Unsere Frau der Woche: Jess Thom

Im Rahmen der Rubrik „Unsere Frau der Woche“ dürfen wir euch dieses Mal eine Heldin vorstellen. Ihr Name ist Jess Thom, auch bekannt als die Superheldin Touretteshero. Sie ist Mitgründerin von touretteshero.com, einer Internetseite, die sich dem spontanen Humor des Tourette Syndroms widmet. Damit will sie die Welt „Tic für Tic“ ein bisschen besser machen.

Was genau ist Tourette Syndrom?

Das Tourette Syndrom kennen viele als eine Krankheit, die den Betroffenen unkontrolliert und laut fluchen, so wird die Krankheit jedenfalls oft in Filmen als komisches Element verwendet. Die Krankheit umfasst aber deutlich mehr. Sie geht zurück auf eine genetisch bedingte Störung des Nervensystem, die sich in spontanen Äußerungen und Bewegungen, den sogenannten „Tics“, äußert. Das unkontrollierte Fluchen ist also nur eine Art von Manifestation dieser Krankheit. In den meisten Fällen wird die Krankheit schon im Grundschulalter diagnostiziert. Bei Jess Thom vermischen sich beispielsweise mehrere Tics: Sie schlägt sich wiederholt mit ihrer Faust auf die Brust und sagt das Wort „biscuit“ (deutsch: Keks) immer wieder, gleichzeitig kann sie ihre Sätze aber auch nicht immer kontrollieren.

Kind schlägt sich lachend die Hände vor das Gesicht

© privat ; Barckhausen

Jess Thom, oder: Touretteshero

Das Tourette Syndrom wurde bei ihr erst mit Mitte 20 festgestellt, im Jahre 2006. Anstatt sich aber von der Diagnose herunterziehen zu lassen und abzukapseln von der Welt, wählt Jess Thom den anderen Weg. Sie kreiert ihr Alter Ego Touretteshero, deren Superkraft ihre Krankheit und die damit verbundene Spontaneität ist. Aus dieser Idee ensteht vier Jahre später die Website touretteshero.com, auf der Jess und andere Tourettekranke ihre Tics teilen können. Es gibt Bilder zu den lustigsten Ausrufen, einen Blog und viele interaktive Funktionen für Betroffene und „Interessierte“, die zusammen den unfreiwilligen Humor des Tourette Syndrom zelebrieren. Durch den Erfolg der Seite folgen schnell ganze Events, Comedyshows, Konferenzen und öffentliche Auftritte, alles mit Tourette-Erkrankten, die ihre Krankheit nicht verstecken, sondern teilen wollen.

Auf den ersten Blick erscheint Lachen über eine Krankheit geschmacklos. Schließlich ist eine unheilbare Nervenkrankheit kein Witz! Aber Jess Thom wirbt gerade mit der Bitte, unbedingt zu lachen, falls ihr einmal eine witzige Wortkombination oder ein gar verrückter Satz herausrutscht. In einem Interview mit dem britischen Magazin The Guardian erklärt sie den Grund dafür. Es nimmt der Situation direkt die unangenehme Spannung. Vor allem löst es bei Leuten, die mit Tourette nicht vertraut sind, die Angst davor, falsch oder unhöflich zu reagieren. Denn es ist schon sehr witzig, wenn jemand bittet, dass sich die Wolken doch bitte Unterwäsche anziehen mögen oder den Ratschlag gibt, man solle mehr auf seine innere Ente hören.

Es ist das kreative Potenzial, auf das Wert gelegt wird, nicht auf das Handicap. Menschen, die sonst wegen einer Sache, für die sie nichts können, nämlich ihre Behinderung, ausgegrenzt würden oder keinen Anschluss finden, können über Jess Thom und ihre Seite eine Gemeinschaft finden. hier sind die dann nicht mehr anders, sondern genauso normal wie die Anderen auch. Und dabei kreieren sie auch noch wirklich guten Humor. Für dieses Engagement und dieses Erschaffen von neuem Umgang mit Tourette Syndrom ist Jess Thom unsere Frau der Woche.

Kim Hofschröer

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