Was würde passieren, wenn an einem Tag alle Frauen die Arbeit niederlegen und einfach mal nichts tun würden? Genau dies geschah am 24. Oktober 1975 in Island. Laut unserem Video zum Wochenende „Waren Frauen Niemals gleichberechtigt?“ von ARTE mit erheblicher Auswirkung. Die Gesellschaft stand einen Tag lang still.
Das Video aus der ARTE Rubrik Stimmt es, dass hinterfragt, ob Frauen tatsächlich niemals gleichberechtigt waren und was Gleichberechtigung historisch überhaupt bedeutet. Sie zeigen Unterschiede in Geschlechterrollen bei frühen Völkern und schauen, ob es jemals Matriarchate gab.

Frauenstreik in Island
„Das hat die isländische Politik revolutioniert. Aber es war schwierig, sehr schwierig sogar, aber auch wunderbar.’“
Mit diesen Worten beschrieb Sigríður Dúna Kristmundsdóttir im Video ihren Einzug in das isländische Parlament 1983. Dem voraus ging der isländische Frauenstreik am 24. Oktober 1975, an dem über 90 % der Frauen die Arbeit niederlegten. Der Streik machte erstmals unübersehbar, wie sehr Wirtschaft, Politik und Alltag auf der oft unsichtbaren Arbeit von Frauen beruhen. Was als radikaler Protest begann, entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Umdenken, das Island nachhaltig veränderte. Bis heute ist es das Land, was als Vorreiter in der Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt. Mit einem Wert von 92,8 % auf dem Global Gender Gap Index ist es das einzige Land, das die 90 %-Hürde geknackt hat. Der isländische Frauenstreik zeigt eindrucksvoll, wie kollektiver Mut und Solidarität nicht nur politische Strukturen verändern, sondern auch den Maßstab für Gleichberechtigung weltweit neu setzen können.
Das Matriarchat und die Mosuo
Wer bei einem Matriarchat an das genaue Gegenteil des Patriarchates denkt, nur mit Frauen an der Macht, liegt dabei leider falsch. Vielmehr beschreiben Matriarchate, oder treffender „matrilineare Gesellschaften“, eine Art Sozialform, in denen Verantwortung, Besitz und Erbe über die mütterliche Linie fließen. Da die Abstammung über die Frau immer eindeutig ist, entfällt der patriarchalische Zwang, Frauen zu kontrollieren, um die Erbfolge abzusichern.
Ein lebendiges Beispiel für dieses Modell sind die Mosuo am Lugosee in China. In ihrer Kultur gibt es keine klassische Ehe, wie wir sie kennen. Stattdessen praktizieren sie die sogenannte „Besuchsehe“. Hierbei bleiben die Frauen im Haus ihrer Mutter und empfangen dort nachts ihre Partner. Die Kinder wachsen im Haus der Mutter auf, und die Rolle des männlichen Erziehers übernimmt nicht der biologische Vater, sondern der Onkel mütterlicherseits. Bei den Mosuo ist die Liebe das „Sahnehäubchen auf dem Leben“, während die wirtschaftliche Sicherheit und der Familienzusammenhalt durch die Matriarchin garantiert werden.
Neben Islands Frauenstreik und den Mosuo in China thematisiert das Video die Möglichkeiten eines Matriarchats sowie die Geschlechterrollen in prähistorischen Gesellschaften und bei den Wikinger*innen. Falls eurer Interesse zur Geschichte der Gleichberechtigung geweckt worden ist, könnt ihr euch gerne das Video anschauen.
Maite Stöver



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