlichen Helden, dem die Frauen zu Füßen liegen, sind hier die Rollen umgekehrt. Als Superheldin und selbstbewusste junge Frau verdreht Kim dem ein oder anderen Jungen den Kopf.

 

Die Figur Kim Possible kann also als Gegenbeispiel für die sonst meist männlichen Hauptcharaktere in Kinder- und Jugendserien angesehen werden. Durch ihre frechen Sprüche und das starke Auftreten im Kampf gegen Bösewichte kehrt die Heldin die klassischen Geschlechterrollen um. An Kims starker und selbstbewusster Art können wir uns ein Beispiel nehmen.

Sarah-Lisa Walz

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