Off Campus ist eine US-amerikanische College-Serie, die auf dem ersten Band der gleichnamigen Romance-Buchreihe von Elle Kennedy basiert. Erschienen ist sie am 13. Mai 2026 und landete in vielen Ländern direkt auf Platz Eins der Streaming Charts. Doch worum geht es überhaupt? Die Handlung ist recht leicht erklärt, da es an dem typischen Fake Dating Trope orientiert ist. Die Studentin Hannah Wells ist verliebt in den Musiker Justin. Als der Eishockeyspieler Garret Graham sie um Nachhilfe aufgrund seiner schlechten Schulnoten bittet, fangen die beiden eine Fake-Beziehung an. So simpel geht es weiter – bis zur vierten Folge. Denn ab dann werden Erfahrung mit sowohl sexualisierter als auch häuslicher Gewalt zum Thema.

Männlichkeitsbilder in der Serie
Eine Besonderheit von Off Campus im Vergleich zu vielen anderen Romcoms liegt in der Darstellung von Männlichkeit. Anders als in klassischen Collegefilmen werden die männlichen Hauptfiguren nicht als klassische, prahlende Eroberer inszeniert. Garrett und seine Freunde sind zwar normschöne, erfolgreiche Sportler und durchaus begehrt, behandeln Frauen jedoch mit Respekt. Sie verzichten auf „Alpha-Mentalität“, Unnahbarkeit und grenzüberschreitendes Verhalten. Sie verkörpern ein eher fürsorgliches, respektvolles und emotional zugängliches Männlichkeitsideal mit großem Wert auf Konsens. Gleichzeitig blendet die Serie die Realität sexueller Gewalt nicht aus. Hannahs Vergewaltigungserfahrung macht deutlich, welchen Gefahren viele Frauen ausgesetzt sind. Auch andere körperliche Gewalt wird porträtiert. So hat Garrett beispielsweise Gewalt durch seinen eigenen Vater erfahren und fürchtet sich davor in ähnliche Muster zu verfallen. Insgesamt entwirft Off Campus also ein Gegenbild zu patriarchalen und toxischen Männlichkeitsmustern, ohne diese auszublenden.
Jules
Jules ist eine für die Serie hinzugefügte Figur, die hinter dem Gossip-Account der Hockeymannschaft steckt. Die Figur ist nonbinary, was in der Serie jedoch nur sehr zurückhaltend thematisiert wird. Einerseits ist die Darstellung dadurch selbstverständlich und vermeidet es, die Figur auf ihr Nonbinärsein zu reduzieren. Andererseits spielt die subtile Umsetzung eine Rolle darin, dass Jules misgendert wird – vorallem auf Social Media. Dabei sind viele queerfeindliche Stimmen zu hören, während überraschend viele Menschen es auch einfach nicht mitbekommen haben.
Vorwürfe an die Autorin
Dennoch muss auch Kritik Gehör finden. Im Social Media Diskurs wurde diese zunächst auf BookTok laut und fokussierte sich auf die Autorin Elle Kennedy selbst sowie auf die zugrundeliegende Buchreihe. Kritisiert wird sie vor allem für einige Szenen der Buchvorlage, in denen weibliche Intimität vorrangig für den Male Gaze und für die männliche Befriedigung stattfindet. Leser*innen werfen ihr Lesbophobie vor und prangern diese Szenen öffentlich an. In diesem Kontext veröffentlichte Kennedy 2019 ein Statement auf Social Media, dass sie kein Interesse an F/F-Romanzen, also lesbischen Romanzen besäße. Wie die Zeitschrift Schwulissimo berichtet, habe Amazon Prime Video trotz Nachfrage bisher keine Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen veröffentlicht, die Verlagswelt beobachte diese Kontroverse allerdings aufmerksam.
Fazit
Alles in allem bietet Off Campus in vielerlei Hinsicht eine angenehme Abwechslung zu anderen Collegefilmen oder Serien. Auch wenn es einige Klischees bedient, thematisiert es auch wichtige Themen, wie zum Beispiel Konsens, sexualisierte Gewalt und Respekt. Trotz des großen Erfolges und der aktuellen Relevanz sollte die Kritik nicht ausgeblendet werden. Die Kontroverse um die Autorin muss ernst genommen werden. Es ist wichtig, über diese Themen zu sprechen, gerade wenn sich durch die Adaption von Amazon eine große neue Zielgruppe erschließt.
Selma Meinke und Maxi Burfeindt



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