Vom Glück des Gebens

Eine kleine Geschichte zum Weltglückstag

Um 17 Uhr war es vor zwei Monaten bereits dunkel. Es klingelte an meiner Haustür. Vorsichtig mit dem Sicherheitsriegel öffnete ich die Tür. Ein Paketbote stand davor mit einem Paket und sagte: „Kann ich lassen“ und wies auf den Karton und die Haustür meiner Nachbarin. Ich sagte „Ja“ und unterschrieb den Empfang.

Leuchte, roter Kasten

Neue Adresse (c) Algeth Weerts

Aber, so dachte ich, dem Mann muss sprachlich geholfen werden. Ängstlich war ich nun nicht mehr. Ich sagte freundlich zu ihm: „Sie müssen mich in dieser Angelegenheit anders ansprechen.“ Er schaute verdutzt, blieb aber stehen: „Sagen Sie, können Sie das Paket für die Nachbarin annehmen?“ Er wiederholte den Satz stolpernd. Ich nickte, und zusammen sprachen wir den Satz noch einmal. Dann drehte er seinen Block herum, gab mir seinen Stift und bat mich den Satz aufzuschreiben. Noch einmal las er ihn vor und lachte und dankte. Ich dachte, ist ja wie in dem Musical „My Fair Lady“, jetzt hat er es. Dann nahm er meine Hand und gab mir galant einen Handkuss. Na, da war ich aber überrascht. Wann habe ich schon mal einen Handkuss bekommen?

Und am 20. März 2018 klingelte es wieder an meiner Haustür. Lachend steht ein Paketbote mit einem großen Paket vor der Tür und sagt fließend zu mir: „Können Sie das Paket für die Nachbarin annehmen?“ „Ja, selbstverständlich“, erwidere ich. Darauf sagte er: „Sie sind meine Lehrerin gewesen. Ich habe den Satz von Ihnen gelernt.“ Mein Erlebnis am 20. März 2018, dem Weltglückstag.

Heidemarie Gniesmer

  1 comment for “Vom Glück des Gebens

  1. Tina
    30. März 2018 at 14:50

    Was für eine nette Geschichte, Heidemarie! Du hast dem Postboten etwas vermittelt, ohne dass er es als bevormundend oder herablassend empfunden hat. Und du hast dir die Zeit genommen – und er auch!

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