Unsere nicht-Frau der Woche: Laurie Penny

Während unserer Recherche für ‚Unsere Frau der Woche‘ sind wir auf verschiedene Frauen und Feministinnen gestoßen. Eine davon war Laurie Penny. Zuerst fand ich, dass sie interessante Punkte hat, die sie in ihren Büchern und Artikeln regelmäßig veröffentlicht. Zum Beispiel ist es für Laurie Penny wichtig, dass ein Feminismus, der nur in kleinlichen Diskussionen endet, nicht das Richtige ist. Frauen müssen sich um das größere Bild kümmern, um etwas Großes bewegen zu können.

Junge Frau mit Mikrofon in der Hand

Britische Autorin Laurie Penny (c) Amrei-Marie

Mit ihrem Buch „Meat Market“ (deutscher Titel: „Fleischmarkt“) kritisiert Laurie Penny die Kontrolle des weiblichen Körpers im Kapitalismus, sowie die Entmachtung des Frauenkörpers durch die Medien. Auch die Besessenheit in unserer heutigen Kultur über die weibliche Schönheit verurteilt sie.

„Fleischmarkt“ ist als Manifest gedacht, das von Hand zu Hand wandern soll. Laurie Penny fordert nichts weniger als die Rebellion der Frauen ein, und zwar in der Form von kollektivem Widerstand, verdichtet im magisch-simplen Wort „Nein“. Schön und brav war gestern.

Alles schön und gut. Aber dann habe ich mir diese Frau etwas genauer angeguckt.

Warum dieser Männerhass?

‚Zur Lage des Feminismus‘ in Berlin letzten Jahres sprachen vier verschiedene Feministinnen während der Veranstaltung. Eine davon war Laurie Penny. Laut Welt-Autor Jan Küveler war dies eher eine Veranstaltung über Männerhass, vor allem, wenn die Aussagen von Laurie Penny in Betracht gezogen werden. Er stellte sich auch schließlich die Frage, warum Laurie Penny so einen Hass auf Männer hat.

 „Um ehrlich zu sein“, ruft Penny, beseelt von der eigenen Drastik, in das zu 90 Prozent weibliche Publikum hinein, „I don’t fucking care about men.“ […] Glaubt man Penny, sind weiße, heterosexuelle Männer sämtlich gestört, potenziell übergriffig und gehören abgeschafft.

Ist das der Feminismus, den wir heute vertreten?

Eltahawy und Penny, beide auf ihre Art ein feministischer Star, bliesen temperamentvoll zur Attacke und lachten viel. Das Publikum im krachvollen großen Saal des Festspiel-Hauses reagierte entzückt

Berliner Zeitung

Zwar wird Laurie Penny als eine der wichtigsten Feminist*innen unserer Zeit gesehen, aber ist dieser Männerhass ein wirklicher Teil des heutigen Feminismus? Wird diese Art und Weise des Handelns uns Frauen in einer immer noch dominierten Männerwelt weiterbringen? Die Diskussion zwischen Mann und Frau würde in kompletter Ignoranz enden, wenn Männerhass der Standard für jede Frau wäre.

Maschinelle Schwangerschaft

Buch Cover mit einer Frau mit ein Werkzeug und Baby

(c) Edition Nautilus

Auch zu dem Thema Babys und Geburt hat Laurie Penny eine Meinung. Sie fordert nämlich, dass Maschinen die Rolle der Mutter übernehmen sollten. Mit der künstlichen Gebärmutter könnten Babys somit gezeugt und ausgetragen werden. Heute leben wir in dem 21. Jahrhundert und Laurie Penny findet, dass die Medizin versagt hat.

Schließlich gibt es auch Menschen, die keine Gebärmutter haben. Ich verstehe überhaupt nicht, was an dieser Idee verrückter ist als an der Idee, einen Arm, ein Herz oder ein Gesicht zu transplantieren.

Es gibt alles Mögliche, nur nicht die Möglichkeit ein Kind außerhalb des Körpers der Mutter zu bekommen.

Und nach der Schwangerschaft?

Einen guten Punkt hat sie, nämlich, dass es immer noch schwierig ist, Job und Kind zu vereinbaren. Aber was hat das mit der eigentlichen Schwangerschaft zu tun? Schließlich hat frau nach der (maschinellen-) Schwangerschaft ja auch mit dem Baby etwas zu tun. Das Kind muss versorgt werden, damit es groß und stark wird.

Es gibt genug Frauen, die die Schwangerschaft lieben und es total genießen. Außerdem, wenn frau selber nicht die Möglichkeit hat, ein eigenes Kind zu zeugen und auszutragen, gibt es so viele andere Lösungen dafür: eine Leihmutter zum Beispiel. Auch dieses Modell wäre eine Möglichkeit für Frauen, die nicht den Wunsch haben, selber schwanger zu sein, aber sich trotzdem ein Kind wünschen. Oder gilt das nur für Frauen, die nicht schwanger werden können?

Wo bleibt die Natur?

Ist es nicht völlig unnatürlich, dass sich ein menschliches Wesen in einer Maschine wächst und sich entwickelt? Zwar gibt es die Möglichkeit, Eizellen und Spermien in einer Petrischale zu vereinen, aber diese werden dann in einem weiblichen, lebenden Körper eingepflanzt. Somit ist das Austragen eines Kindes immer noch ein natürlicher, von der Natur gegebener Vorgang. Wo befindet sich die Verbundenheit zwischen Baby und Mutter, wenn es sich in einer Maschine entwickelt?

Es gibt viele Stränge des Feminismus, und jede*r hat seine*ihre eigene Meinung über dieses Thema. Jedoch ist es nicht konstruktiv, einen Männerhass zu entwickeln. Frau muss das männliche Geschlecht nicht mögen und nicht gern haben, aber frau sollte sich im Klaren sein, dass Männer trotzdem ein Teil unserer Welt und unserer Gesellschaft sind. Sie sind auch ein wichtiger Bestandteil für unsere Fortpflanzung. Frau muss keine eigenen Kinder bekommen, aber frau sollte die Schwangerschaft als eine natürliche belassen. Maschinen sollten diesen Prozess nicht ersetzen. Laurie Penny ist aus diesen Gründen unsere nicht-Frau der Woche.

Louise Tiessen

  2 comments for “Unsere nicht-Frau der Woche: Laurie Penny

  1. Hanna
    29. Juni 2016 at 14:22

    Der Artikel irritiert mich leicht. Meine Laurie Penny Lektüre ist zwar noch nicht abgeschlossen, bisher konnte ich aber keinen Männerhass, sondern nur viel Verständnis herauslesen. Meiner Meinung nach hasst sie keine Männer, sondern nur das Patriarchat, was ich völlig angemessen finde. Aus welchem Buch ist denn die Idee mit der Gebärmuttermaschiene? Daneben ein Foto ihrer Science-Fiction Geschichten einzufügen, bringt mich dazu zu vermuten, dass sie ziemlich falsch verstanden worden sein könnte.

  2. Kalli
    29. Juni 2016 at 15:41

    Ja stimmt, irritiert mich auch, aber anders. Ich bin immer gleich skeptisch, wenn so jemand wie Welt-Autor Jan Küveler sich bedroht fühlt – als Mann und dann evtl. deshalb Laurie Penny niederschreibt. Mir ist es zu häufig vorgekommen, dass Männer-Autoren schnell empfindlich reagieren, wenn ihre Rollen infrage gestellt werden und dann „schießen“ sie gleich um sich. Also: selber eine Meinung bilden muss ich mir dann offensichtlich auch!

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