Unsere Frau der Woche: Yvette Young

Sucht man im Internet nach den ‚best guitarists of all time‘, trifft man auf Namen wie Jimi Hendrix, Eric Clapton und David Gilmour. Es zeigt sich, was eigentlich allen bereits bewusst ist: Die Rock-Welt wird seit Anbeginn von Männern dominiert. Frauen sollen Fans sein, als Künstlerinnen werden sie jedoch selten ernst genommen. Mit einer neuen Welle an Musikerinnen, die sich über Social Media ein Gehör verschaffen, scheint sich das jedoch zu ändern. Dazu gehört auch Yvette Young, unsere Frau der Woche.

Junge Frau mit einer Gitarre, die linke Hand ist auf dem Bund der Gitarre, rechts sind Noten zu sehen (das Bild ist gezeichnet)

(c) Katharina Marks

Social Media als Kommunikationsweg

Yvette Young ist eine amerikanische Multiinstrumentalistin der Math-Rock-Szene. Als primäre Songwriterin und Gitarristin des Trios Covet, sowie als Solokünstlerin hat sie sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Dabei hat Young zunächst eigene Songs auf YouTube veröffentlich und sich somit eine kleine Fanbase aufgebaut. Mittlerweile nutzt sie hauptsächlich Instagram, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Auf diese Weise kann sie selbst entscheiden, wie sie sich öffentlich präsentieren will. Aber Yvette Young nutzt Social Media nicht nur, um neue Songideen zu teasen und Konzerte anzukündigen. Vielfältig begabt, bietet sie auch ihre Malkünste an. Auf Anfrage verziert Young die Instrumente ihrer Klient*innen mit bunter Malerei.

A Self-Made Woman

Heute ist Yvette Young eine selbstbestimmte Frau, doch das war nicht immer so. Als Kind lernte sie auf Wunsch ihrer Eltern das Geige- und Klavierspielen und nahm regelmäßig an Wettbewerben teil. Weil der Erfolgsdruck so groß war, verlor sie dabei nicht nur ihre Liebe zur Musik. Aus dem Gefühl, perfekt sein zu müssen, entwickelte sich zudem eine Essstörung, die die Musikerin in ihrer Jugend bekämpfte. Im Interview mit she shreds erzählt sie:

„I got sick for a while because of the pressure. […] I landed myself in the hospital and that’s where I started teaching myself guitar.“

Was vorher ein Wettstreit war, wurde nun zu einer Leidenschaft.

Komplexe Rhythmen und hypnotisierende Klänge

Youngs Musik fällt unter das Genre Math-Rock, eine experimentelle Subkategorie des Progressive-Rock. Die Musikrichtung zeichnet sich vor allem durch ungerade Taktarten und dissonante Klänge aus. Dennoch haben die komplexen Kompositionen der Musikerin oft Ohrwurmqualität. Dabei ist nicht nur ein Talent für das Song-Schreiben entscheidend. Auch die Spieltechnik muss sitzen- und diese ist herausfordernd! Denn die ungewöhnlichen Rhythmen und Melodien erfordern, dass sich die Finger schnell und über das gesamte Griffbrett bewegen. Auch bestimmte Techniken, die in populärem Rock kaum vorkommen, werden oft verwendet: So zum Beispiel das Tapping. Aufgrund ihrer Klavierausbildung hat Yvette Young hier möglicherweise Vorteile. Sie selbst sieht Parallelen zwischen ihrem Gitarrenspiel und Klavierspiel:

„I think I just started playing that way because I grew up playing classical piano, and two-handed tapping on a fretboard is kind of like how I play the piano.“

Ausblick in die Zukunft

Neben ihrer Band hat Yvette Young mehrere Solo-Projekte am Start. Auf zwei EPs präsentiert sie Akustiklieder auf der Gitarre, begleitet von Gesang. Darüber hinaus hat sie kürzlich ihre Piano EP veröffentlicht, auf welcher sie atmosphärisches Klavier- und Geigenspiel verbindet. Aber damit ist es noch nicht getan. Young illustriert stets die Albumcover für all ihre musikalischen Veröffentlichungen, sowie die Motive auf ihren Merchandise-Artikeln. Sie ist also gänzlich Frau ihrer selbst. Dabei ist sie nicht die einzige, denn viele weitere junge Musikerinnen nehmen derzeit ihr Schicksal selbst in die Hand und verschaffen sich über soziale Medien ein Gehör. Der wachsende Erfolg dieser Künstlerinnen zeigt anderen Mädchen und Frauen, dass auch sie einen Platz in der Rock-Welt haben. Vielleicht dauert es also nicht mehr lang, bis mehr Gitarristinnen unter den ‚best guitarists of all time‘ zu finden sein werden.

Katharina Marks

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