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Frauke Lodders thematisiert in ihrem Drama „Gotteskinder“ das Leben und die damit verbundenen Einschränkungen von zwei evangelikal aufwachsenden Geschwistern. Der 2024 veröffentlichte deutsche Film ist eine kritische Auseinandersetzung mit streng religiösen Familien und den Herausforderungen, die Kinder in solchen Familien durchmachen müssen.
Der evangelikale Pastor und Vater von Hannah und Timo, David erlaubt seinen Kindern nicht, ihre Sexualität auszuleben. Dies führt nicht nur in der Familie zu Konflikten, denn auch Max, der neu in die Nachbarschaft gezogen ist, wird zum Opfer von Davids Autorität. Die Eltern von Timo und Hannah sehen ihre Religion als die Lösung für alle Probleme an. Darunter leiden ihre Kinder.
Hannah und Timo gehen in eine Bekenntnisschule und ihre Freizeit wird mit Gemeindeaktivitäten verbracht. Sie kennen ein Leben ohne Religion nicht. Nachdem Max in die Nachbarschaft zieht, ändern sich die Gegebenheiten. Timo wird sich der Tatsache bewusst, dass er Interesse an seinen besten Freund Jonas hat. Währenddessen ist Hannah mit romantischen Näherungen seitens Max konfrontiert. Beide müssen Wege finden, mit ihrer Sexualität umzugehen, obwohl sie vorher keinerlei Erfahrung haben.
Internalisierter Scham von Frauen
Max und seine Mutter besuchen zum Kennenlernen Hannahs Familie. Hannahs Vater fordert sie auf, Max bei dem Einleben in die Nachbarschaft zu helfen. Hannah akzeptiert diese Aufgabe und trifft sich mit Max. Bei den Treffen wird klar, dass beide sich zueinander hingezogen fühlen. Dies ist für Hannah unangenehm. Max ist bereit, mit Hannah eine Beziehung anzufangen, jedoch lehnt Hannah dies ab. Denn für Hannah ist es undenkbar, mit einem konfessionslosen Menschen wie Max zusammen zu sein. Eine „gute Christin“ zu sein, ist für Hannah die höchste Priorität. Sie trifft sich trotzdem weiterhin mit Max, jedoch ohne, dass sie zusammenkommen. Hierdurch wird klar, dass Hannah sehr zwiegespalten ist. Sobald Hannah merkt, dass Max ebenfalls interessiert ist, verheimlicht sie ihre Treffen mit ihm. Hannah nimmt Max mit auf eine evangelikalen Veranstaltung für junge Menschen. Da küsst Max Hannah ungewollt, welches Hannahs kleine Schwester mitbekommt und ihrem Vater erzählt. Nachdem Max sie ungewollt küsst, fühlt Hannah sich schuldig und ihr Vater nennt sie ein „schlechtes Vorbild“ für andere Christ*innen. Hannah möchte ihre „Reinheit“ behalten und ist im Allgemeinen peinlich berührt von der Idee, mit einem Jungen etwas Romantisches und/oder Sexuelles zu erleben. Diesen Scham projiziert sie auch auf ihre Freundinnen, indem sie die Freundinnen beschämt, wenn sie sexuelle Erfahrungen sammeln.
Evangelikal und homosexuell
Timo lässt sich nach seiner Taufe zu einem Seelsorgecamp (SSC) schicken, um sich von seiner Homosexualität zu „heilen“. Er möchte ein „guter“ Christ sein, so wie sein Vater. Jedoch hält er seine Homosexualität als inkompatibel mit seiner Religion und kann seine sexuelle Orientierung nicht akzeptieren. Er schämt sich davor so sehr, dass er sich nach der Selbstbefriedigung schlägt. Im SSC trifft Timo auf seinen besten Freund Jonas, der wegen dem gleichen Thema wie er da ist. Jonas hat mit seiner sexuellen Orientierung jedoch kein Problem, was für Timo für einer Menge Verwirrung sorgt. Die Konversionstherapie im Camp lässt Timo glauben, dass er etwas „Böses“ in sich hätte und dies loswerden müsste, um Gott gerecht zu werden.
Fazit
Der Film „Gotteskinder“ zeigt, wie schwer es ist, für Kinder in christlich-fundamentalistischen Familien ihre Sexualität frei auszuleben. Als Frau ist Sexualität stark mit Schamgefühlen verbunden, da man seine „Reinheit“ zu beschützen hat, bis „der Richtige“ kommt. Als homosexueller Mann wird man damit konfrontiert, als „böse“ und „sündig“ abgestempelt zu werden. Diese Zuschreibungen kommen zustande, nur weil man der Heteronormativität, die in diesen Kreisen existiert, nicht entspricht. In beiden Fällen wird dem Menschen die Autonomie über den eigenen Körper weggenommen.
Meiner Meinung nach gelingt es dem Film gut, die Herausforderungen einer freien Entfaltung der Sexualität in evangelikalen Kreisen zu thematisieren. Beide Geschwister bemühen sich, „gute“ Christ*innen zu sein, um ihre Familie, besonders den Vater, stolz zu machen. Sie lehnen hierfür ihre Sexualität ab. Dadurch wird der Druck, der in ihrem Leben auf sie ausgeübt wird, klar. Interessant wäre gewesen, zu sehen, wie ein Kind aus einer evangelikalen Familie agiert, wenn das Kind selbst kein Interesse daran hat, ein „gute*r“ Christ*in zu sein. Der Film ist empfehlenswert, um zu sehen, wie das Thema der Sexualität in streng religiösen (hier evangelikalen) Familien unterdrückt wird. Auch Personen, die in anders konfessionellen Familien aufgewachsen sind, könnten in dem Film ihre Erlebnisse wieder finden. Das Thema der Unterdrückung von Sexualität ist in vielen Konfessionen und Religionen verbreitet, besonders bei Frauen und nicht heterosexuellen Männern.
Melek Gezer



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