Mit ihren extravaganten Styles und ihrem selbstbewussten Auftreten hat sich Olivia Jones in den letzten 30 Jahren international einen Namen gemacht. Heute scheint es unglaublich, dass hinter Olivia einst der schüchterne Oliver steckte. Der Spielfilm „Olivia“ erzählt von genau dieser Verwandlung, vor allem aber von den Schwierigkeiten und dem Mut, den es braucht, um so kompromisslos zu sich selbst zu stehen.

Wer ist Olivia?
Schon in der Schulzeit hat Oliver Knöbel alias Olivia Jones erste Auftritte als Travestiekünstlerin. Doch in der Kleinstadt Springe hat sie es nicht leicht. Schließlich zieht Jones 1989 nach Hamburg, lernt Lilo Wanders kennen, und darf im Schmidt-Theater auftreten. 1997 erhält sie den Titel „Miss Drag Queen of the World“. Spätestens seit dem Dschungel Camp 2013 ist Jones deutschlandweit bekannt. Mittlerweile tritt sie in der Öffentlichkeit nur noch als Olivia Jones auf. Sie baut sich in Hamburg ihr eigenes Imperium auf, macht Stadtführungen und eröffnet Bars und Clubs. Unter Anderem gründet sie Europas erste „ladies only“ Strip-Bar „Olivias Wilde Jungs“.
Vor allem ist Jones aber als Aktivistin engangiert. 2004 kandidiert sie bei der Hamburger Bürgerschaftswahl, und verhindert damit, dass Rechtsaußen-Politiker Ronald Schill in die Bürgerschaft einzieht. Nachdem die AfD ihr Kinderbuch „Keine Angst in Andersrum – eine Geschichte vom anderen Ufer“ kritisiert und Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleichsetzt, zeigt sie AfD Politiker André Poggenburg wegen Volksverhetzung an. Anlässlich des ESC 2016 spricht sie außerdem als erste Drag Queen das „Wort zum Sonntag“ und setzt sich für mehr Toleranz und Vielfalt ein. Für ihr langjähriges Engagement wird Jones 2017 von Hamburg Pride e.V. mit dem „Ehren-Pride-Award“ geehrt.
Der Begriff „Travestie“
… kommt aus dem italienischen und bedeutet so viel wie „verkleiden“. Im heutigen Kontext ist damit die darstellerische Kunstform gemeint, bei der Darsteller*innen in verschiedene Geschlechterrollen schlüpfen und deren Charakteristika nachahmen. Die Darstellungen sind oft bewusst provokant, und hinterfragen und dekonstruieren stereotype Geschlechterrollen. Heutzutage ist der Begriff eher veraltet, und wird meist mit Drag („dressed as a girl“) gleichgesetzt. Der Begriff Drag beschreibt auch eine Kunstform, die aber noch vielseitiger und politischer ist als klassische Travestie. Während Travestie meist „nur“ Element einer Show ist, wird Drag häufig zur Lebenseinstellung. Drag-Performances sind mehr als nur Bühnenrollen, sondern eine Feier von Identität und Vielfalt.
Der Film
… basiert auf Jones‘ Buch „Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben“, in dem die Drag Queen über Ausgrenzung und Diskriminierung in ihrer Kindheit und frühen Karriere schreibt. Adaptiert wurde das Buch von Autor David Ungureit und Regisseur Till Endemann, und die Hauptrolle wird von Johannes Hegemann verkörpert. Wie Olivia Jones es seit Beginn ihrer Karriere tut, greift der Film mit Humor und Satire schwerwiegende Themen auf, und setzt damit ein starkes Zeichen für Akzeptanz. Bei der Premiere in Hamburg sagt Jones:
„Der Film steht für Diversity, für Offenheit und, dass man sich sein Leben nicht diktieren lässt. Und vielleicht ist er so ein kleiner Mosaikstein und macht die Republik ein bisschen lockerer und bunter“
Wer sich diese bewegende und inspirierende Geschichte nicht entgehen lassen will, kann den Film am 12. Mai um 20.15 Uhr im ZDF, oder ab sofort in der ARD Mediathek sehen.
Jasmin Hebner



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