Unsere Frau der Woche: Nicole Schöndorfer

Sie stellt unangenehme Forderungen, weist alte weiße Männer in ihre Schranken. Die österreichische Journalistin und Podcasterin Nicole Schöndorfer. Ich frage: Darf sie das?

Who is she?

„Meine Social Media-Richtlinie lautet Patriarchat zerschlagen.“So lautet der erste Tweet, den man sieht, wenn man ihren Twitter Account klickt: Nicole Schöndorfer. Die als frei arbeitende Journalistin aus Österreich mischt die feministische Internet Bubble zurzeit mächtig auf.
Selbst bezeichnet sie sich als radikale Feministin, die sich laut gegen jegliche Diskriminierungsform einsetzt. In ihrem Podcast „Darf sie das?“ thematisiert sie wöchentlich gesellschaftlich geführte Debatten aus einem intersektionalen, feministischen Verständnis heraus. Neben der Besprechung des feministischen Inhalts widmet sie

Portraitaufnahme Nicole Schöndorfer

(c) privat

einen Teil der sogenannten „DruKo (kurz für Drunterkommentierer) Analyse“: „Dem Teil von Darf sie das, indem ich wöchentlich drei besonderes beschissene Takes (Hasskommentare) zerlege“. Ihr konfrontativer Umgang mit dem Hate, den sie regelmäßig erhält, ist bemerkenswert. Vor allem auch ermutigend, sich nicht einschüchtern und mundtot machen zu lassen, wenn man seine feministische Haltung nach außen trägt.

Ihre Forderungen sind radikal (Patriarchat abschaffen, Kapitalismus zerschlagen), aber auch notwendig. Einigen (Männern) scheint diese junge Frau, die medial präsent ist und eine Stimme hat, nicht zu passen. Immer wieder bekommt sie Drohungen oder schlicht Versuche, sie auf polemische Weise zu diskreditieren. Genau das bespricht, oder besser gesagt „zerlegt“ sie dann im „DruKo“ Teil ihres Podcasts.

Feminismus, wie er gedacht werden muss

Sie betont regelmäßig die Privilegien, die weiß markierte Menschen im globalisierten Kontext selbstverständlich ausleben. Deswegen solle ein feministisches Verständnis stets antirassistisch, antifaschistisch sowie inklusiv, also nicht klassistisch, gelebt werden.
Da sie sich ebenfalls vom weiß gelebten, liberalen Feminismus abgrenzt, der beispielsweise (weiße) Frauen in der Karriere unterstützen soll und mehr wirtschaftliche bzw. ökonomische Gleichheit zwischen den Geschlechtern schaffen möchte, wird sie scharf kritisiert. Ihre Verteidigung: Feminismus muss stets systemkritisch sein, denn nur, wenn Kapitalismus und die damit verbundenen Ausbeutungsmechanismen überwunden werden, könne das Patriarchat gestürzt werden.
Vorwürfe gegen sie, sie würde die feministische Bewegung spalten, kennt sie zu genüge.

Warum habe ich mich für sie als „Frau der Woche“ entschieden? Ich empfinde Stimmen wie die ihre als essentiell, wenn es darum geht, marginalisierten Menschen Gehör zu verschaffen und auf einen Feminismus zu bauen, der eben genau diese miteinschließt. Sich mit diesen Menschen zu solidarisieren, die tagtäglich Diskriminierung erfahren.

Zudem steht sie symbolisch für eine neue, womöglich vierte Frauenbewegung, die es gilt, auf allen Ebenen zu verteidigen und zu stärken. Dass dabei die eigenen gesellschaftlich anerkannten Privilegien kritisch reflektiert werden, gehört für mich zwingend dazu.

Ihr Podcast regt an zum Weiterdenken. Einmal wöchentlich erscheint eine neue Folge, hört doch mal rein: https://www.darfsiedas.at/podcast

Sarah Akerfors

 

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