Ob eine queere oder trans Person auf dem Dorf oder in der Stadt wohnt, hat oft einen erheblichen Einfluss auf die jeweillige Lebensrealität. Dabei geht es nicht nur um den unterschiedlichen Lifestyle, sondern um Fragen der Sichtbarkeit und Sicherheit. Die MDR Dokumentation „Queer in der Provinz“ begleitet 4 Personen der LQBTQ+ communtity, und zeigt sowohl die Licht- als auch Schattenseiten, die ein Leben auf dem Land für queere und trans Personen mit sich bringt.

Queerfeindlichkeit nimmt zu
… darauf macht auch dieses Jahr der Internationale Tag gegen Homo- Bi- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) aufmerksam, der seit 1990 jährlich am 17. Mai stattfindet. Von 2020 bis 2024 ist die Zahl der Fälle von Hasskriminalität aufgrund sexueller Orientierung tatsächlich auf das Dreifache angestiegen. Ein beachtliche Teil dieser Angriffe auf die LGBTQ+ community kommt aus rechtsextremen Kreisen. Laut dem Bundesverband Trans* finden im letzten Jahr bei 21% der bundesweiten Christopher Street Days (CSD) rechte Gegenveranstaltungen statt. Vor allem im ländlichen Raum, wo eher konservative Wertvorstellungen die Norm sind, und LGBTQ+ Themen kaum sichtbar gemacht werden, fühlen sich queere und trans Personen oft wenig akzeptiert.
Die Dokumentation
… knüpft genau dort an. Aufgrund von homophoben Einstellungen im engeren Bekanntenkreis plant Tina ihr Coming Out bewusst nach ihrem Umzug in die Unistadt Heidelberg. Als sie und Ehefrau Sarah sich ein Kind wünschen, ziehen die beiden jedoch zurück in den Schwarzwald, und wohnen nun mit 4 Generationen in Tinas Familienhaus. Seitdem sind sie die einzige Regenbogenfamilie im kleinen 400-Einwhohner-Dorf Baiersbronn.
Christian ist im mecklenburgischen Blankensee aufgewachsen, wo seiner Familie ein Wirtshaus gehört. Kurz vor seinem 40. Geburtstag entschließen er und sein Verlobter sich dazu, aus Berlin wegzuziehen, um die Gaststätte selbst weiterzuführen. Zunächst sorgt das für Schwierigkeiten mit den vorherigen Pächtern und Spannungen in der Dorfgemeinschaft. Aber Christian weigert sich, sich in seinem Heimatdorf zu verstecken und hofft auf ein baldiges harmonisches Zusammenleben.
In Weißenfels (Sachsen Anhalt) ist Eric, seit er 10 Jahre alt ist, zuhause. Die Gegend beschreibt er selbst als „rechtsextreme Hochburg“, dennoch lebt er offen schwul und organisiert einen CSD für den gesamten Landkreis. Wegen der hohen Gefährdungssituation muss die Route des Umzugs geheim gehalten werden, und Eric erwartet einen „nicht so positiven Ausgang“. Viele seiner Freund*innen haben die Heimat längst verlassen, weil sie sich nicht sicher fühlen, und auch Eric spielt mittlerweile mit dem Gedanken.
Joe hat sich vor zwei Jahren als non-binär geoutet. Vor allem in der Familie gibt es deswegen immer wieder Schwierigkeiten. Eigentlich würde Joe auch lieber in einer Stadt wie Berlin wohnen, aber Partner Hendrik hat in Emden sein Zuhause. Nach dem Selbstbestimmungsgesetz können Menschen in Deutschland ihren Namen und Geschlechtseintrag eigentlich frei auswählen und ändern lassen, aber Joe hat es beim Versuch, den Deadname vom Ausweis zu bekommen, zunächst schwer. Vor allem die Tatsache, dass viele Menschen nicht verstehen was deadnaming in trans Personen auslösen kann, macht Joe zu schaffen.
Fazit
Gerade in diesen Zeiten, wo Akzeptanz von Diversität eher sinkt, ist es wichtiger denn je, queere und trans Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Die Dokumentation „Queer in der Provinz“ geht damit einen wichtigen Schritt, und bringt mit sich die Hoffnung, dass Queer- und Transfeindlichkeit bald im ländlichen Raum, aber auch weltweit nicht länger toleriert wird.
Jasmin Hebner



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